Archiv der Kategorie: Gedichte

Nur eine Stunde von Menschen fern

 

 

Nur eine Stunde von Menschen fern,
Nur eine einzige Stunde!
Statt der tönenden Worte des Waldes Schweigen,
Statt des wirbelnden Tanzes der Elfen Reigen,
Statt der leuchtenden Kerzen den Abendstern,
Nur eine Stunde von Menschen fern!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Auf dem schwellenden Rasen umhaucht von Düften,
Gekühlt von den reinen balsamischen Lüften,
Wo von ferne leise das Echo schallt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen sich flüsternd neigen,
Wo die Vögel sich wiegen auf schwankenden Zweigen,
Wo die Quelle rauscht aus dem Felsenspalt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

 

 

Auguste Kurs (1815–1892) deutsche Dichterin

 

Alle Fotos Brigitte Fuchs: „Waldkathedrale“ in Beromünster

 

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Juligarten

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Diese sommerleichte Welt
morgens schon kichert sie
zwischen Erbsen und
Blumenkohl schrittweit die
Steinplatten und am Himmel
Milchschaumwölkchen
wie hochgewachsene
Ziersträucher nein
Wasser fehlt nicht etwas
Sonne im Eimer da
steht sie gern auf und
rechnet übern Daumen
wie jung sie noch sei

 

Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“ Gedichte, edition 8, Zürich 2014

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

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Der Sommer

Fotos Brigitte Fuchs: Abendstimmung auf dem Homberg/Aargau

 

 

Die Tage gehn vorbei mit sanfter Lüfte Rauschen,
Wenn mit der Wolke sie der Felder Pracht vertauschen,
Des Tales Ende trifft der Berge Dämmerungen,
Dort, wo des Stromes Wellen sich hinabgeschlungen.

Der Wälder Schatten sieht umhergebreitet,
Wo auch der Bach entfernt hinuntergleitet,
Und sichtbar ist der Ferne Bild in Stunden,
Wenn sich der Mensch zu diesem Sinn gefunden.

 

Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Lyriker

 

Foto Brigitte Fuchs: Sicht auf den Hallwilersee, den Baldeggersee und die Rigi

 

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Kornrauschen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Rückt die Sonne rot der Erde zu,
Wird im Korne immer tiefre Ruh,
Und der liebe Wind hat’s eingewiegt,
Wenn die Mondnacht schimmernd drüber liegt.
Wie von warmem Brot ein lauer Duft
Zieht mit würz’gen Wellen durch die Luft.

 

 

Ferdinand Avenarius (1856-1923) deutscher Dichter
Letzte Zeilen seines Gedichtes „Kornrauschen“

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Ich bin der Juli

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?

Kaum weiss ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;

reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.

So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.

Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!

Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

 

 

Paula Dehmel (1862-1918) deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Kinderbuchautorin

 

 

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Herzschlagzeilen

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Wieviele Fuchssommer
stehen bevor
wie lange noch
brennt dein Zeichen
mir unter dem Fell.
Wer hält uns danach
und wer weiss was
zugut.
Noch zehre ich
stündlich
von den leichtsinnig
angebrochenen Nächten
noch zergeht mir
wenn ich dich meine
das Glück auf der Zunge
noch rieche ich rot
und nach dir.

 

Brigitte Fuchs
Liebesgedicht mit dem Titel „Rotfuchs“
Aus „Herzschlagzeilen“ Gedichte, Glendyn Verlag, Aarau 1989

 

Das Liebesgedicht für meinen Mann hat noch immer seine Gültigkeit,
besonders heute, an unserem 50. Hochzeitstag.

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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Mondnacht

 

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst’.

 

 

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

 

 

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

 

Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Schriftsteller und Dichter

 

Alle Fotos: Brigitte Fuchs

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ich wollte die ganze Fülle der Erde

Foto Brigitte Fuchs

 

 

ich wollte die ganze Fülle der Erde
und fand, daß die Fülle leer war
du könntest nun fragen, warum füllst du nicht die Leere
und ich könnte antworten, was glaubst du denn
was ich hier gerade tue

 

 

Eva Cader-Benedix, Lyrikerin und Schriftstellerin, geboren in Schleswig-Holstein, lebt in Schweden
Aus „Im Frieden deiner Linien“ Gedichte, Karin Fischer Verlag, Aachen 1999
Mit der Erlaubnis zur Veröffentlichung von Eva

 

 

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Feldeinsamkeit

Foto Brigitte Fuchs: Juraweid im Aargau

 

 

Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn‘ Unterlass,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen, weissen Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne, stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

 

Hermann Allmers (1821-1902) deutscher Schriftsteller und Dichter

 

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Kornblumen

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Kornblumen nenn ich die Gestalten,
die milden mit den blauen Augen,
die, anspruchslos in stillem Walten,
den Tau des Friedens, den sie saugen
aus ihren eigenen klaren Seelen,
mitteilen allem, dem sie nahen,
bewusstlos der Gefühlsjuwelen,
die sie von Himmelshand empfahn.
Dir wird so wohl in ihrer Nähe,
als gingst du durch ein Saatgefilde,
durch das der Hauch des Abends wehe,
voll frommen Friedens und voll Milde.

 

Felix Dahn (1834-1912) deutscher Schriftsteller, Jurist und Historiker
(Das Gedicht wurde 1988 von Richard Strauss unter dem Namen „Mädchenblumen Nr.1“, opus 22,1 vertont)

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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