Archiv der Kategorie: Gedichte
Letztes

Fotos Brigitte Fuchs
Aus dem Gedichtband
„Letztes“
In des Herzens Mitte
als einzige Bitte
verhallende Schritte
.
von der Katze ein Stück:
ihr Ohr löffelt Schall
ihr Fuss nimmt Lauf
ihr Blick
brennt dünn und dick
vor ihrem Antlitz kein Zurück
schön wie die Blume
doch voller Waffen
und hat im Grunde nichts mit uns zu schaffen
.
Paul Klee (1879-1940) deutscher Maler und Grafiker
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Sterne des Fatums

Foto Brigitte Fuchs
Deine Augen harren vor meinem Leben
Wie Nächte, die sich nach Tagen sehnen,
Und der schwüle Traum liegt auf ihnen,
Unergründet.
Seltsame Sterne starren zur Erde,
Eisenfarb’ne mit Sehnsuchtsschweifen,
Mit brennenden Armen, die Liebe suchen
Und in die Kühle der Lüfte greifen.
Sterne in denen das Schicksal mündet.
Else Lasker-Schüler (1896-1945) deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin jüdischer Herkunft.
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Ein roter Mond

Foto Brigitte Fuchs
Ein roter Mond ist nicht bewiesen
Die Erde rüttelt sich und schüttelt sich
und wirft die Zweifler hinter sich
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014
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Das Dorf im Schnee
Foto Brigitte Fuchs: Menzberg
Still, wie unterm warmen Dach,
Liegt das Dorf im weissen Schnee;
In den Erlen schläft der Bach,
Unterm Eis der blanke Schnee.
Weiden steh’n im weissen Haar,
Spiegeln sich in starrer Flut;
Alles ruhig, kalt und klar
Wie der Tod der ewig ruht.
Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr,
Blau zum blauen Himmel zieht
Sacht der Rauch vom Schnee empor.
Möchte schlafen wie der Baum,
Ohne Lust und ohne Schmerz;
Doch der Rauch zieht wie im Traum
Still nach Haus mein Herz.
Klaus Johann Groth (1819-1899), deutscher Schriftsteller
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Das böhmische Dorf

Fotos Brigitte Fuchs
Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes böhmisches Dorf.
Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.
Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.
Doch just dieses macht ihn blass vor Glück.
Tief entzückt kehrt unser Freund zurück.
Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter
Aus der Sammlung „Palmström“
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Mut

Fotos Brigitte Fuchs
Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl’ ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing’ ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren;
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!
Wilhelm Müller (1794-1827) deutscher Dichter und Liederautor
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Sinkender Himmel

Foto Brigitte Fuchs
Du Herz, das immer die Sterne begehrte,
Für jeden Wunsch verschenkt sich ein Traum.
Sieh, schon neigt sich der abendverklärte
Himmel zu dir, und du fasst es kaum.
Neigt sich und neigt sich. Und in sein Sinken
Hebt die Erde verschreckt ihr Gesicht,
Und wie mit purpurnen Lippen trinken
Die Höhen das letzte löschende Licht.
Alle Bäume schon müssen ihn fühlen,
Steil greift ihr Schmerz in den Abend empor,
Und mit den zitternden Armen wühlen
Sie sich in den samtenen Sternenflor.
Und tiefer rauschen die Wolkenfernen.
Schon streifen sie dich, wie ein Kuss, wie ein Kleid,
Und wiegen nun sanft mit den silbernen Sternen
Dein Herz in die nahe Unendlichkeit.
Stefan Zweig (1881-1942) österreichischer Schriftsteller und Lyriker
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Der Eiszapfen

Foto Brigitte Fuchs
Ich wachse lang und dünn, doch niemals aus der Erden:
Kann auch dergleichen Stamm bei uns gefunden werden?
Hab‘ keine Wurzel nicht, spross‘ aus des Himmels Feld,
Mich kennt ein jedes Kind und kauft mich ohne Geld.
Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) deutscher Dichter
P.S. Bei uns ist nun definitiv der Winter gekommen.
Hier ein Beweisfoto von heute Morgen um sieben:
Foto Brigitte Fuchs: Wintereinbruch, morgens um 7 Uhr – und es schneit noch weiter…
Und dann um neun:

Fotos Brigitte Fuchs
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Sternrisse

Foto Brigitte Fuchs
Tonlos diese Spur und monoton der
Morgen nichts Erkennbares weitab weht
Weinerlichkeit über die Milchstrasse
Alles altert unzeitgemäss nichts wärmt
nichts hält uns die Stange jede Gabe
ist mild und minderwertig zugleich
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, Zürich 2020

Foto Brigitte Fuchs
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Die Begeisterung
Foto Brigitte Fuchs
Wenn wir einander unentwegt Bewundrung zollen
Aus unsrer Herzen tiefster Glut und Gläubigkeit,
So werdet ihr, die Denker, Dichter, ihr, die Meister,
Die neue Formel finden für die neue Zeit.
Wir bringen, von der Welt und von uns selber trunken,
In das verlebte All ein neues Menschenherz.
Der Götter Bann und Gnade ist für uns versunken,
In uns nur lebt dir Kraft, denn in uns war der Schmerz.
(…)
Emile Verhaeren (1855-1916) belgischer Dichter, der in französischer Sprache schrieb
Erste zwei von sieben Strophen seines Gedichtes „Begeisterung“, übertragen von Stefan Zweig
in „Hymnen an das Leben“ Insel-Bücherei Nr. 5
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