Fotos Brigitte Fuchs
Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.
Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.
Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter

Fotos Brigitte Fuchs

…herbstlicher Überfluss als Sinnbild für das menschliche Streben.
(ich lese im nicht genug aber auch von der menschlichen Gier.)
Wieder schönes Fotos.
Erntedank-Grüße
Petros
Du sagst es, Petros. Überfluss hat nicht nur positive Seiten. Und Gier hat manchmal auch damit zu tun. Man kann den Überfluss an Dingen (vor allem an materiellen Gütern) auch als Last empfinden. Bei der Üppigkeit in der Natur sehe ich es allerdings eher so wie C. F. Meyer und komme dabei ins Schwelgen.
Erntedank-Grüsse auch zu dir.
ob sich konstantin wecker von diesem gedicht inspirieren hat lassen?
mich wundert es, dass in einem so alten gedicht der überfluss so heftig besungen wird. gerade von einem wie c.f. meyer. da würd eich eher das gegenteil vermuten. also eher das lob der mäßigung! … da hat ihn wohl die herbstüppigkeit, die du in deinen fotos zeigst, überrannt … 🙂
liebe grüße, andrea
Wir lassen uns doch stets irgendwoher inspirieren. Vielleicht hatte Herr Wecker ja tatsächlich dieses Poem im Hinterkopf, als er sein Album herausbrachte. :–)
Und ja, du hast recht: Zu Meyers Zeiten waren wohl eher das Mass und die Mässigung oder auch der Mangel ein Thema. Aber die Natur war schon immer verschwenderisch im Herbst. Das wollte er wohl in den Vordergrund rücken.
Einen lieben Morgengruss zu dir.