Ein richtiges Januargefühl wollte sich nicht einstellen. Die grosse Erleichterung, die sich sonst nach den Feiertagen wie die plötzliche Stille nach dem Abflauen einer Windböe breit machte, fehlte dieses Mal. Auch war es für die Jahreszeit zu warm, nur selten lag frühmorgens Raureif auf den Dächern der Nachbarhäuser und den spärlichen Schnee hatten Sonne, Wind und Regen längst zum Verschwinden gebracht. Das war nichts Ungewöhnliches, und doch war alles irgendwie anders. Katja suchte nach Gründen. Aber nicht mal über Ebbe in der Haushaltkasse konnte sie sich beklagen. Es war ja auch alles so abgelaufen wie jedes Jahr, in überschaubarem Rahmen, ohne grosse Gelage oder Orgien, aber auch nicht besonders karg: wie immer eben.
Es musste an ihr liegen, an der seltsamen Unruhe, die sie in sich spürte. Etwas schien ihr zu fehlen, und plötzlich wusste sie auch, was es war. Sie hatte schon so lange nichts mehr geschrieben, zumindest nichts Handfestes, Wesentliches.
Kurzentschlossen setzte sie sich, nachdem sie die Wäsche gebügelt und gestapelt hatte, an den Schreibtisch, nahm ihr Notizheft und einen Stift zur Hand und begann, Wintersätze zu schreiben. Sie liess die Flocken wirbeln, rieseln, treiben, liess sie als Flaum auf schwarze Dachziegel fallen, schräg am Fenster vorbeiwehen oder auf der ausgestreckten Hand zerrinnen. Sie hiess den Nordwind durch die Lorbeerbüsche pfeifen, den Fuchs über die gesprenkelten Felder schnüren und ein paar Krähen jäh aufflattern. In kurzer Zeit wurde es nochmals so richtig zuckrig weiss. Kinder in Stiefeln und Kapuzenjacken zogen bunte Schlitten hinter sich her und wichen dem Postboten aus, der sein Rad durch die knöcheltiefe Glitzerpracht schob. Wenn die Autos anfuhren, drehten die Reifen kurz durch. Der Schneepflug zog den Fahrzeugreihen entlang Mahden und vor den Einfamilienhäusern lächelten sich die Nachbarinnen beim Schneeschaufeln zu.
Katja schrieb und schrieb, strich durch, überschrieb und unterstrich. Danach tippte sie die vollgekritzelte Seite in den Computer ein und während sie im Word weiterschrieb, stellte sich unvermittelt ein Gefühl von Ruhe und Richtigkeit ein. Es war Januar, wie sie ihn liebte; das Jahr hatte erst begonnen und wenn sie auf den Kalender blickte, lagen die meisten der Felder für Tage und Wochen weiss und unberührt da wie frisch gefallener Schnee.
Brigitte Fuchs
(Als Beitrag zu Donnas Schreibprojekt: http://www.donnaschreibt.com/)
sogar winter und schnee lassen sich herzaubern.
danke brigitte
für deine geschichte
rosadora
Deine Geschichte, deine Gedanken gefallen mir, sprechen mich an
Ein schönes Wochenende wünsch ich dir
Liebe Grüsse
Brigitte
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Donna
Schöne kleine Geschichte mit eingebauter Filmsequenz.
Dir danke ich für die Anregung dazu.
Und auch deine lobenden Worte freuen mich, Chinomso, dankeschön.
Alles Liebe
Eva
Dank und Gruss zu dir.
Wunderbarer Wochenendeinstieg.
Liebe Grüße sendet dir Gabriele
Liebe Grüsse zurück.
glücklicher als jede orgie.
kleine verständnisfrage: was sind mahden?
gruß von sonia
Was die Mahden betrifft: Im Lexikon fand ich die Mahd, die Mahden; landschaftlich für das Mähen oder das Abgemähte (meist Gras). Der Ausdruck kommt noch von früher, als das Gras von Hand in langen Reihen geschnitten wurde. In der Schweiz und im österreichischen Vorarlberg verwenden wir den Ausdruck auch für die vom Schneepflug zusammengeschobenen langen Schneehaufen.
Gibt es bei euch dafür eine andere Bezeichnung?
Jedenfalls liebe Grüsse zu dir.
Wie machst du das bloß?
Sorry - das ist eine dumme Frage.
Ich habe es doch eigentlich kapiert:
'Für Kompetenz gibt es kein Rezept.'
Liebe Grüße
Jorge D.R.
Herzlichen Dank und kurze, leichte, schöne Grüsse nach Übersee.
Und dann hilft nur, sich zu setzen, sich die Zeit zu nehmen und einfach zu schreiben, die Worte fließen lassen.
Irgendwie ist das eine Aufforderung für mich. Danke dafür.
Lieben Gruß
Uta
Danke für deinen Kommentar und liebe Grüsse.
Liebe Grüße
Elana
ich verstehe aber jetzt, was gemeint ist. danke.
gruß zu dir
sonia
winterschöner Text!
thanx, lg, d.