Monatsarchive: November 2021

War’s der Gärtner?

 

 

Mord ist der Wollust nah wie Rauch dem Feuer.

 

William Shakespeare (1564-1616)

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Man hat ein Exempel,
Dass man den Mord liebt und den Mörder straft.

 

Friedrich von Schiller (1759-1805)

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Herbstschweigen

Fotos Brigitte Fuchs

 

Wieder bin ich allein im dämmernden Garten gegangen,
Tiefer schweiften die Krähen, der Wald war von Wolken verhangen.

Mitten aus den verfinsterten Fichten erhoben sich rote,
braune, blassgelbe Blätterwipfel und standen wie Tote.

Und es war in der Welt eine Stille, die traurig verharrte,
dass mir das Herz in der Brust vor so viel Schweigen erstarrte.

 

 

Richard von Schaukal (1874-1942) österreichischer Jurist, Lyriker und Essayist

 

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OULI DULI

 

Kam ein Reh des Walds gegangen,
OULI DULI, war sehr scheu,
fand solch Schnitzereien prangen,
alle seltsam, alle neu.

 

 

Auf dem Baumstrunk gab es Wichte,
schauten Augen, gross und mild,
und das Tier, gekerbt in Fichte,
war dem Reh ein Ebenbild.

 

 

OULI DULI kam bald täglich,
schaute sich oft lange an,
fand sich schön, beinah unsäglich,
sprang beglückt davon sodann.

 

Brigitte Fuchs

 

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Es fliegt gemächlich der leichte Sinn…

Foto Brigitte Fuchs

 

Es fliegt gemächlich der leichte Sinn
Im Luftballon über die Erde dahin; –
Das tut der Leichtsinn auch, – indessen,
Er hat den Anker zum Landen vergessen.

 

 

Albert Roderich (1846-1938) deutscher Dichter und Aphoristiker

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Ich werde gegangen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Ich taumeltürme
Welkes windes Blatt
Häuser augen Menschen Klippen
Schmiege Taumel Wind
Menschen steinen Häuser Klippen
Taumeltürme blutes Blatt.

 

Kurt Schwitters (1887-1948) deutscher Dichter, Maler, Werbegrafiker und Künstler

 

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Die Boote werden an Land gebracht

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee, die Boote werden zum Überwintern an Land gebracht.

 

Mein Leben ist wie leise See:
Wohnt in den Uferhäusern das Weh,
wagt sich nicht aus den Höfen.
Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn:
aufgestörte Wünsche ziehn
darüber wie silberne Möven.

Und dann ist alles wieder still. . .
Und weisst du was mein Leben will,
hast du es schon verstanden?
Wie eine Welle im Morgenmeer
will es, rauschend und muschelschwer,
an deiner Seele landen.

 

Rainer Maria Rilke (1875-1926) Lyriker deutscher Sprache, Schriftsteller und Übersetzer

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Jeder Tag…

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Jeder Tag bringt einen Abend, und in der Bucht beim Toscana-Garten steht Schilf, und Weiden und Haselstauden hängen über,
ein Vogel flüchtet, und alte Steinstufen führen zu weiten Wiesen.
Nebel zieht herüber, du lassest die Ruder sinken, und niemand, niemand stört dich!

 

Peter Altenberg (1859-1919) Pseudonym für Richard Engländer, österreichischer Schriftsteller und Kabarettautor

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Kürbislaternen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Kürbislaternen

Prall und voller Trotz bieten

sie dem Frost die Stirn

 

 

Brigitte Fuchs

 

 

Und als kleines Extra für Hausfrau Hanna, die sich ein Kürbissuppen-Haiku wünscht:

 

 

Candlelight-Dinner

Alles begann mit jener

Kürbiscrèmesuppe

 

 

Brigitte Fuchs

 

 

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Augen, die noch nicht sehen

Foto Brigitte Fuchs

 

Augen, die noch nicht sehen,
werden mein Grab einst blühen sehn;
Füsse, die noch nicht gehen,
werden daran vorübergehn.

Lippen, die noch nicht lachen,
werden sich öffnen im Sonnenschein,
Herzen, die noch nicht wachen,
werden schlagen und fröhlich sein;

werden dem Leben sich schenken,
schenken der seligen Stunde sich,
und werden der Toten so wenig gedenken
wie einstmals ich!

 

 

Carl Hermann Busse (1872-1918) deutscher Schriftsteller, Lyriker und Literaturkritiker

 

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Das Heilige, das Wahre

Foto Brigitte Fuchs: Kirchenschiff in Werthenstein

 

Der Religion ist nur das Heilige wahr,

der Philosophie nur das Wahre heilig.

 

 

Ludwig Feuerbach (1804-1872) deutscher Philosoph

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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