Landläufigkeiten

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Die Klappstühle vor dem Gasthof sind
allesamt vom Neuschnee besetzt die
frisch hingewehten Tischtücher noch
unangetastet keine Spur von Flecken
Vogeltritten oder Handgreiflichkeiten

Den Strassenrand markieren orange
Stangen eine der Laubsäge enteilte
Schneeprinzessin im kirschroten Kleid
warnt die Autofahrer vor den Kindern
des Orts Tempo dreissig ist erlaubt

Jeder hält sich heute daran auf eine
Rutschpartie sind höchstens die paar
Schulkinder aus oder der Junglehrer
der hinter der neuen Kollegin über
den vereisten Schulhausplatz tänzelt

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“ Gedichte, edition 8, Zürich 2014

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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22 Antworten auf Landläufigkeiten

  1. merlin sagt:

    einen vielschichtigen text hast du toll ins bild gesetzt 🙂
    tische und stühle warten auf ihre auferstehung.
    am besten gefällt mir der tänzelnde junglehrer 😉
    ich wünsche dir heute gutes abwettern im sturm, der hier an den storen rüttelt…
    glg.

  2. quersatzein sagt:

    Mir auch. 🙂
    (Von der hölzernen Schneeprinzessin habe ich leider kein Bild.)
    Bis jetzt hält sich der Wintersturm noch in Grenzen. Hoffentlich übertreibt er nicht. Unsere Tochter wird hier zu Mittag freudig erwartet. Aber sie fährt vorsichtig.
    Dir einen guten, nicht zu ungestümen Tag und herzlichen Gruss.

  3. andrea sagt:

    wie schön sich in deinem „erzählgedicht“ die stimmung mitteilt. fast wie bei einem breughel-bild! und wie es über die tische ein schneetischtuch geweht hat, ist auch die (realistische beschreibungs/wahrnehmungs-sprache) sprache an manchen stellen von der phantasie „überweht“.
    gefällt mir sehr, sehr gut, auch weil es so leise und unspektakulär daherkommt und doch so fein erdacht ist.

    schneegrüße aus dem waldviertel!

    • quersatzein sagt:

      Das sind wunderbare Lobesworte, liebe Andrea.
      Sie könnten so in eine Laudatio stehen. :–)
      Ich danke dir herzlich dafür und sende dir frohe Grüsse ins Waldviertel.

  4. Valentina sagt:

    Ein virtuoses Geschehen in einer sanften Schneelandschaft.
    Einer Laubsäge enteilter Junglehrer und eine tänzelnde Prinzessin, die den Strassenverkehr regelt? Gasthof-Geschichten, die warten, erzählt zu werden, wenn es wieder Winter wird?
    Wie schön, deine Verse.
    Einen bunten Tag und lieben Gruss!

    • quersatzein sagt:

      Genau, liebe Valentina so herum könnte es auch erzählt werden. :–)
      Hab Dank für die morgenfrischen Worte, geniesse auch einen schönen Wintertag und sei lieb gegrüsst!
      (Am Nachmittag werden wir aber auch ganz still werden und der Opfer von Crans Montana gedenken, seufz!)

  5. mano sagt:

    dein text ist ein so schöner einstieg in den tag! während draußen der schneesturm tobt und innerhalb kurzer zeit erneut alles in weiße pracht verwandelt, lese ich von kirschroten schneeprinzessinnen und tänzelnden junglehrern. schneetischtücher bedecken bei meinem blick aus dem fenster jetzt alle gartenhütten, tische und trampolins.
    einen guten tag wünsche ich dir. wir bleiben heute drin!
    liebe grüße von mano

  6. quersatzein sagt:

    Das hört sich gut an, liebe Mano. Fein, dass dir das Gedicht gut gefällt und es gerade so prima zu deiner Umgebung passt.
    Einen guten Indoortag auch dir und herzlichen Gruss.

