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Archiv der Kategorie: Gedichte
Aschermittwoch
Nun fällt der tollen Narrenwelt
das bunte Kleid in Lumpen, -
und klirrend auf den Estrich schellt
der Freude voller Humpen.
Lautkrachend springt ins Schloss das Tor,
kein Lichtschein mehr am Fenster -
ein grauer Morgen kriecht empor,
der Morgen der Gespenster.
(…)
Clara Müller-Jahnke (1860-1905) deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Frauenrechtlerin
Erste von sechs Strophen des Gedichts “Aschermittwoch”
Text gefunden bei “gedichte.xbib.de”
Veröffentlicht unter Gedichte
3 Kommentare
Dieser Liebe toller Fasching
Dieser Liebe toller Fasching,
Dieser Taumel unserer Herzen,
Geht zu Ende, und ernüchtert
Gähnen wir einander an!
(…)
Heinrich Heine (1797-1856) deutscher Dichter und Schriftsteller
1. Strophe des Gedichtes “Dieser Liebe toller Fasching” in “Neue Gedichte”
Veröffentlicht unter Gedichte
5 Kommentare
Blumen für alle
Anna Blume bekam sie von Schwitters im
Sinne eines dadaistischen Blumengewitters.
Bei Schiller weiss man nicht, will er, doch
für Stefan gibt’s einen Zweig und für
Wilhelm einen Busch davon auf den Tisch.
So auch für Meyer, Keller, Walser und Frisch.
Dürrenmatt schenkt man Blüte und Blatt.
Viel Grün soll es sein für die Droste, koste es,
was es wolle, und dann müssen Ranken her
für die Bachmann, für Celan und die Sachs,
für Kaschnitz, Burkart, die Ebner-Eschenbach,
ach, und damit ich es nicht vergesse, für
von Arnim, Trakl, Novalis und Hesse.
Im Blumenhandel findet man kaum was
Konkretes für Jandl und seine Friederike,
wenn, dann kühle Astern für Benn oder
(heisser und kühler) für die Lasker-Schüler.
Immerhin gibt es Samen für die Damen:
Ausländer, Aichinger, Kirsch oder Domin.
Eichendorff, Hölderlin, Rilke und Heine
bekommen feine Gestecke aus Wiesen und
Hecke; mit losen Sträussen beehrt man
Ringelnatz, Artmann und Morgenstern gern. -
Und gewiss sind auch allen anderen, etwa
Mörike, Eich oder Brecht, Blumen recht…
Besonders schön fänd ich es ausserdem,
wenn man Goethe Rosen anböte.
Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Gedichte, Kapriolen
26 Kommentare
Kalt ist’s, eine trockene Kälte
Kalt ist’s, eine trockene Kälte,
Aus modernen Burgen schallt
Tadel für das Holz, den Heizer
Durch die weiten Säle bald.
Aber in des armen Hütte
Ist von Tadel keine Spur,
Eingefroren ist das Wasser
Und man weint und zittert nur.
Friederike Kempner (1836-1904) deutsche Dichterin
Text gefunden im Internet
Veröffentlicht unter Gedichte
4 Kommentare
Stegreif
Haarrisse im Fundament. Reflexe im Fenster.
Geburtstagsgeschenke. Das ist vielleicht
nicht der richtige Zeitpunkt. Gleichwohl
gehen wir durch diesen Wald im Spiegel.
Stellen uns unter die Brause des Wasserfalls.
Und Amor (scharfsinnig wie immer) rollt uns
ein Kiesbett unter die Füsse.
Lehrt uns das Hüpfen von hier nach da.
Brigitte Fuchs
Aus “Handbuch des Fliegens”, Gedichte, edition 8, Zürich 2008
Veröffentlicht unter Gedichte
17 Kommentare
Es zieht der Frost…
(…)
Es zieht der Frost durch Wald und Feld
Und überspinnet jedes Reis
Und alle Halme silberweiss.
Er hauchet über dem See, und im Nu,
Noch eh’ wir’s denken, friert er zu.
(…)
Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) deutscher Dichter
Auszug aus seinem Gedicht Winternacht
Veröffentlicht unter Gedichte
11 Kommentare
Februar
O wär im Februar doch auch
Wie’s andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.
Theodor Storm (1817-1888) deutscher Dichter und Schriftsteller
Gedicht gefunden im Netz
Veröffentlicht unter Gedichte
13 Kommentare
Sie wünschen?
Sie wünschen?
Eine Glaskugel!
Wie gross?
Vielleicht in Vollmondgrösse!
- Gegenseitiges verstehendes Lächeln. -
Nicht jeder soll erraten dies hier,
denn wehe mir,
sonst wär ich ganz verraten.
Paul Klee (1879-1940) deutsch-schweizerischer Künstler
In “Paul Klee / Gedichte”, herausgegeben von Felix Klee, Verlag “Die Arche”, Zürich 1960
Veröffentlicht unter Gedichte
10 Kommentare
gewaltig
gewaltig
wie plötzlich die Leere
sich füllt und grünes
Gezweig den Sätzen
auf die Sprünge hilft
Elsbeth Maag, *1944, Schweizer Lyrikerin und Autorin
In “Pappeln rennen durchs Tal”, Gedichte, Edition Klaus Isele 2011
Veröffentlicht unter Gedichte
13 Kommentare
Dunkle Rose…
Dunkle Rose, tiefe Glut,
Samtverhüllte Liebestaube,
Gurrend weiches Federwölkchen,
Hütest noch die Traumgestalten.
Lass mit allen Schleiern fallen
Alles Zögern, alle Schranken,
Bis Vergehen dich umhüllt
Schmerzgelöst im Aufbegehren.
Kurdisches Volkslied
Veröffentlicht unter Gedichte
13 Kommentare
