Fotos Brigitte Fuchs
Stets beginnen die Täuschungen neu
begierig auf die vertäute Welt
Wir heben Wortsteine auf werfen Blicke
von hier nach da
Unsere Wünsche füllen wir in Flaschen
und überlassen sie dem ortlosen Blau
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Die Idee der Flaschenpost … man wirft sie ins Meer, das ja das Zeichen schlechthin ist für Weite, Offenheit, Ungewissheit.
(Ich denke da auch an das Sprichwort „Vor Gericht und auf hoher See bist du in Gottes Hand“).
Dem gegenüber steht dieses „begierig auf die vertäute Welt“. Mit dem Ausdruck „vertäut“ bleiben wir am Meer, sind ihm aber nicht mehr ausgeliefert, meint: wir haben (wenn auch nur eine relative, aber doch) Sicherheit.
Ob sich die Täuschungen, von denen hier die Rede ist, darauf bezieht? Dass wir immer wieder denken, uns (fest) vertäuen zu können, dabei geht das gar nicht?
(Bei diesem „Stets .. neu“ habe ich übrigens die Assoziation Ebbe und Flut)
Auch bei den Blicken (Kontakt aufnehmen?) geht es um Bewegung, auch diesmal ist nicht fest umrissen, wo genau sie hinführen, aber immerhin sind Örtlichkeiten angedeutet: von hier nach da.
Die Wortssteine … ich assoziiere: schwer sind sie und verschlossen.
Die Wünsche aber werden via Flaschenpost in die Ungewissheit entlassen. In der Hoffnung, dass sie den erreichen, der sie wahr machen kann.
Der Ton ist ruhig, lapidar, sachlich, nüchtern feststellend, fast apodiktisch, abgeklärt. Und das unterstreicht, was in der ersten Zeile konstatiert wird: dass wir immer wieder Täuschungen unterliegen. … als ob das Gedicht mit diesen Täuschungen ein für alle mal aufräumen wollte.
Liebe Grüße, Andrea
ps: ich habe ganz auf den Titel vergessen: Atlantis. Das gibt den Wünschen, der Sehnsucht nun auch noch ein konkretes Ziel, ein sagenumwobenes Land, das alle suchen, aber aller Voraussicht nach nie finden werden.
So aufmerksam und detailliert werden meine Gedichte selten besprochen (es sei denn in Wettbewerben wie etwa in Meran). :–)
Danke dafür, Andrea. Du schälst damit Zusammenhänge heraus, die beim Schreiben ganz automatisch und vielfach im Unterbewusstsein ablaufen.
Ja, da ist viel Ambivalentes im Text verarbeitet, vom Wunsch nach Festigkeit und Sicherheit bis hin zur verhaltenen Lust, aufzubrechen ins Offene und Ungewisse.
Dir einen guten Tag und herzlichen Gruss.
Du sagst es, Andrea.
Der Titel ist in diesem Poem ein massgeblicher Faktor. :–)
Atlantis ist immer eine Möglichkeit, der Ruf der Sehnsucht, des Abenteuers.
Ab und zu die Vertäuung lösen, mit den Wünschen schwimmen, vielleicht ganz ohne sie in Flaschen zu füllen.
Anscheinend, liebe Brigitte, regt mich Dein Gedicht dazu an, das Antlantis-Rätsel lösen zu wollen.
Forscherinnen-Grüße von
Petra
Das tönt wunderbar, Petra, und ich muss sagen, mich juckt es jetzt auch in den Beinen und im Kopf. :–)
Sei fröhlich gegrüsst!
🥰
Ein Lächeln zurück! ♥
‚Ortloses Blau‘,
liebe Frau Quersatzein,
was für ein wunderschöne Metapher!
Ich fülle in Gedanken eine Flaschenpost mit meiner Sehnsucht nach Meer und übergebe sie den Wellen des Rheins…
Mit einem Dankeschön für den Beitrag und einem herzlichen Gruss aus der Stadt am Rhein
Hausfrau Hanna
Dankeschön, liebe Hausfrau Hanna, das freut mich.
Möge Ihre Flaschenpost ihr Ziel erreichen!
Einen frohen Gruss ans Rheinknie zu Ihnen und in die bunte Fasnachts-Welt.
„ortlos“, das heißt doch der Sehnsucht nach, überall und nirgendwo- oder?
Grüße von Sonja, der das Gedicht sehr gefällt
Genau so war das von mir gedacht, Sonja. :–)
Herzlichen Dank und schönen Gruss zu dir.
Ach ja, diese Sehnsüchte und das Fernweh…
So ist schon viel Literatur entstanden, beim Reisen und Inspirationen sammeln.
Liebe Grüße,
SyntaxiaSophie
(die eher im Kopf verreist)
Das sehe ich auch so, SyntaxiaSophie. :–)
Da ich kaum Sehnsucht nach der Ferne habe, ist es für mich nicht mal nötig, Kopfreisen zu machen. Eher noch schaue ich mir alte Fotoalben an und freue mich über die schönen Erinnerungen. :–)
Dir einen lieben Abendgruss.