Archiv der Kategorie: Gedichte
Drei Schwäne
Foto Brigitte Fuchs
Drei Schwäne zogen übern See,
so weiss wie frisch gefall’ner Schnee.
Sie zogen still zur Abendstund
gleich Engeln übers Erdenrund.
Text von Unbekannt
„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“
Von Unbekannt
(Manchmal fälschlich Georg Christoph Lichtenberg zugeschrieben.)
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Wintertag

Fotos Brigitte Fuchs: Auf dem Heitern bei Zofingen
Über schneebedeckter Erde
Blaut der Himmel, haucht der Föhn –
Ewig jung ist nur die Sonne!
Sie allein ist ewig schön!
Heute steigt sie spät am Himmel,
Und am Himmel sinkt sie bald
– Wie das Glück und wie die Liebe –
Hinter dem entlaubten Wald.
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
12 Kommentare
Zweimal zwei ist vier
Foto Brigitte Fuchs: Video in einer Ausstellung gesehen
Mit grossen Gebärden und grossen Worten
Treibens viele Leute allerorten.
Haben eine absonderliche Manier,
Zu sagen: zweimal zwei ist vier.
Orakeln im mystischen Tempelbass:
Liebe Brüder, wenn’s regnet, wird’s nass!
Je weniger sie zu sagen haben,
Je toller gebärden sich die Knaben.
Doch wie sie sich geben und wie sie beharren,
Man merkt gleich, es sind Narren.
Sind auch etliche »Dichter« darunter,
Die treiben’s erst munter!
Gustav Falke (1853-1916) deutscher Schriftsteller
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Kindliches Spiel
Fotos Brigitte Fuchs
Kinderlust
Fröhlich springen wir im Kreise,
Lachen laut und sorgenfrei,
Jeder Tag ist eine Reise,
Und das Spiel ist stets dabei.
Heute laufen, morgen singen,
Dann ein Traum aus Fantasie –
Ach, wie leicht die Stunden klingen
In der Kinderspiele-Melodie.
Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) deutscher Dichter
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
20 Kommentare
Die Wintersonne an die Südländer
Foto Brigitte Fuchs
Hängt länger euch, o Kinder,
Nicht an mein goldnes Kleid!
Hab‘ ja noch andre Kinder
Im Norden, weit, weit, weit!
In ihrem grimmen Winter
Bin ich ihr einz’ger Trost:
Komm‘ ich nicht auf ein Stündchen,
Sie sterben mir vor Frost.
Auf dumpfer Hütten Schwelle,
Um die ein Eiswall ragt,
Erwarten ungeduldig
Sie mich, sobald es tagt.
Sie grüssen lautaufjauchzend
Mit Schmeichelnamen mich,
Und weinen fast, entfernet
Mein goldner Wagen sich.
Elisabeth Kulmann (1808-1825) deutsch russische Dichterin
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Endspiel

Foto Brigitte Fuchs
So ist er. Spielt weiter noch immer versteckt
unter dem Strohhut wo ihn keiner mehr sucht.
Und während Rauch einhellig aufsteigt aus
unseren Kaminen nimmt seiner die andere
Richtung. Streicht unentwegt hinwärts über die
Dächer der Glücklosen. Da endlich erhebt er
sich. Schiebt den verwandelten Hut aus der
Stirn. Ich muss es zu Ende bringen sagt er und
setzt Wolken auf in seiner Pfanne aus Nichts.
Brigitte Fuchs
Aus „Solange ihr Knie wippt“, Gedichte, edition 8, Zürich 2002
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
8 Kommentare
Es wächst
Fotos Brigitte Fuchs
Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.
Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894) deutscher Arzt, Politiker und Dichter

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Landläufigkeiten
Fotos Brigitte Fuchs
Die Klappstühle vor dem Gasthof sind
allesamt vom Neuschnee besetzt die
frisch hingewehten Tischtücher noch
unangetastet keine Spur von Flecken
Vogeltritten oder Handgreiflichkeiten
Den Strassenrand markieren orange
Stangen eine der Laubsäge enteilte
Schneeprinzessin im kirschroten Kleid
warnt die Autofahrer vor den Kindern
des Orts Tempo dreissig ist erlaubt
Jeder hält sich heute daran auf eine
Rutschpartie sind höchstens die paar
Schulkinder aus oder der Junglehrer
der hinter der neuen Kollegin über
den vereisten Schulhausplatz tänzelt
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“ Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
22 Kommentare
Winterlust
Fotos Brigitte Fuchs
Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiss;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift,
Doch meint er´s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch,
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an!
Robert Reinick (1805-1852) deutscher Maler und Dichter

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
18 Kommentare
Zwischen zweier Jahre Sarg und Windel
Foto Brigitte Fuchs
Zwischen zweier Jahre Sarg und Windel
Wiederholt sich immer solch historischer Schwindel,
Der zumal Kalenderfabrikanten
Und viele alte antitot gesinnte Tanten
Hochbeglückt.
Und auch mich.
Prosit Neujahr, Brüder!
Ich bin heute lüderlich.
Ja, ich brülle und betrinke mich.
Mich schlägt keine Uhr.
Und ich wünsche jedem Menschen nur:
Dass von dem, was er mit losem Munde
Heute erfleht, möglichst wenig in Erfüllung geht.
Weil die Welt mir doch zu jeder Stunde
So am richtigsten erscheint, wie sie besteht.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
17 Kommentare







