Archiv der Kategorie: Gedichte

Ein Blick in deine Augen

Foto Brigitte Fuchs: Graureiher

 

Ein Blick in deine Augen
Ist wie ein Blick ins Meer hinaus:
Die Tiefe ruht, darüber hin
Geh’n Wellenschlag und Sturmgebraus.

Ein Blick in deine Augen
Ist wie ein Blick zum Himmelszelt:
Das lächelt still und klar herab
Auf die verworr’ne, trübe Welt.

(…)

 

Max Kalbeck (1850-1921) deutscher Musikschriftsteller, Musikkritiker und Epigrammdichter
Die beiden ersten von drei Strophen des gleichnamigen Gedichtes

 

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Die Seelen

Fähre beim Kloster Fahr

 

 

Der Fährmann lag in seinem Schiff
Beim Schein des Mondenlichts,
Als etwas kam und rief und pfiff,
Doch sehen tat er nichts.

Ihm war, als stiegen hundert ein.
Das Schifflein wurde schwer.
Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein,
Die Zahlung folgt nachher.

Und als er seine Pflicht getan,
Da ging es klinglingling,
Da warf ein Goldstück in den Kahn
Jedwedes Geisterding.

Husch, weg und weiter zog die Schar.
Verwundert steht der Mann:
So Seelen sind zwar unsichtbar
Und doch ist etwas dran.

 

Wilhelm Busch (1832-1908) deutscher Zeichner, Maler und Dichter
Aus der Sammlung „Zu guter Letzt“

 

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Halloween

Fotos Brigitte Fuchs

 

Keiner soll es mir verwehren,
Spukgeschichten, Geisterstunden
Schauderfreudig anzuhören,
Wie als Kind in Dämmerstunden.

Ja, dass Geister wiederkehren
Und rumoren und erscheinen,
Möcht‘ ich selbst beinah beschwören,
Denn ich habe selber einen.

 

 

Wilhelm Busch (1832-1908) deutscher Zeichner, Maler und Dichter

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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In deiner Seele klarem Leben

Foto Brigitte Fuchs

 

In deiner Seele klarem Leben
Da ruht mein wahres Glück allein,
Die Ferne kann mir Freude geben,
Mit dir nur kann ich selig sein.

(…)

 

 

Adele Schopenhauer (1797-1849) deutsche Schriftstellerin und Schwester von Arthur Schopenhauer
Erste der drei Strophen des gleichnamigen Gedichtes

 

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Fülle

Fotos Brigitte Fuchs

 

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!

 

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Aarau

Fotos Brigitte Fuchs: Aarau am 22. Oktober 2026

 

Durch die Kleinstadt weht die Zeit im
leicht gedämpften Stundenschlag
die Häuser stehen Arm in Arm in Reih
und buntem Giebelschmuck die Aare
fliesst gezähmt vorbei auch an der
Glockengiesserei im Park verzweigen
sich die Wege bieten Rast und Grün
wie mittendrin die Grünglasfront am
Kunstmuseum in den alten Gassen
leuchten Fenster laden Läden ein
zum Kauf zum Rausch und auch die
Bistros bieten Charme und Platz da
schickt man sich doch gerne an zum
Sehen Stehen Sitzen Bleiben

 

Brigitte Fuchs

 

 

Fotos Brigitte Fuchs: Aarau am 22. Oktober 2026

 

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Schatten am Herzen

Foto Brigitte Fuchs

 

 

So bin ich denn hin in die Welt gegangen,

In den Herbst, wo die Winde sich Blätter fangen,

Und langen Nächten entgegen.

Doch immer sah ich auf allen Wegen

Ein Weib mit Blicken, mit bangen,

Die blieben wie Schatten am Herzen mir hangen,

Und fielen zur Erde wie weinender Regen.

 

 

Max Dauthendey (1867-1918) deutscher Dichter und Maler
Aus dem Singsangbuch. Liebeslieder, 1895

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Herbstlich sonnige Tage

Foto Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

(…)

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist es dem Schauenden nur.

 

Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Dichter und Dramatiker
Dritte und fünfte von sechs Strophen des gleichnamigen Gedichtes

 

 

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Den Herbst zu fühlen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Komm, Doris, bring die Schalen
Voll honigsüsser Früchte.
Doch, bring, den Herbst zu fühlen,
Mir auch die hellen Gläser,
Gefüllt mit süssem Moste
Und angenehmem Weine.
Komm, lass uns küssend trinken!

 

 

Die letzten Zeilen eines längeren Gedichtes mit dem Titel „Der Herbst“ eines unbekannten Autors

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Ziellos lungert das Licht

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Ziellos lungert das Licht durch schütteres Geäst.
In der Ferne ein vergebliches Hundegebell,
erfolgloses Hämmern des Spechts in Totholz.

Im Maisfeld feiern die Raben das Erntedankfest.

Schemenhaft aus dem Nebel ein Jogger,
flitzt anteilnahmslos vorbei.

Hinterher braut die Nacht
ein undurchdringliches Gewölk zusammen.

 

 

Kurt Haberstich, *1948, Autor, Lyriker, Aphoristiker und Fotograf
Aus „Auf Augenhöhe“ Gedichte, Privatdruck; mit Erlaubnis des Autors

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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