Archiv der Kategorie: Gedichte

Meck, meck, meck, meck

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

An meiner Ziege hab ich Freude
´s ist ein wunderschönes Tier
Haare hat sie wie aus Seide
Hörner hat sie wie ein Stier
Meck, meck, meck, meck

Sie hat ein ausgestopftes Ränzel
wie ein alter Dudelsack
und ganz hinten hat´s ein Schwänzel
wie ein Stengel Rauchtabak
Meck, meck, meck, meck

 

Kinderreime aus Böhmen, Verfasser unbekannt

 

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Nicht nur im Hafen liegen

Foto Brigitte Fuchs: Hallwilersee

 

 

Nur nicht im Hafen liegen und schlafen,

Sei es im Glück, sei es bei Weh,

Leben ist nur auf offener See.

 

 

Gorch Fock (1880-1916)
Der Name ist ein Künstlername des deutschen Schriftstellers Johann Wilhelm Kinau (1880-1916). 1917 wurde das Vorpostenboot Gorch Fock nach ihm benannt, später zwei Segelschulschiffe der deutschen Marine, die 1933 gebaute Gorch Fock und die 1958 gebaute Gorch Fock. Weitere Pseudonyme des Autors sind Jakob Holst und Giorgio Focco.

 

Foto Brigitte Fuchs: Hallwilersee

 

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Triangel

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Triangel

 

Ein Regen fällt ein Finger fährt über

die Pfirsichhaut des Tages

So leicht lässt sich die Ruhe bewahren

wer hätte das geahnt –

langanhaltende Glanzlichttöne hallen

von Gasse zu Gasse

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, Zürich 2020

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

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Herbst naht

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Herbst naht, der Storch verlässt uns bald,
Hier wird’s dem Armen ja zu kalt,
Drum fliegt er fort in weite Fern‘,
Die warme Sonne hat er gern.

Der Storch, der hat für seinen Flug
In ferne Länder Grund genug,
Doch nie, mein Schatz, hab‘ ich erfasst,
Warum du mich verlassen hast!

(…)

Sándor Petöfi (1823-1849) ungarischer Schauspieler, Soldat, Student und Dichter (Er starb vermutlich auf dem Schlachtfeld, wurde allerdings nie gefunden.)
Erste Strophen seines Gedichtes „Herbst naht“

 

Foto Brigitte Fuchs: Störche am Lützelsee

 

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An die Herren Amtsgenossen

Foto Brigitte Fuchs: Das „Zimmer Prof. Fuchs“ im Schloss Wartenfels in Lostorf
Siehe auch: https://schloss-wartenfels.ch/de/tour/zimmer-professor-fuchs/

 

An die Herren Amtsgenossen

Nur unter uns! – Ganz leise!
Beileib‘ verratet’s nicht:
Es ist nicht alles weise,
Was ein Professor spricht!
Es bleibe dieses Reimnis
Gestrenges Amtsgeheimnis!

 

Felix Dahm (1834-1912) deutscher Professor für Rechtswissenschaften, Schriftsteller und Historiker

 

Foto Brigitte Fuchs: Zimmer Prof. Fuchs im Schloss Wartenfels, Lostorf

 

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Nochmals eine Schlossbesichtigung

Schloss Wartenfels in Lostorf, Kanton Solothurn

 

 

Aus weissen Wolken
baut sich ein Schloss.

Spiegelnde Seen, selige Wiesen,
singende Brunnen aus tiefstem Smaragd!

In seinen schimmernden Hallen
wohnen
die alten Götter.

Noch immer,
abends,
wenn die Sonne purpurn sinkt,
glühn seine Gärten,
vor ihren Wundern bebt mein Herz
und lange … steh ich.

Sehnsüchtig!

Dann naht die Nacht,
die Luft verlischt,
wie zitterndes Silber blinkt das Meer,
und über die ganze Welt hin
weht ein Duft wie von Rosen.

 

Arno Holz (1863-1929), deutscher Dichter und Dramatiker

 

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Ach, wie ihr heimlich vergeht!

Foto Brigitte Fuchs: Wasserspiegelung

 

Ach, wie ihr heimlich vergeht!
Wer hat es verstanden,
dass ihr den Nachen gedreht
ohne zu landen?

Keiner erfasst es. Wo singt
rühmend ein Mund?
Alles vertaucht und ertrinkt,
drängt sich am Grund.

Darüberhin treibt uns der Schwung,
wie das Gefäll ihn leiht …
Nichtmal zur Spiegelung
bleibt uns Zeit.

 

Raine Maria Rilke (1875-1926) österreichischer Erzähler und Lyriker

 

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In seiner Fülle

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

In seiner Fülle ruhet der Herbsttag nun,
Geläutert ist die Traub und der Hain ist rot
Vom Obst, wenn schon der holden Blüten
Manche der Erde zum Danke fielen.

Und rings im Felde, wo ich den Pfad hinaus,
Den stillen, wandle, ist den Zufriedenen
Ihr Gut gereift und viel der frohen
Mühe gewähret der Reichtum ihnen.

Vom Himmel blicket zu den Geschäftigen
Durch ihre Bäume milde das Licht herab,
Die Freude teilend, denn es wuchs durch
Hände der Menschen allein die Frucht nicht.

(…)

 

Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Anfangsstrophen aus seinem Langgedicht „Mein Eigentum“

 

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Der Berggeist

Foto Brigitte Fuchs: Churfirsten

 

 

(…)

Dort, wo die Kötschach brauset,
Der alte Berggeist hauset,
Der Geist vor Menschen scheu,
Ihn selber siehst du nimmer
Im öden Felsgetrümmer,
Doch seine Spur stets neu.

An langen Tales Ende
Erheben sich die Wände
Des hohen Tischlkar;
Da liegt sein weisses Bette,
Ein Schmuck der Bergeskette
Schon viele tausend Jahr.

(…)

 

Gustav Theodor Fechner (1801-1887) bedeutender deutscher Gelehrter (Physiker, Mediziner, Naturphilosoph, Begründer der Psychophysik)
Aus „Berglieder“ 1 – 14

 

Foto Brigitte Fuchs

Die Churfirsten. Fotografiert habe ich sie durch die Seitenscheibe des Autos, deshalb erschien ganz zufällig der reflektierte „Berggeist“.

 

 

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Waldlieder

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise,
Unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise.

In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.

Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken,
Kauernd in den dunklen Büschen sie die Melodien trinken.

 

 

Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker
Auszug aus dem Gedicht „Waldlieder I und II“

 

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