Die Schale

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Ein Tier. Steht da. Mit keinem Satz
beschrieben in seinen Eigenschaften.

Ich stelle es mir vor: seinen Kreisflug
unter dem Flachdach der Wolken,
seine Sprünge, sein Äsen am Hang,
die auf alles gerichteten Augen. Da: –

Ich stelle eine Schale mit Wasser ins
Gedicht. Für das Tier. Für den
stillbaren Durst des Tiers.

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Handbuch des Fliegens“ Gedichte, edition 8, Zürich 2008

 

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26 Antworten auf Die Schale

  1. Petros sagt:

    So füllen sich leere Räume mit Fantasie, Empathie und Fürsorge.

    Grüße „unter dem Flachdach der Wolken“
    Petros

    • quersatzein sagt:

      Das ist schön gesagt. Danke, Petros.
      Auch hier befinden wir uns unter diesem Flachdach, allerdings hält sich der Regen wie fast immer zurück. Die Lage wird immer prekärer.

      Lieben Gruss in den Tag.

  2. C Stern sagt:

    Essenziell für ein Tier, solche Wasserschalen.
    Von Almen werden Weidetiere bereits ins Tal gebracht, sie finden kein Futter mehr.
    Liebe Brigitte, ich wünsche Dir einen möglichst guten Tag,
    liebe frühe Grüße, C Stern

  3. quersatzein sagt:

    Ja, die Trockenheit ist ein Jammer für Mensch und Tiere.
    Hab Dank, C Stern. Dir auch einen guten Tag und lieben Morgengruss.

  4. merlin sagt:

    fürsorglich, wie du mit diesem tier umgehst.
    noch etwas müde versuche ich mir mein tier vorzustellen…
    flügel müsste es wohl haben…und trotzdem ist es dem boden verhaftet.
    eigentlich keine schlechte kombination 😉
    herzliche morgengrüsse zu dir und einen frohen tag.

    • quersatzein sagt:

      Na ja, man kann sich auf diese imaginäre Weise sein vollkommenes Lieblingstier erschaffen, das sowohl Wildtier als auch Haustier ist. 🙂
      Allerdings sind auch die ganz realen Vögel, Igel, Katzen oder Insekten an der realen Wasserstelle sehr willkommen. :–)
      Einen herzlichen Gruss zu dir.
      Hab auch einen frohen Tag!

  5. andrea sagt:

    Das „springt mich direkt an“, wie das Gedicht zwischen den „Sphären“ flirrt. „Das Tier“ … ich fühle mich an Morgenstern erinnert – „Das raffinierte Tier tats um des Reimes willen“, auch hier wird die Ebene des unmittelbar Dargestellten mit dem Thema der „Gemachtheit“, als mit dem Darstellen an sich verquickt. Bei dir aber nicht in ironischer Manier. 🙂

    Hier mischen sich die Bilder, die sicher nicht nur bei mir „abgerufen“ werden, wenn von den Eigenschaften verschiedener Tiere die Rede ist, mit dem Gedichteschreiben. Also mit dem, das das Gedicht in dem Moment tut: Zunächst unge/be/schrieben – am Ende be/ge/schrieben.
    Und dann ist dieses „stillbar“ ein wichtiger Hinweis (für mich), bedeutet (mir), dass es eben auch einen unstillbaren Dust gibt, der also verbleibt. Für mich bedeutet das, dass wir mit dem Be/Schreiben so weit gehen wie möglich („die Schale Wasser hinstellen“), das „Tier“ (das, das wir beschreiben wollen, das Leben/dige) in letzter Konsequenz nie vollkommen ins Wort bringen. Weil es eben an sich etwas ist, „das mit keinem Satz beschrieben dasteht“, wir können uns nur immer wieder herantasten. So lese ichs zumindest. 🙂

    Das sind Überlegungen, die mir vertraut sind!

    Liebe Grüße, Andrea

  6. quersatzein sagt:

    Deine Überlegungen sind wieder einmal einzigartig und erstaunlich präzise in der Analyse des Textes.
    Und ich staune erneut über deine Fähigkeit, das zu benennen, was beim Gedichteschreiben sehr intuitiv und gefühlsmässig aus dem gesamten Erfahrungsschatz geschöpft wird.
    Hab Dank für deine sehr zutreffende Rezension und sei lieb gegrüsst!

