Archiv des Autors: Quer
So ein Idyll
Foto Brigitte Fuchs: Schwanenfamilie am Hallwilersee bei Meisterschwanden
So ein Idyll
bleibt nie lange
unbemerkt.

Fotos Brigitte Fuchs
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Anmache
Foto Brigitte Fuchs: Aufkleber an einem Abflussrohr
Es sagt der Pinguin zur Pinguine:
„Ich liebe deine eisig-kalte Miene.“
Es sagt die Pinguine zum Pinguin:
„Dû bist mîn, ih bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzellîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.“
Brigitte Fuchs
In Anlehnung an das Minnelied von Walther von der Vogelweide (ca. 1170-1230) deutschsprachiger Minnesänger
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Bergheide
Fotos Brigitte Fuchs: Glaubenberg (Alpenpass zwischen den Kantonen Luzern und Obwalden)
Hier, zwischen reinem Bache,
Wacholder, Enzianen,
Ergreift mich frühes Ahnen.
Ich schlief, und ich erwache.
Die Föhren und die Steine,
Die Steine und die Föhren,
Sie lassen Sprache hören,
Dass ich versunken weine.
Wie rinnt die Zeit von hinnen
Mit allen ihren Bildern!
Sie glänzen und verwildern,
Und manches bleibt tief innen.
Nun ist mir doch, ich liege,
Von Mutterhand geschaukelt,
Von buntem Traum umgaukelt,
In meiner kleinen Wiege.
Emanuel von Bodman (1874-1946) deutscher Schriftsteller und Dichter

Fotos Brigitte Fuchs
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Anagramm-Zweizeiler 639
Fotos Brigitte Fuchs: Am Sarnersee
IST STILLES WASSER
STILLES, WAS REISST?
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
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Der Buchfink
Foto Brigitte Fuchs
In den grünen Buchenhallen
Wandre ich vergnügt und froh,
Und von allen Wipfeln schallen
Hör ichs ebenso,
Überall nur ein Getön:
„Trallala, die Welt ist schön!“
Gibt es Kummer? Gibt es Sorgen?
Ach, ich weiss es gar nicht mehr,
Schreit ich so am Frühlingsmorgen
Frisch und froh daher,
Wenn es klingt vom grünen Zelt:
„Trallala; schön ist die Welt!“
Ja, die kleinen klugen Finken
Sind der höchsten Weisheit voll.
Wer in Trübsinn will versinken,
Der ist wirklich toll,
Wenn es schallt aus grünen Höhn:
„Trallala, die Welt ist schön!“
Heinrich Seidel (1842-1906) deutscher Ingenieur und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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Dorfrand
Fotos Brigitte Fuchs
Zunächst war es ein einfaches Leben
ach und auf den Dächern die Spatzen
die Tauben flogen unbekümmert über
die alten Sprichwörter hinaus dann
fielen Türen ins Schloss breiteten sich
Holzwege aus knietiefe Furchen durch
nasse Weiden alle Warnrufe schlugen
fehl keine Erfahrung die nicht schon
hinkte bald reimlos ans Satzende kroch
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Wasser
Foto Brigitte Fuchs
Es ist eines der Gesetze der Natur, dass man alles rein halten muss. Besonders das Wasser. Das Wasser rein zu halten ist eines der ersten Gesetze des Lebens. Wer Wasser zerstört, zerstört Leben.
Indianische Weisheit
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Wandern
Fotos Brigitte Fuchs: Homberg im Kanton Aargau
Ich wandre sonder Zweck und Ziel,
Das ist das rechte Wandern.
Die Bächlein fragen nicht wohin,
Und kommt doch eins zum andern.
Ein wenig Grün für meinen Hut
Und Blumen gibt’s allwegen,
Und wenn der Sonnenschein nicht lacht,
Erfreu ich mich am Regen.
(…)
Jakob Loewenberg (1856-1929) deutscher Schriftsteller und Pädagoge
Die ersten zwei der vier Strophen seines Gedichtes „Wandern“
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Vom Hörensagen
Marie sagt viel
bei Sport und Spiel.
Und auch Susanne
spricht volle Kanne.
Die Welt ist schlecht,
sagt Adelbrecht.
Von hier bis da,
sagt Sylvia.
Das ist nicht wahr,
sagt Waldemar.
Nach uns die Flut,
sagt Heinz zu Knut.

Das kümmert uns
doch nicht die Bohne,
sagt Marie-Anne
zu Simone.
Der Bauer Thiel,
der sagt nicht viel.
Und Franz verspricht’s:
Wir sagen nichts.
Zwei alte Damen
mit raren Namen,
die seufzen tief
und sagen: Amen.
Brigitte Fuchs

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Albumblatt

Fotos Brigitte Fuchs: Bremgarten bei Bern
Sommer durch die Lauben glüht,
Frühling zog vorbei –
Sing mir noch ein kleines Lied –
Kleines Lied vom Mai.
Wasser plätschern – trinken sacht
Meiner Armut Bild;
Einst ach hat die Frühlingsnacht
Mich in Samt gehüllt.
Sommer durch die Lauben glüht,
Frühling zog vorbei…
Sing mir noch ein kleines Lied –
Kleines Lied vom Mai
1921
Jakob Haringer (1898-1948) deutscher Schriftsteller, der später in die Schweiz emigrierte
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