Archiv der Kategorie: Gedichte
Durch die schmutzige, brechende Schneekruste

Foto Brigitte Fuchs
Durch die schmutzige, brechende Schneekruste
patsche ich über die aufgeweichten Felder.
Um meine Schläfen
bläst frisch der Wind.
Durstig
sauge ich ihn auf.
Weiter!
Ehe nicht dort der letzte Orangestreifen erlischt,
ehe es nicht ganz dunkel ist,
gehe ich nicht nach Haus.
Rolf Wolfgang Martens (1868-1928) deutscher Lyriker um Arno Holz
Text aus dem Internet
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Ein stiller Regentag
Fotos Brigitte Fuchs
Es ist ein stiller Regentag,
So weich, so ernst, und doch so klar,
Wo durch den Dämmer brechen mag
Die Sonne weiss und sonderbar.
Ein wunderliches Zwielicht spielt
Beschaulich über Berg und Tal;
Natur, halb warm und halb verkühlt,
Sie lächelt noch und weint zumal.
(…)
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker
Die ersten beiden Strophen aus seinem Gedicht „Trübes Wetter“
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Vereinsamt
Foto Brigitte Fuchs
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
Weh dem, der keine Heimat hat!
Friedrich Nietzsche (1844-1900) deutscher Philosoph, Essayist,Lyriker und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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Winter

Foto Brigitte Fuchs
Ein Kratzen in Herz und Hals
Ans Küchenfenster
stellen wir Gläser mit Wortgrün –
Mild würzt es uns
die kraftlosen Tage
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Verhinderte drei Könige
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.
Da wir nun hier schöne Herrn und Frau’n.
Aber keine Ochsen und Esel schau’n,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und zieh’n unseres Weges weiter fort.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter
Die letzten zwei Strophen aus seinem Gedicht „Epiphanias“

Foto Brigitte Fuchs: Zürich „Weinstube zur grossen Reblaube“
Info dazu: 1778 wurde dieses Haus das Pfarrhaus von Johann Caspar Lavater, dem neuen Pfarrer der benachbarten Kirche St.-Peter. Johann Wolfgang von Goethe besuchte ihn zusammen mit seinem Arbeitgeber Herzog Karl August von Weimar 1779 und wohnte wohl im nachmaligen Goethe-Stübli. 1880 wurde aus dem Pfarrhaus ein Wirtshaus. 1919 kaufte es Hermann Kaiser, liess es renovieren und die berühmte Fassade gestalten.
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Überwintern
Fotos Brigitte Fuchs
Das Moos, es bleibt,
wenn all die Blumen schon gestorben,
tief unter Schnee noch unverdorben.
Wie ähnlich ist es mir!
Tief lag ich unter Gram.
Viel schwere Jahre lang,
und als mein Winter kam,
da stand ich unverwelkt
und fing erst an zu grünen.
Anna Louisa Karsch (1722-1791) deutsche Dichterin
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Zu Silvester
Foto Brigitte Fuchs
Ein neues Jahr tritt froh herein,
mit aller Welt in Frieden;
vergiss wieviel der Plag und Pein
das alte Jahr beschieden!
Du lebst: sei dankbar, froh und klug,
und wenn drei bösen Tagen
ein guter folgt, sei stark genug,
sie alle vier zu tragen.
Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894) deutscher Dichter, Arzt und Politiker
Text aus dem Internet
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Mondnacht
Foto Brigitte Fuchs: Schluchsee
Mondenschein hat sich ergossen
Über diese stille Welt.
Wär‘ mir heute zum Genossen
Doch ein lieber Freund gesellt!
Jenen Berg möcht‘ ich besteigen,
Wo sich Tann‘ an Tanne drängt,
Schauen, ob in ihren Zweigen
Mondlicht oder Silber hängt.
Ricarda Huch (1864-1947) deutsche Dichterin, Philosophin und Historikerin
Aus „Frühe Gedichte und Liebesreime“, im Bertelsmann Lesering,
Kleine Lesering-Bibliothek, Band 39
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Im Haus

Foto Brigitte Fuchs
Ach, das Köstlichste auf Erden
ist das stille Glück im Haus!
Mag es draussen Winter werden,
hier ist Lenz, jahrein, jahraus!
Paul Baehr (1855-1929) deutscher Schriftsteller und Kommunalpolitiker
Vierzeiler gefunden auf einem Abreisskalenderblatt
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Winter
Foto Brigitte Fuchs
Als meine Freunde,
Die Bäume, noch blühten,
Rosen und Feuer-
Lilien glühten,
Waren die Menschen
All mir bekannt,
War mir die Erde
Lieb und verwandt.
Jetzt, wo die Freunde,
Die Bäume, gestorben,
Jetzt, wo die Lieben,
Die Blumen, verdorben,
Stehen die Menschen
Kalt auf dem Schnee,
Und was sie treiben,
Macht mir nur weh.
Justinus Kerner (1786-1862) deutscher Arzt, Dichter und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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