Archiv der Kategorie: Gedichte
Adventsengel 15
Foto Brigitte Fuchs, gesehen im Schaufenster einer Freizeitwerkstatt
Wenn sie nicht fliegen schweben diese
ebenmässigen Engel (getrieben von
Neugier) in die Werkstatt des Künstlers
Er schaut sie lange an dann malt er
helle Streifen auf nachtschwarze Bretter
Darüber laufen sie mit erhitzten Gesichtern
Brigitte Fuchs
Aus „Handbuch des Fliegens“, Gedichte, edition 8, Zürich 2008
Gedicht mit der Überschrift „Ohne Titel“
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Adventsengel 14
Foto Brigitte Fuchs
Wandle träumend jeder für sich.
Meisters Violinenklänge
Führten mich aus der stieren Menge
Hoch in himmlische Fernen empor.
Wo sich im rosigen Wolkengehänge
Jeder menschliche Odem verlor,
Grüssten mich Engel im lachenden Chor.
Und auf weissem Schwanengefieder,
Weich gebettet, fand ich mich wieder,
Dort, wo die Träumenden glücklich sind.
Köstlichen Weihrauch, Lorbeer und Flieder,
Labend, lobend, liebend und lind,
Brachte in duftigen Wogen der Wind.
Und mein Mädchen, als ich erwachte,
Frug mich verwundert, woran ich dachte,
Dass mir so ganz ihre Nähe entwich.
Doch ich küsste ihr Mündchen und lachte
Und ich log: „Ich dachte an Dich.“
Wandle träumend jeder für sich.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Seefahrer
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Adventsengel 12
Foto Brigitte Fuchs
Mein Engel
Mein Engel hat mir zugewinkt: so tu!
Drum, Freunde, setzet mir nicht weiter zu;
Wohl manchem Mann vergönn ich alle Ehr,
Kann doch nicht fühlen, denken, tun wie er;
Nicht jedes, wisst ihr, taugt für jedermann,
Mein Engel sagt mir, was ich soll und kann.
(…)
Karl Gerok (1815-1890) deutscher Theologe und Dichter
1. von neun Strophen des gleichnamigen Gedichtes
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Adventsengel 11
Foto Brigitte Fuchs
Abends, will ich schlafen gehn,
vierzehn Englein um mich stehn:
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füssen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken
zweie, die mich wecken
zweie, die mich weisen
zu Himmels Paradeisen!
Adelheid Wette (1858-1916) deutsche Schriftstellerin und Liberettistin
Duett aus der Märchenoper „Hänsel und Gretel“, komponiert von ihrem Bruder Engelbert Humperdinck
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Adventsengel 10
Foto Brigitte Fuchs
Gefallener Engel
Kein Stern
der nicht die Augen
niederschlüge
wenn du aufstehst
und den Tag
glattstreichst
mit feuriger Gebärde
den Kopf zurückwirfst
und lachst
da wir
unwissend
was uns anficht
in diesem sternvollen All
flügellos einhergehen
Brigitte Fuchs
Aus „Suchbild mit Garten“ Gedichte, Verlag Kukuruz, Lüchingen 1998
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Adventsengel 9
Foto Brigitte Fuchs
– Doch verteilt das Schicksal nicht an alle seine Gaben?
hat jeder nicht sein Teil am Lebensglück?
sei’s Reichtum oder körperliche Kraft,
Gesundheit, hoher Mut, ein leichter Sinn,
sei’s Freiheit oder schöne Sklaverei,
der Liebe süsser Rausch, der Freundschaft stille Lust.
So arm ist keiner, dass nicht auf des Lebens Feld
ihm irgendeine Blume blüht; vielleicht
ein zarter Blütenzweig, der Hoffnung Kind,
ihm teurer oft als gegenwärtig Gut,
das ihm in heitrer stiller Ferne schon
die schönsten Früchte zeigt.
Sophie Mereau (1770-1806) deutsche Schriftstellerin
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Adventsengel 8
Foto Brigitte Fuchs
Engel der Liebe:
Du suchst umsonst auf irrem Pfade
Die Liebe dir im Drang der Welt.
Ein Wunder ist die Liebe, Gnade,
Die wie der Tau vom Himmel fällt.
Sie kommt wie Nelkenduft im Winde,
Sie kommt wie durch die Nacht gelinde
Aus Wolken fliesst des Mondes Schein.
Da gilt kein Ringen, kein Verlangen.
In Demut magst du sie empfangen,
Als kehrt ein Engel bei Dir ein.
Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Dichter und Dramatiker
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Adventsengel 7
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Nun kam auch an den Herrn Schreie,
Den Hieronymus zu fragen, die Reihe.
Er fragte also: Wie mancherlei
Die Gattung der Engel eigentlich sei?
Hieronymus tat die Antwort geben:
Er kenne zwar nicht alle Engel eben,
Doch wär ihm ein goldner Engel bekannt
Auf dem Schild an der Schenke »Zum Engel« genannt.
(…)
Wilhelm Busch (1832-1908) deutschr Zeichner, Maler und Dichter
Aus „Bilder zu Jobsiade“, Auszug aus „Sechstes Kapitel“
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Adventsengel 6
Foto Brigitte Fuchs
Du heiterer Engel, kennst du wohl die Angst,
die Scham, Gewissensbisse, Schluchzen, Sehnen,
und Nächte, die sich grauenvoll hindehnen,
wo du im Herzen wie zerknittert bangst?
Du heiterer Engel, kennst du wohl die Angst?
Du guter Engel, kennst du wohl das Hassen,
Die Gallentränen, Fäuste, die geballt,
Wenn laut der Rache Höllentrommel schallt,
Um unsere Kräfte herrisch zu erfassen?
Du guter Engel, kennst du wohl das Hassen?
(…)
Charles Baudelaire (1821-1867) französischer Schriftsteller und Lyriker
Zwei von fünf Strophen seines Gedichtes „Réversibilité“ (Umkehrbarkeit) aus den „Blumen des Bösen“
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Adventsengel 4
Foto Brigitte Fuchs
Sei brav wie ein Engel,
dann hat man dich lieb,
und denk an den Bengel,
der dieses hier schrieb.
Poesiealbumspruch
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