Archiv der Kategorie: Gedichte
Waldlieder
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise,
Unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise.
In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.
Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken,
Kauernd in den dunklen Büschen sie die Melodien trinken.
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker
Auszug aus dem Gedicht „Waldlieder I und II“
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Blick auf die Burg

Fotos Brigitte Fuchs
Burg und Festung Aarburg
Die Festung Aarburg ist eine historische Festungsanlage, die sich auf einem Felsen oberhalb des Städtchens Aarburg im schweizerischen Kanton Aargau befindet. Sie wurde im 12. Jahrhundert als Burg gegründet und im 17. Jahrhundert zu einer grossen Festung ausgebaut. Heute dient sie als Jugendheim für straffällige Jugendliche.
So schön die breite Burg das Stadtbild krönt,
erst heut ist von der alten Brücke Borden,
was uns des mächtigen Schlosses Blick verschönt,
mir in der Sommersonne klar geworden.
Zu Füssen dem gewaltigen Bauwerk steht
und unterbricht der Mauern kalte Säume
fast jugendlich, vom Leben hingeweht,
das dichte Wipfelgrün einsamer Bäume.
Der Burg Erbauer, ihr seid lange Staub
und euer Irdisches zerfiel in Stücken,
doch euer Ewiges ward Stamm und Laub,
um euer Werk zu schützen und zu schmücken.
Hugo Salus (1866-1929) böhmischer Dichter und Novellist

Fotos Brigitte Fuchs: Besuch und Führung auf der Festung Aarburg
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Fächeln und lächeln
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Ja, das möchste!
Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer.
Tröste dich
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Dass einer alles hat –
das ist selten.
Kurt Tucholsky (1890-1935) deutscher Jurist, Journalist, Schriftsteller und Satiriker
Letzte Strophen aus seinem Langgedicht „Das Ideal“
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Spanische Flagge
Fotos Brigitte Fuchs: Schmetterling mit der Bezeichnung „Russischer Bär“ oder „Spanische Flagge“
Ein leichter Hauch, ein Flügelschlag,
verweht die Sorgen, Tag für Tag.
Die Sonne lacht, der Wind spielt leise
und auf der Buche singt die Meise.
Die Wolken ziehen, sanft und rein,
als wären sie aus Federstein.
Ein Schmetterling, so unbelastet,
er schaukelt, flattert, setzt sich, rastet.
Ein KI-generierter Gedichtvorschlag, von mir formal und inhaltlich nachbearbeitet. (Die dritte Strophe, die sprachlich und reimtechnisch völlig misslungen war, liess ich weg.)

Fotos Brigitte Fuchs: „Spanische Flagge“
Nachtrag: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die BUND NRW Naturschutzstiftung haben die Spanische Flagge zum Schmetterling des Jahres 2025 gewählt.
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Lass drohn, was will

Foto Brigitte Fuchs: morgendliche Stimmung
Sieh doch den Wettersturm am Himmel!
sieh doch die Wolken um die Höhn!«
Ich aber sag: das geht vorüber
und auf den Abend wird es schön!
(…)
Und grollten rings auch tausend Wetter
und droht es noch so von den Höhn …
lass drohn, was will! es geht vorüber
und auf den Abend wird es schön!
Cäsar Flaischlen (1864-1920) deutscher Schriftsteller, Journalist und Redakteur
erste und letzte Strophe seines fünfstrophigen Gedichts „Lass drohn, was will“
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Es ist ein Reihen geschlungen

Foto Brigitte Fuchs
Es ist ein Reihen geschlungen,
ein Reihen auf grünem Plan,
und ist ein Lied gesungen,
das hebt mit Sehnen an,
mit Sehnen, also süsse,
dass Weinen sich mit Lachen paart:
Hebt, hebt im Tanz die Füsse
auf lenzeliche Art.
Otto Julius Bierbaum (1865-1910) deutscher Romancier und Dichter
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Die Blumen
Fotos Brigitte Fuchs
Sieh die zarten Blüten keimen
Wie sie aus sich selbst erwachen,
Und wie Kinder aus den Träumen
Dir entgegen lieblich lachen.
Ihre Farbe ist im Spielen
Zugekehrt der goldnen Sonne,
Deren heissen Kuss zu fühlen,
Das ist ihre höchste Wonne:
An den Küssen zu verschmachten,
Zu vergehn in Lieb‘ und Wehmut;
Also stehn die eben lachten
Bald verwelkt in stiller Demut.
Ludwig Tieck (1773-1853) deutscher Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer

Foto Brigitte Fuchs
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Eine Freude
Fotos Brigitte Fuchs
Eine Freude unter allen
Hab‘ ich stets als wahr erkannt,
Und die Leuchte sie genannt,
Sie bleibt wahr, ob alles trügt,
Unbefleckt von Groll und Neide,
Selig der, dem sie genügt:
Freude an der andern Freude.
Theodor Hell (1775-1856) offiziell Karl Gottfried Theodor Winkler, deutscher Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Publizist
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Lieben und Hassen
Fotos Brigitte Fuchs
Hassen ist: In’s Herz den Tod
Mit dem Atem ziehen,
Sehn nur halb des Morgens Rot,
Halb der Blumen Blühen!
Lieben ist: Um sich herum
Gottes Welt verschönen,
Leben in Elysium
Unter Freudentönen;
Haben schon den Himmel hier,
Heiter sehn im Trüben!
Liebe Seele, wollen wir
Hassen oder Lieben?
Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) deutscher Jurist und Dichter
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Nocturne
Fotos Brigitte Fuchs
Den auf und abklingenden Tönen lauschen
dem spätabendlichen Zirpen der Grillen
dem Sirren der Drähte bei der Kuhweide
Die Blautöne hören oder die grasgrüne Stille
und dann diese Trunkenheit in Schalen füllen
als Grundbass für den folgenden Tag
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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