  7. mona lisa sagt:

    Ist doch immer wieder bemerkenswert,
    wozu Wetter animiert – hier zu einem lesenswerten Gedicht – und auch das Verhalten der Menschen beeinflusst.
    Wenn’s Schnee für Rücksichtnahme braucht, dann her damit;)
    Herzliche Morgengrüße

  8. quersatzein sagt:

    Ja, das ist in der Tat erstaunlich. :–)
    Rücksichtnahme wäre allerdings auch ohne Schnee wünschenswert!
    Lieben Dank und Gruss zu dir, Mona Lisa.

  9. PepeB sagt:

    Eine Momentaufnahme im Schnee … Ich sehe alles bildlich vor mir, liebe Brigitte.
    Vor allem den „tänzelnden Junglehrer“!
    Herzliche Grüße aus dem dahinschmelzenden Schnee hier
    Petra

  10. quersatzein sagt:

    Dankeschön, Petra. :–)
    Hier schmilzt auch gerade alles weg und das Grün dominiert.
    Aber noch ist nicht aller Wintertage Abend…
    Einen lieben Gruss zu dir.

  11. Hausfrau Hanna sagt:

    Ein Gedicht,
    liebe Frau Quersatzein,
    das bei mir ankommt, anklingt, weiterklingt und innere Bilder erzeugt.
    Mir gefallen auch das Schneeherz auf dem Tisch, die Handabdrücke und die Fussabdrücke (des tänzelnden Lehrers?) im Schnee sehr gut 🙂
    Der Wetterwechsel hat den Schnee (hier) wegschmelzen lassen –
    mit einem herzlichen Gruss in den stürmischen Tag
    Hausfrau Hanna

  12. quersatzein sagt:

    Auch hier ist der meiste Schnee inzwischen (oder zwischenzeitlich) weg, liebe Hausfrau Hanna.
    Danke für Ihre wohlwollenden Worte und ebenfalls herzliche Freitagsgrüsse.

  13. Sonja sagt:

    Eieiei, was für treffliche Assoziationen…
    Die gefallen mir, wie auch die Bilder!
    Grüße von Sonja

  14. quersatzein sagt:

    Das freut mich natürlich, Sonja.
    Herzlichen Retourgruss.

  15. bruni8wortbehagen sagt:

    Schöne Schneebilder, liebe Brigitte, wie ich sie leider nicht anbieten kann.
    Ich hätte zu gerne den Junglehrer gesehen, wie er hinter der neuen Kollegin
    über den vereisten Schulhausplatz tänzelt 🙂
    Liebe Grüße aus einem Schneereste- und Regentag von Bruni

  16. quersatzein sagt:

    Vielleicht kommt ja der Schnee an diesem Wochenende nochmals zurück, liebe Bruni.
    Dir ebenfalls einen lieben Abendgruss.

  17. Syntaxia sagt:

    Wenn solche Bilder hier derzeit auch nicht zu haben sind, denke ich, dass es bald wieder so aussehen wird. Der Winter ist noch lang!
    Momentan tobt sich der Wind mit einem erstaunlich langem Atem aus.
    Gute Zeit mit der Tochter wünsche ich!

    Liebe Grüße,
    SyntaxiaSophie

  18. quersatzein sagt:

    Danke, SyntaxiaSophie. Es war gestern – wie immer – sehr schön und harmonisch mit unserer „Jüngsten“.
    Und zu schneien hat es heute wieder tüchtig begonnen.
    Dir einen guten Tag und lieben Gruss.

  19. Edith Hornauer sagt:

    Liebe Brigitte, danke für diesen lebendigen Winter, den du uns in Wort und Bild präsentierst. Wo man hinschaut, die weiße Decke liegt so ruhig in der Landschaft …
    Herzlichst, Edith

  20. quersatzein sagt:

    Freut mich, dass du Wort und Bilder magst, Edith.
    Hab ein frohes Wochenende und sei lieb gegrüsst!

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