Archiv der Kategorie: Gedichte
… Warten auf den ersten Klee
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bisschen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee …
(…)
Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) deutschsprachige jüdische Dichterin, die mit 18 Jahren an Fleckfieber verstarb
Eine Strophe aus ihrem Gedicht „Frühling“
Aus „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“ Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund. Hrsg. Jürgen Serke, Hoffmann und Campe, Hamburg 1980
„Oh“, rief ein Glas Burgunder
Foto Brigitte Fuchs
„Oh“, rief ein Glas Burgunder,
„Oh, Mond, du göttliches Wunder!
Du giesst aus silberner Schale
Das liebestaumelnde, fahle,
Trunkene Licht wie sengende Glut
Hin über das nachtigallige Land – -„
Da rief der Mond, indem er verschwand:
„Ich weiss! Ich weiss! Schon gut! Schon gut!“
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Aus „Und auf einmal steht es neben dir“, Karl H. Henssel Verlag, Berlin 1950
Die Bäume
Foto Brigitte Fuchs, beide Bilder: Tatton-Park in Cheshire
die Bäume
so sie wandern
reden mit dir
wanderst du im
Gleichschritt mit
redest du mit
Elsbeth Maag, *1944, Schweizer Lyrikerin
Aus „Die Pappeln rennen durchs Tal“ Gedichte, Edition Klaus Isele, CH Kreuzlingen und D Eggingen 2011
Foto Brigitte Fuchs
Puppendoktor
Foto Brigitte Fuchs
Lieber Doktor Pillermann,
sieh dir doch nur mein Püppchen an.
Drei Tage hat es nichts gegessen,
hat immer so stumm dagesessen,
es will nicht einmal Zuckerbrot,
die Arme hängen ihm wie tot.
Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
ist diese Krankheit sehr gefährlich?
Madam, Sie ängstigen sich noch krank;
der Puls geht ruhig, Gott sei dank.
Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
sie muss zu Bett und tüchtig schwitzen;
drei Kiebitzeier gebt ihr ein,
dann wird es morgen besser sein.
Empfehle mich.
Paula Dehmel (1862-1918) deutsche Schriftstellerin und Kinderbuchautorin
Aus „Die Wundertüte“, Alte und neue Gedichte für Kinder, Hrsg. Heinz-Jürgen und Ursula Kliewer, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2005
Die heil’gen drei König’…
…oder blödeln konnte der Herr von Goethe auch.
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Die heil’gen drei König‘ sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär‘,
So wär‘ ein heil’ger drei König mehr.
(…)
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Unuversalgelehrter
Zweite Strophe aus seinem Gedicht „Epiphanias“
Gelesen in „Weihnachtsgedichte“ Hrsg. Gabriele Trinckler und Anton G. Leitner, dtv, München 2012
Foto Brigitte Fuchs






