Archiv der Kategorie: Gedichte

Wenn der Frühling kommt

Wenn der Frühling kommt
Wenn der Frühling kommt
Will ich tanzen im Gras -

Luft ist wie Seide
Erd’ ein Geschmeide
Und der Himmel wie Glas

Und mein Herz so leicht
Einem Flöckchen gleicht
Das von Gott weiss genas…

Wenn der Frühling kommt
Wenn der Frühling kommt
Will ich tanzen im Gras -

 

Karl Adolf Laubscher (1888-1974) Schweizer Maler und Dichter
In “Gazellengedichte”, Kristall-Verlag, Bern 1941

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Frühling des Armen

(…)

“Ich wandre, bis das Land ich finde,
Das bess’re, wo der ärmste Mann
Ein Quentlein Hoffnung kaufen kann
Für einen Deut von Birkenrinde.
Dann wird mein Stecken bald zu Golde,
Das schönste Schloss erstürm’ ich frisch,
Drin sitzt als Glück mein Kind, das holde,
Und winkt mir lächelnd an den Tisch!”
  

 
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Dichter und Schriftsteller
Letzte Strophe des fünfstrophigen Gedichts “Frühling des Armen” aus seinen gesammelten Werken

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Pansmusik

(…)

Heut fährt der Gott der Welt auf einem Flosse,
Er sitzt auf Schilf und Rohr
Und spielt die sanfte, abendliche, grosse,
Und spielt die Welt sich vor.

(…)

 
Oskar Loerke (1884-1941) deutscher Dichter
Eins Strophe aus seinem Gedicht “Pansmusik”
Aus der Anthologie “Die schönsten deutschen Gedichte” gesammelt und geordnet von Ludwig Goldscheider, Phaidon-Verlag Wien / Leipzig, o. Jahrgang,  wahrscheinlich um 1930 erschienen

P. S. In meiner antiquarisch erworbenen Ausgabe steht die Widmung: “Meinem lieben Gretz beim Verlassen Ägyptens.
20. April 1934. Oskar

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Sieh da:

Sieh da: Die Weide schon im Silberpelz,
Die Birken glänzen, ob auch ohne Laub,
In einem Lichte, das wie Frühling ist.
Der blaue Himmel zeigt türkisenblau
Ganz schmale Streifen, und ich weiss, das ist
Des jungen Jahres erster Farbenklang,
Die ferne Flöte der Beruhigung:
Die Liebe hat die Flügel schon gespannt,
Sie naht gelassenen Flügels himmelher,
Bald wird die Erde bräutlich heiter sein.

(…)

Otto Julius Bierbaum (1865-1910) deutscher Journalist und Schriftsteller
Erste Strophe des zweistrophigen Gedichts “Vorfrühling”

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Nach Norden

Palmström ist nervös geworden;
darum schläft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen Süden
schlafen heisst das Herz ermüden.

(Wenn man nämlich in Europen
lebt, nicht südlich in den Tropen.)

Solches steht bei zwei Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten -

und erklärt sich aus dem steten
Magnetismus des Planeten.

Palmström also heilt sich örtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nördlich.

Und im Traum, in einigen Fällen,
hört er den Polarfuchs bellen.

  

Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer
Aus “Sämtliche Galgenlieder” Manesse im dtv, Zürich / München 1992

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Aschermittwoch

Nun fällt der tollen Narrenwelt
das bunte Kleid in Lumpen, -
und klirrend auf den Estrich schellt
der Freude voller Humpen.
Lautkrachend springt ins Schloss das Tor,
kein Lichtschein mehr am Fenster -
ein grauer Morgen kriecht empor,
der Morgen der Gespenster.

(…)

Clara Müller-Jahnke (1860-1905) deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Frauenrechtlerin
Erste von sechs Strophen des Gedichts “Aschermittwoch”
Text gefunden bei “gedichte.xbib.de”

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Dieser Liebe toller Fasching

Dieser Liebe toller Fasching,
Dieser Taumel unserer Herzen,
Geht zu Ende, und ernüchtert
Gähnen wir einander an!

(…)
  

Heinrich Heine (1797-1856) deutscher Dichter und Schriftsteller
1. Strophe des Gedichtes “Dieser Liebe toller Fasching” in “Neue Gedichte”

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Blumen für alle

Anna Blume bekam sie von Schwitters im
Sinne eines dadaistischen Blumengewitters.

Bei Schiller weiss man nicht, will er, doch
für Stefan gibt’s einen Zweig und für
Wilhelm einen Busch davon auf den Tisch.
So auch für Meyer, Keller, Walser und Frisch.
Dürrenmatt schenkt man Blüte und Blatt.

Viel Grün soll es sein für die Droste, koste es,
was es wolle, und dann müssen Ranken her
für die Bachmann, für Celan und die Sachs,
für Kaschnitz, Burkart, die Ebner-Eschenbach,
ach, und damit ich es nicht vergesse, für
von Arnim, Trakl, Novalis und Hesse.

Im Blumenhandel findet man kaum was
Konkretes für Jandl und seine Friederike,
wenn, dann kühle Astern für Benn oder
(heisser und kühler) für die Lasker-Schüler.
Immerhin gibt es Samen für die Damen:
Ausländer, Aichinger, Kirsch oder Domin.

Eichendorff, Hölderlin, Rilke und Heine
bekommen feine Gestecke aus Wiesen und
Hecke; mit losen Sträussen beehrt man
Ringelnatz, Artmann und Morgenstern gern. -
Und gewiss sind auch allen anderen, etwa
Mörike, Eich oder Brecht, Blumen recht…

Besonders schön fänd ich es ausserdem,
wenn man Goethe Rosen anböte.
  

Brigitte Fuchs

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Kalt ist’s, eine trockene Kälte

Kalt ist’s, eine trockene Kälte,
Aus modernen Burgen schallt
Tadel für das Holz, den Heizer
Durch die weiten Säle bald.

Aber in des armen Hütte
Ist von Tadel keine Spur,
Eingefroren ist das Wasser
Und man weint und zittert nur.

  

Friederike Kempner (1836-1904) deutsche Dichterin
Text gefunden im Internet

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Stegreif

Haarrisse im Fundament. Reflexe im Fenster.
Geburtstagsgeschenke. Das ist vielleicht
nicht der richtige Zeitpunkt. Gleichwohl
gehen wir durch diesen Wald im Spiegel.
Stellen uns unter die Brause des Wasserfalls.
Und Amor (scharfsinnig wie immer) rollt uns
ein Kiesbett unter die Füsse.
Lehrt uns das Hüpfen von hier nach da.

 

Brigitte Fuchs
Aus “Handbuch des Fliegens”, Gedichte, edition 8, Zürich 2008

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