Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war. Zimmer war eigentlich zu viel
gesagt, es handelte sich vielmehr um einen offenen Raum aus Sichtbeton, überall standen
Kübel und Schalen mit Grünzeug, der Boden war mit Laub übersät und Efeu kroch die
Wände hoch.
Vor ihr stand ein Schiefertisch, umgeben von einer steinernen Bank und ein paar
gusseisernen Stühlen. Der mit Moos und Ranken dekorierte Tisch war üppig gedeckt,
Teller, Besteck, Servietten, mit Rotwein gefüllte Gläser und Kerzen, alles war da.
Auch Gäste, wenn auch höchst ungewöhnliche, hatten sich bereits eingefunden:
Drei Gänse (behängt mit Perlenketten) sowie ein Hase und ein Igel sassen oder standen
auf den Stühlen, und auf der Bank machte es sich ein Fuchs bequem. Alle schienen sie
auf den Hauptgang zu warten.
Das gibt‘s ja nicht, dachte sie, Igel und Hase, Fuchs und Gänse so einträchtig beisammen
und doch voller Hinterlist, wie im Märchen… Und während sie sich noch wunderte, stoben
die Tiere wild auseinander, der Fuchs hechtete über die Tafel, der Igel rollte sich blitzschnell
zur Kugel, die Gänse flatterten schnatternd und sich überschlagend von den Stühlen,
Gläser klirrten, Federn flogen, der Hase schoss an ihr vorbei und wie sie sich nach ihm
umsah, stand sie vor der Mündung einer auf sie gerichteten Flinte. Vor Schreck riss sie die
Arme hoch – und erwachte.
Um sie herum war es dunkel, sie fror, der Nacken schmerzte und sie konnte sich nicht aufrichten.
Sie brauchte eine ganze Weile, um sich zu erinnern, wo sie war. Na, klar, sie
hatten mit Bekannten und Freunden in einer Waldhütte den Geburtstag eines Kollegen
gefeiert und sich spät nachts mit ihren mitgebrachten Schlafsäcken in den zwei Räumen verteilt.
Sie hatte noch ihre Kette um den Hals, die leicht klirrte, als sie ihren Mann zur
Seite schob. Dieser lag quer zu ihr, die Beine im Daunensack über ihre Schenkel gebreitet,
und schlief mit halbgeöffnetem Mund tief und fest.
Brigitte Fuchs
(Als Beitrag zu Donnas Schreibprojekt: http://www.donnaschreibt.com/
Danke!
Liebe Grüße, Petra
Sehr schön zu lesen, diese märchenhaften Traumerinnerungen. Da muss ich mir doch in Zukunft gleich mal mehr Mühe geben, um mich früh an meine Träume zu erinnern, das scheint sich ja zu lohnen!
Danke von Christine
Herzliche Grüße!
Aber leider enden Träume oft so unvollendet.
Klasse Geschichte. Sogar die Perlenkette hatte einen Platz in dem Traum. Wie das oft so ist. Man erkennt Erlebtes im Traum wieder.
Erst dachte ich Märchen, dann Traum, dann wars irgendwie beides.
Ich hab deine Geschichte sehr gerne gelesen, vielen Dank dafür.
Liebe Grüsse
Brigitte
Danke für die gelungene Geschichte, in der du sogar einen QUERliegenden Mann eingebaut hast...
Hab ein schönes Wochenende! Donna
lg
ingrid
pflanztierlich
als würdest du ab und zu im bärenfell am rumpeltisch stehen und urbrot backen...
liebe grüsse
rosadora
Liebe Grüße,
gori
Danke dir!
Liebe Grüße bigi
so kanns gehn....
gerne gelesen vielen Dank
Sterntalerchen
Liebe Grüße
Jorge D.R.