Archiv des Autors: Quer
Meditieren für Anfänger
Foto Brigitte Fuchs
Ein Schüler fragt den Meister:
„Kann ich irgendetwas tun, um erleuchtet zu werden?“
„Genauso wenig, wie du dazu beitragen kannst, dass die Sonne aufgeht.“
„Wozu dann geistige Übungen praktizieren?“
„Damit du wach bist, wenn die Sonne aufgeht.“
Text von Unbekannt
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Mehr Mai
Eine kleine Rückblende
Im Lockdown des Jahres 2020 kam mein Gedichtband „Musik von weit her“ im Verlag der edition 8 in Zürich heraus. Eine Buchpremieren-Feier gab es darum nicht.
Später aber, am 28 Mai 2022, rezitierte der Schauspieler, Sänger und Sprecher Erik Brünner im Rahmen einer YouTube-Reihe (Nr.768) ein Gedicht von mir aus diesem Band. Der Titel lautet: „Mehr Mai“.
Heute, auf den Tag vier Jahre danach, möchte ich Ihnen/euch diese Aufnahme zu Gemüte führen.
Und nachstehend auch der originale Gedicht-Text dazu:
Mehr Mai
Maiglöckchen Milzkraut Moosbeere
Miere man möchte meinen der Mai
messe sich mit mildesten Masseinheiten
meilenweit doldige Vogelmilchsterne
Milchsternwiesen Maifeiern auf dem
Maiensäss Maikätzchen Mailüftchen
Maibäume mehr Mai müsste sein meine
ich mehr Massliebe Mandelbaumblüte
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Anagramm-Zweizeiler 637
Foto Brigitte Fuchs
UNSCHEINBARES DARF
FUSSBAD ANREICHERN
Brigitte Fuchs
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Manchmal
Fotos Brigitte Fuchs
Manchmal braucht es sie gar nicht, die rosarote Brille.
Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs
Und hier noch ein nicht ganz vollständiges Rosa-ABC:
Altrosa . Blassrosa . Crèmerosa . Dunkelrosa . Eisrosa . Flamingorosa . Glanzrosa . Hautrosa . Inkalilienrosa . Knallrosa . Lachsrosa . Malvenrosa . Neonrosa . Orchideenrosa . Puderrosa . Quarzrosa . Rosenrosa . Säulirosa . Tulpenrosa . Usambaraveilchenrosa . Vogelhäuschenrosa . Wollknäuelrosa . Zartrosa .
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Gebet eines Kälbchens
Foto Brigitte Fuchs
Du bist mein Alles in der Zeit,
du stehst mir bei in Ewigkeit.
Wir sind uns immer nah, wir beide:
im Stall, im Leben, auf der Weide.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
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Pfingstrosen
Foto Brigitte Fuchs
Verhaucht sein stärkstes Düften
Hat rings der bunte Flor,
Und leiser in den Lüften
Erschallt der Vögel Chor.
Des Frühlings reichstes Prangen
Fast ist es schon verblüht –
Die zeitig aufgegangen,
Die Rosen sind verblüht.
Doch leuchtend will entfalten
Päonie ihre Pracht,
Von hehren Pfingstgewalten
Im Tiefsten angefacht.
Gleich einer späten Liebe,
Die lang in sich geruht,
Bricht sie mit mächt’gem Triebe
Jetzt aus in Purpurglut.
Ferdinand von Saar (1833-1906) österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

Fotos Brigitte Fuchs
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Der Wetterhahn
Foto Brigitte Fuchs
Er macht keinen Krach,
der Hahn auf dem Dach,
dreht sich nach dem Wind,
mal träg, mal geschwind.
Er steht auf dem Pfeil
und sonnt sich derweil,
wird nass dann im Regen
und rostig deswegen.
Er schwitzt oder friert,
doch niemals verliert
er Haltung und Stil.
Das ist doch schon viel.
Brigitte Fuchs
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Die schönsten Rosen
Fotos Brigitte Fuchs
Der beste Mensch
wird einmal zornig,
kein Liebespaar
kann immer kosen.
Die schönsten Rosen
selbst sind dornig,
doch schlimm sind
Dornen ohne Rosen.
Friedrich von Bodenstedt (1819-1892) deutscher Schriftsteller
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Frühlingsgedanken
Fotos Brigitte Fuchs
Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
der Morgen, der erwacht ist aus den Dämmerungen,
er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.
Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
das grosse Tal, die Erde sich zu füllen,
entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
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Zuweilen
Foto Brigitte Fuchs: Plakatwände in Solothurn vor dem Landhaus, wo alljährlich am Auffahrtswochenende die Literaturtage stattfinden
Zuweilen überfällt mich mitten im tätigen Leben, in welchem ich selbstverständlich so bestimmt über mich verfüge wie alle übrigen, eine sonderbare Empfindung des Zweifels; ich weiss dann nicht, ob ich existiere, ich halte es durchaus für möglich, der Traum eines anderen Wesens zu sein; fast körperlich steht mir vor Augen, dass ich eine Romanfigur sein und mich in den weiten Wellen eines Stils, in der erschaffenen Wahrheit einer grossen Erzählkunst bewegen könnte.
Fernando Pessoa (1888-1935) portugiesischer Schriftsteller
Auszug aus „Das Buch der Unruhe“, Originaltitel: „Livro do Desassossego“
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