Archiv der Kategorie: Bilder

Fundsachen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Man kann so manches draussen finden

und macht sich darauf einen Reim.

Man kann Geschichtensträusse binden

und nimmt die schönsten davon heim.

 

 

Brigitte Fuchs

 

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

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Abend am See

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Abends ward es klar.

Vor dem hellen Himmel stehn

Berge, herbstlich, blau.

 

 

Issa (1763-1852) japanischer Dichter

 

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Segelboot entschwand,

und der Herbsttag scheint schon weit

vorgerückt zu sein. –

 

 

Buson (1715-1783) japanischer Dichter und Maler

 

 

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Ein paar Boote

Foto Brigitte Fuchs

 

 

 

Ein paar Boote an Land aufgebockt

unter farbbleichen Plachen verschnürt

Vom Sommer bleibt nicht mehr zurück

als eine unklare Ordnung

In den Träumen Deltas und Buchten

verstreut übers Sichtfeld

ein Ausnahmezustand der

anhält und wärmt

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

 

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Minnelied

Foto Brigitte Fuchs

 

 

MIT DER LICHTEN BLUMEN SCHEIN

Ich bin einer, der nie halben tag
mit ganzen freuden hat vertrieben.
was mir in den armen lag,
ist mir nicht geblieben.

keinem wird die wonne währen; sie verweht
mit der lichten blumen schein.
darum schlafe herz, schlaf ein.
nichts ist dein, was nicht vergeht.

 

Walther von der Vogelweide (um 1170-ca.1230) deutscher Minnesänger des Mittelalters

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Möwen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Das scheinen Möwen längst zu wissen:
Geschwindigkeit ist nicht nur Spiel.

Wer schnell ist, kriegt den ersten Bissen
und das Gekreische führt zum Ziel.

Doch auf der Boje, einem Uferstein,
liebt man die Stille und ist gern allein.

 

 

Brigitte Fuchs

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Was eine Hofdame glücklich macht

Foto Brigitte Fuchs: Blick in ein Schaufenster

 

Was glücklich macht

(…)

Ich habe einen schrecklichen Traum geträumt und frage mich bestürzt, was für ein Unglück nun hereinbrechen werde. Aber der Wahrsager erklärt mir, dass dieser Traum nichts zu bedeuten habe. Ich bin entzückt!

(…)

Ich freue mich besonders, wenn ich einen hochmütigen Menschen kurz abfertigen kann. Meine Freude ist riesengross, wenn es sich dabei um einen Mann handelt.

(…)

Ich bin glücklich, wenn ein Zierkamm, den ich extra machen liess, über Erwarten gut gelungen ist.

Besonders glücklich bin ich aber, wenn einer glücklich ist, den ich liebe.

(…)

 

Aus „Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon“; sie war Hofdame am japanischen Kaiserhof zur Zeit der späteren Heian-Zeit (898-1186)

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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Novemberschwimmer

Fotos Brigitte Fuchs: mit der Erlaubnis des Schwimmers

 

 

Willst du Grosses, lass das Zagen,
Tu nach kühner Schwimmer Brauch!
Rüstig gilt’s die Flut zu schlagen,
Doch es trägt die Flut dich auch.

 

 

Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Lyriker und Dramatiker

 

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Die Liesel und die Martinsgans

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Die Liesel spricht zur Martinsgans:
Hab du nur keine Bange!
Wir essen Gänsebraten nicht,
und das schon ziemlich lange.

Wir zieh’n am Martinstag als Schar,
statt Mathe noch zu lernen,
laut singend durch die Innenstadt
und schwenken die Laternen.

Da draussen wird es winterkalt,
den Mantel brauchen wir, den warmen.
Sankt Martin gab den halben her
für einen Bettelarmen.

 

Brigitte Fuchs

 

 

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Herbstschöne

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Nun sind im Jahresreigen
Verstummt die hellen Geigen
Mit ihrem Lustgetön.
Die glühen Sommerfarben
Sie welkten schon und starben,
Und dennoch ist es schön. –

Wenn auch das Sonnenprangen
Vom Wolkenflor verhangen,
Und wenn auch Nebel brau’n –
Du musst es nur verstehen,
Im Sterben und Vergehen
Die Schönheit noch zu schau’n.

 

Heinrich Kämpchen (1847-1912) deutscher Bergmann und Arbeiterdichter
Aus „Was die Ruhr mir sang“ 1909

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Acherontisches Frösteln

Foto Brigitte Fuchs: Parkanlage Gönhardgüter in Aarau

 

 

Schon nascht der Star die rote Vogelbeere,
Zum Erntekranze juchheiten die Geigen,
Und warte nur, bald nimmt der Herbst die Schere
Und schneidet sich die Blätter von den Zweigen,
Dann ängstet in den Wäldern eine Leere,
Durch kahle Äste wird ein Fluss sich zeigen,
Der schläfrig an mein Ufer schickt die Fähre,
Die mich hinüberholt ins kalte Schweigen.

 

 

Detlev von Liliencron (1844-1909) deutscher Lyriker, Schriftsteller und Bühnenautor

 

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