    • andrea sagt:

      jaaa, das ist dieses „wunder“, dass man beim schreiben alles das, das man da mit-schreibt gar nicht im bewusstsein hat … – aber dann ist es plötzlich da, wenn man den text hinterher liest und durchdenkt. (das geht mir,m wie du siehst, bei meinen texten auch so ;)) ) – wobei das, von dem du im diesem gedicht sprichst, auch für die interpretationen gilt: auch da bleibt ein gutes stück immer nicht bis an den äußersten punkt erfasst. weil das gar nicht geht, zumindest nicht bei guten texten.

      träge nachmittagsgrüße! 🙂

      • quersatzein sagt:

        Genau so ist es, Andrea. Und dass ein gutes Gedicht immer auch einen gewissen Zauber behält, der nicht beschrieben werden kann, erweist sich immer wieder beim Lesen guter Lyrik.

        Ebenfalls träge Grüsse in den frühen Abend.

  7. PepeB sagt:

    Wunderbar, liebe Brigitte, ich möchte jetzt dieses Tier sein – aber gerade habe ich eh von Deinem Gedicht gekostet und ein wenig Seelendurst gestillt.
    Plötzlich sehnsüchtig
    Petra

  8. quersatzein sagt:

    Wie schön, liebe Petra, das freut mich sehr!
    Einen herzlichen Gruss und der Wunsch, die Sehnsucht halte sich in bekömmlichen Ausmassen. ;–)

  9. Gerhard sagt:

    Auch ein vorgestelltes Tier braucht Wasser!
    Soviel Realität muss sein!

    Liebe trockene Grüsse
    Gerhard

  10. mona lisa sagt:

    Fülle täglich zahlreiche Schalen an diversen Stellen im Garten auf.
    Sie werden dankbar angenommen. Durst ist da sicher stillbar „unter dem Flachdach der Wolken“, wenn denn überhaupt welche da sind 😉
    Auch wir sollten unseren Durst stillen.
    Und ja, vielleicht braucht’s da manchmal mehr als Wasser …

    Herzliche Grüße

  11. quersatzein sagt:

    Das ist bestimmt wichtig und wertvoll in dieser trockenen Zeit.
    Und die Lebewesen in deinem Garten werden dir dankbar sein, Mona Lisa.
    Ja, auch wir dürsten mehr als sonst, nicht immer nur nach Wasser …
    Sei lieb gegrüsst!

  12. bruni8wortbehagen sagt:

    Das Tier und die Schale, die seinen Durst löschen könnte…
    Ein Tier ohne Namen, ohne nähere Bezeichnung und ich stelle mir ein sehr friedliches Tier vor, das nur eines vom Leben kennt:
    Sättigung seiner Befürfnisse 🙂 und Durst ist ein so wichtiges Bedürfnis, liebe Brigitte. Ohne Flüssigkeit verdorren wir und mit ihm das Erdenleben – seines – und unseres auch… Lieber Gruß von mir
    Mich haben Deine Worte natürlich auch an Morgenstern erinnert 🙂 schön war das! Göttlich, seine Gedichte-Geschichten

    • quersatzein sagt:

      Auch ich stelle mir ein sehr friedliches Tier vor, Bruni. :–)
      An Morgenstern (den ich auch verehre, fast wie Ringelnatz) habe ich damals nicht gedacht, als ich die Zeilen schrieb, aber sein Gedicht „Das ästhetische Wiesel“ kenne ich natürlich. Immerhin weiss man da, um welches Tier es sich handelt. :–)
      Dir einen schönen Tagesausklang und lieben Gruss.

  13. Hausfrau Hanna sagt:

    Eine Schale,
    liebe Frau Quersatzein,
    gefüllt mit Wasser für die durstenden Tiere auf- und hinzustellen:
    Eine Vorstellung, die mich berührt!
    Einen lieben Gruss aus dem Landrefugium
    Hausfrau Hanna

  14. Sonja sagt:

    Lebenselixier für eine Art Philosophengetier hinstellen:
    Gute Tat!
    Grüße von Sonja

  15. quersatzein sagt:

    Herrlich, deine Kürzestversion, Sonja, die mir ausnehmend gut gefällt!
    Einen lächelnden Abendgruss zu dir.

  16. roswitha sagt:

    ein glückliches tier in einem gelungenen text, danke für bild und text, lieben gruß, roswitha

  17. quersatzein sagt:

    Gern geschehen, Roswitha.
    Sei herzlich zurück gegrüsst!

  18. Helmut Maier sagt:

    Das ist aber sehr vorausschauend, liebe Brigitte! Dass da immer noch (Regen-?)Wasser übrig bleibt, bei d e r Trockenheit! Kolossal!

    Liebe Grüße
    Helmut

  19. quersatzein sagt:

    Das Bild mit der gefüllten Schale, die höchstwahrscheinlich Regenwasser enthält, ist leider nicht ganz aktuell, Helmut.
    Wasser vom Himmel ist hier momentan sehr, sehr rar.
    Einen lieben Abendgruss zu dir.

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