Archiv des Autors: Quer
Dorfrand
Fotos Brigitte Fuchs
Zunächst war es ein einfaches Leben
ach und auf den Dächern die Spatzen
die Tauben flogen unbekümmert über
die alten Sprichwörter hinaus dann
fielen Türen ins Schloss breiteten sich
Holzwege aus knietiefe Furchen durch
nasse Weiden alle Warnrufe schlugen
fehl keine Erfahrung die nicht schon
hinkte bald reimlos ans Satzende kroch
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Wasser
Foto Brigitte Fuchs
Es ist eines der Gesetze der Natur, dass man alles rein halten muss. Besonders das Wasser. Das Wasser rein zu halten ist eines der ersten Gesetze des Lebens. Wer Wasser zerstört, zerstört Leben.
Indianische Weisheit
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Wandern
Fotos Brigitte Fuchs: Homberg im Kanton Aargau
Ich wandre sonder Zweck und Ziel,
Das ist das rechte Wandern.
Die Bächlein fragen nicht wohin,
Und kommt doch eins zum andern.
Ein wenig Grün für meinen Hut
Und Blumen gibt’s allwegen,
Und wenn der Sonnenschein nicht lacht,
Erfreu ich mich am Regen.
(…)
Jakob Loewenberg (1856-1929) deutscher Schriftsteller und Pädagoge
Die ersten zwei der vier Strophen seines Gedichtes „Wandern“
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Vom Hörensagen
Marie sagt viel
bei Sport und Spiel.
Und auch Susanne
spricht volle Kanne.
Die Welt ist schlecht,
sagt Adelbrecht.
Von hier bis da,
sagt Sylvia.
Das ist nicht wahr,
sagt Waldemar.
Nach uns die Flut,
sagt Heinz zu Knut.

Das kümmert uns
doch nicht die Bohne,
sagt Marie-Anne
zu Simone.
Der Bauer Thiel,
der sagt nicht viel.
Und Franz verspricht’s:
Wir sagen nichts.
Zwei alte Damen
mit raren Namen,
die seufzen tief
und sagen: Amen.
Brigitte Fuchs

Alle Fotos Brigitte Fuchs
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Albumblatt

Fotos Brigitte Fuchs: Bremgarten bei Bern
Sommer durch die Lauben glüht,
Frühling zog vorbei –
Sing mir noch ein kleines Lied –
Kleines Lied vom Mai.
Wasser plätschern – trinken sacht
Meiner Armut Bild;
Einst ach hat die Frühlingsnacht
Mich in Samt gehüllt.
Sommer durch die Lauben glüht,
Frühling zog vorbei…
Sing mir noch ein kleines Lied –
Kleines Lied vom Mai
1921
Jakob Haringer (1898-1948) deutscher Schriftsteller, der später in die Schweiz emigrierte
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Parallelen
Foto Brigitte Fuchs
Anspruch:
SPRACHWERK STATT
SPRACH WERKSTATT
Brigitte Fuchs
Aus „Salto wortale“ Sprachliche Kapriolen, edition 8, Zürich 2006/2011
P.S. Zum Headerbild:
„Fabrikk“ ist eine Geschichte von „Karl’s kühne Gassenschau“ über Heimat, Identitätsverlust und Schokoladenträume. Das Stück wurde von 2011 bis 2015 gezeigt.
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Am Grab eines Freundes
Foto Brigitte Fuchs: Schmetterling auf einem Grabstein
Nur kurz setzt sich der Schmetterling
auf diesen kühlen Marmorstein.
Als ob er wüsste – kann es sein –
dass hier ein Mensch für immer ging.
Wie samtig-leicht, wie unbelastet
er zwischen Tod und Leben rastet.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs: Schmetterling „Kleiner Fuchs“
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Juni
Fotos Brigitte Fuchs
Juni streift mit warmer Hand
letzte Blüten von den Bäumen.
Wie enttaucht verwelkten Träumen,
schaut aus dunkler Blätterwand
junge Frucht in lichtes Land.
Fridolin Hofer (1861-1940) Schweizer Autor und Lyriker
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Besucherandrang
Fotos Brigitte Fuchs
Auf den Wiesen und im Garten
sind Insekten aller Arten
höchst willkomm’ne Gäste. Allen
will die Blumenwelt gefallen.

Fotos Brigitte Fuchs
Krone, Dolde, Kelch und Schote,
Farben, Düfte, Angebote
für ein Buffet erster Güte.
Alles steht in Saft und Blüte.

Fotos Brigitte Fuchs
Kostenlos und ungeniert
wird serviert und konsumiert.
Käfer, Falter, Hummeln, Bienen
sind zum Sommerfest erschienen.
Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs
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Schwertlilien
Foto Brigitte Fuchs
Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.
Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.
Franziska Stoecklin (1894-1931) Schweizer Schriftstellerin und Künstlerin

Foto Brigitte Fuchs
Hier noch das Haiku, das Petros (siehe: www.blogpoesie.de) vorhin als Extra schickte:
Thront über dem Grün
Blau leuchtet ihr Geheimnis –
Ein Hauch Sommerwind
Petros
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