Archiv der Kategorie: Bilder

Wie rasch…

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Wie rasch ein Jahr den Lauf vollbringt,
Sind deine Tage glückbeschwingt!
Von Treue warm, von Liebe hell,
Wie reihen sich die Jahre schnell!

 

 

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter und Schriftsteller

 

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Hebet, Wolkendecken…

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Hebet, Wolkendecken,
Euch hinweg vom Licht! –
Liebe Wolkendecken,
Hebt euch lieber nicht!

Denn in meiner Seele
Bild‘ ich jetzt mir ein,
Wie zur Freude fehle
Nichts als Sonnenschein.

Mit der letzten Wolke
Seh‘ ich’s, die entfliegt,
Dass es an was anderm
Als den Wolken liegt.

Muss mir’s eingestehen,
Was ich mir verhehlt,
Dass zur Lust was andres
Als die Sonne fehlt.

 

Friedrich Rückert (1788-1866) deutscher Dichter
Aus der Sammlung „Winter und Frühling“

 

 

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Auf den Wegen, die verschneit sind…

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Auf den Wegen, die verschneit sind
und im Dämmern dämmerweit sind,
wo die nächtigen Gedanken
des Verlassenen Geleit sind,
trifft du, einsam dich ergehend,
auch Beglückte, die zu zweit sind.

 

 

Alfred Grünewald (1884-1942) österreichischer Schriftsteller
Aus „Lass meine Seele dir Heimat sein“

 

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Der Eichelhäher

 

Es sitzt ein Vogel im Eichenlaub und gibt ein Potpourri zum besten. Er schwatzt und plaudert, als wäre er ein Pirol oder Würger, und dann schnalzt er wie eine Eichkatze, miaut wie ein Bussard, trompetet wie ein Kranich, ruft wie ein Buntspecht, pfeift wie ein Star und quietscht wie ein Wagenrad. Jetzt kreischt er laut und gellend auf und schwebt dahin wie ein riesengrosser, bunter Schmetterling.

 

 

Der Markwart ist es, der Eichelhäher, der Schalksnarr und Irrwisch, Hans Dampf in allen Ecken, Bruder Immerlustig und Meister Wunderlich, der lustige Schwätzer, der fröhliche Spötter, der Hüpfer und Schlüpfer, Schweber und Flatterer, der Prahlhans und der Angstmeier, des Jägers Vergnügen, des Jägers Verdruss, Wildverkünder und Wildvergrämer, der Nestzerstörer und Eichenpflanzer, der alles kann, der alles sieht, alles kennt, der heute pfiffig und morgen dummdreist, eben vorlaut und frech und jetzt wieder heimlich und zage ist, der Vogel, dessen Stimme, dessen Benehmen ebenso voller Gegensätze ist wie sein Gefieder.

 

 

Wie fein, weich und zart ist das rötliche Grau seines Rumpfes. Wie herrlich ist der gelbliche, schwarz übertupfte Scheitel dazu gestimmt und das warme Braunrot der Flügeldecken. Wie toll aber stechen dagegen die leuchtend himmelblauen, schwarz und weiss gestriemten Achselklappen ab, die schwarzweissen Schwingen, die weissen Schwanzdeckfedern und der schwarze Schwanz. Eigentlich müssten diese harten Farben zu dem weichen Grundtone des Gefieders nicht passen, aber den Eichelhäher kleiden sie, bei ihm sind sie ebenso zusammengestimmt wie in seinem Gesange die feinen und die groben Laute, wie in seinem Charakter die freundlichen und die hässlichen Züge.

(…)

 

Hermann Löns (1866-1914) deutscher Journalist und Schriftsteller
Galt als Natur- und Heimatdichter, als Naturforscher und -schützer sowie als „Heidedichter“.
Auszug aus Hermannn Löns „Aus Forst und Flur. Vierzig Tiernovellen“

 

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Jede neue Lage

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Jede neue Lage (und wär’s nur ein Stubenwechsel) ist stärkende frische Luft; wir fahren und graben sonst unser Gleis und unsern Hohlweg so tief ein, dass wir enge drin stecken, ohne Himmel und Erde zu sehen.

 

Jean Paul (1763-1825)  deutscher Dichter Publizist und Pädagoge
Aus „Briefe. An Wernlein“ 1790

 

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Das Glück

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Es huscht das Glück von Tür zu Tür,
Klopft zaghaft an: – wer öffnet mir?

Der Frohe lärmt im frohen Kreis
Und hört nicht, wie es klopft so leis.

Der Trübe seufzt: Ich lass nicht ein,
Nur neue Trübsal wird es sein.

Der Reiche wähnt, es pocht die Not,
Der Kranke bangt, es sei der Tod.

Schon will das Glück enteilen sacht;
Denn nirgends wird ihm aufgemacht.

Der Dümmste öffnet just die Tür –
Da lacht das Glück: »Ich bleib bei dir!«

 

Richard Zoozmann (1863-1934) deutscher Schriftsteller, Redakteur, Lyriker und Übersetzer

 

Und dann noch dieses Vogelglück — gestern in unserem Garten:

 

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In der warmen Stube (ein Anagramm)

Foto Brigitte Fuchs: Eingangstür zu einer Brockenstube in Lenzburg

 

 

IN DER WARMEN STUBE

BEIM WUNDER RASTEN

BRUDERS WEIN ATMEN

MEIST ABER WUNDERN

IN DER WARMEN STUBE

 

 

 

Brigitte Fuchs

 

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Das Jahr

 

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DAS JAHR RINNT VERLÄSSLICH AUS DEM KALENDER

UND SAMMELT SICH ZWISCHEN ERINNERN UND

VERGESSEN.

 

 

Viktor Steinhauser, *1956, Schweizer Geologe, Pädagoge, Lyriker und Schriftsteller
Originalbeitrag mit Genehmigung des Autors

 

 

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Dreikönigstag

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Dreikönigstag heute –
erinnert euch, Leute,
an Gaben und Gold
fürs Kindlein, so hold!

Es sollte nicht frieren,
nicht hungern, nur leben.

Man soll daran denken,
den Armen was schenken,
wer hat, etwas geben.

Und gern auch den Tieren,
die hungern und frieren.

 

Brigitte Fuchs

 

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Limerick 121

Foto Brigitte Fuchs

 

Monique und Marie aus Davos,
die finden das Reisen famos:
Paris, die Karpaten,
Neuseeland, die Staaten…
Doch ist momentan nicht viel los.

 

Brigitte Fuchs

 

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