Archiv der Kategorie: Gedichte
Adventsengel 3
Foto Brigitte Fuchs
Der Engel
In der Kindheit frühen Tagen
Hört ich oft von Engeln sagen,
Die des Himmels hehre Wonne
Tauschen mit der Erdensonne,
Dass, wo bang ein Herz in Sorgen
Schmachtet vor der Welt verborgen,
Dass, wo still es will verbluten,
Und vergehn in Tränenfluten,
Dass, wo brünstig sein Gebet
Einzig um Erlösung fleht,
Da der Engel niederschwebt,
Und es sanft gen Himmel hebt.
Ja, es stieg auch mir ein Engel nieder,
Und auf leuchtendem Gefieder
Führt er, ferne jedem Schmerz,
Meinen Geist nun himmelwärts!
Mathilde Wesendonck (1828-1902) Deutsche Schriftstellerin und Mäzenin
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Adventsengel 2
Foto Brigitte Fuchs
Der Engel (für Claire)
Einmal geht der Engel
Auch ganz nah an dir vorbei.
Es ist ein regnerischer Montag
Du fühlst dich älter als die Welt
Die Stiefel schlecht geputzt
Das Herz gänzlich verrostet.
Aber deines Schicksals Engel geht vorbei
Dich mit Güte überschwemmend
Und einem rosa Lächeln.
Halt ihn fest!
Dreh dich um!
Bevor er nur noch dem Winde gleicht!
Yvan Goll (1891-1950) deutsch-französischer Dichter
Aus „Métro de la Mort“ aus dem Jahre 1934
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Adventsvorbereitungen
Fotos Brigitte Fuchs: Olten
Brich an, du schönes Morgenlicht!
Brich an, du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht, der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten in der Fern‘,
es ist ein Schimmer, ist ein Stern,
von dem ich längst gehöret.
Max von Schenkendorf (1783-1817) deutscher Dichter
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Novembersonne.
Foto Brigitte Fuchs
Herbstlich sonnige Tage,
Mir beschieden zur Lust:
Geibel
Herbstlich niedere Sonne,
Blickst so freundlich und mild,
Zauberst Träume von Wonne
Noch aufs öde Gefild!
Aus versiegenden Schalen
Träufst dein blässeres Gold,
Doch die letzten der Strahlen
Glänzen doppelt so hold.
(…)
Karl Gerok (1815-1890) deutscher Theologe und Dichter
Die ersten beiden Strophen aus seinem Langgedicht „Novembersonne.“
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Oh, wie ist es kalt geworden

Foto Brigitte Fuchs
Oh, wie ist es kalt geworden
Und so traurig öd und leer.
Raue Winde weh’n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.
Auf die Berge möcht‘ ich fliegen
Möchte sehen ein grünes Tal
Möchte in Gras und Blumen liegen
Und mich freu’n am Sonnenstrahl.
(…)
Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) deutscher Dichter
Die ersten zwei von vier Strophen des gleichnamigen Gedichtes
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Barfuss
Foto Brigitte Fuchs
Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen
Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen,
Die weissen Blütenträume sind vorbei.
Welkend muss man goldne Blätter tragen.
Jung? Ich werde es nicht länger sein.
So wie früher wirst du nicht mehr pochen,
Herz, erfasst vom kalten, rauen Reif,
Und das Land, aus Birkenbast geflochten,
Lockt nicht mehr, es barfuss zu durchstreifen.
(…)
Sergei Alexandrowitsch Jessenin (1895-1925) russischer Lyriker
Die ersten zwei von fünf Strophen seines Gedichtes „Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen“

Foto Brigitte Fuchs: Ausschnitt
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November
Fotos Brigitte Fuchs
Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdriesslich sein
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ′ne wahre Pracht.
Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und sie durcheinander wirbelt
und sie hetzt ohn′ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!
(…)
Heinrich Seidel (1842-1906) deutscher Ingenieur und Schriftsteller
Erste zwei von vier Strophen seines Gedichtes „November“

Fotos Brigitte Fuchs
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Letzte Rosen
Fotos Brigitte Fuchs
Ich bin auf stillen Wegen
Fortgegangen von dir.
An der Brust sind mir
Deine letzten Rosen gelegen.
Rosen, noch spät gerötet
Von der Herbstsonne Licht.
Rosen, die man bricht
Schnell, eh der Frost sie tötet.
Wie schnell man vom Leben,
Eh die Jugend verglimmt,
Noch eine Liebe nimmt…
… Meine letzten Rosen hast du mir gegeben.
A. de Nora (1864-1936), eigentlich Anton Alfred Noder, deutscher Arzt und Dichter

Foto Brigitte Fuchs
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Ach, verehrteste Mamsell
Fotos Brigitte Fuchs: Aarburg
Frühling, Sommer und dahinter
gleich der Herbst und dann der Winter –
ach, verehrteste Mamsell,
mit dem Leben geht es schnell!
Wilhelm Busch (1832-1908) deutscher Zeichner, Maler, Dichter und Schriftsteller
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Wenn du darnach was fragst …
Fotos Brigitte Fuchs: Aarau Philosophenweg
Wenn du darnach was fragst,
Wir waren hier.
Du, der du nach uns kommen magst,
Hab wenigstens so frisches Blut
Und sei so leidlich fromm und gut
Und leidlich glücklich als wie wir!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter
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