Archiv der Kategorie: Gedichte
Hinweg mit dem frostigen Winter!
Foto Brigitte Fuchs
Es grünen die Bäume des Waldes,
Es kündigt der Frühling sich an,
Hinweg mit dem frostigen Winter,
Der Frühling ist ein sanfter Mann!
Die langen goldnen Strahlen,
Sie sind wie ein langes Haar!
Die Veilchen im tiefen Grase
Sind blau, wie ein Augenpaar!
Friederike Kempner (1836-1904) deutsche Dichterin des oft unfreiwilligen Humors
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Terzett zweiundzwanzig

Foto Brigitte Fuchs
eine Federzeichnung
heute die Birken am
Wegrand
Elsbeth Maag, *1944, Schweizer Lyrikerin
in dessegn cun la plema
oz la badugna
agl ur dil trutg
Valentin Vincenz (Übersetzung ins Rätoromanische – Sprachgebiet der Surselva)
Aus Elsbeth Maag „Terzette“; Valentin Vincenz, versiun romantscha; Sarganserländer Druck AG,
Mels 2020
Blogeintrag mit dem Einverständnis der Autorin

Foto Brigitte Fuchs
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Frühlingsahnung
Foto Brigitte Fuchs
Die Felder liegen weiss;
wohin ich schau‘
ins fahle Nebelgrau,
scheint Schnee und Eis.
Doch da – ein Sonnenstrahl
bricht durch den Flor
und zieht den Blick empor
mit einem Mal,
und von der Erden
ringt jung ein Duft
sich durch die Luft: –
will’s Frühling werden?
Richard Dehmel (1863-1920) deutscher Dichter, Dramatiker und Kinderbuchautor
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Der Baum
Foto Brigitte Fuchs
Ewig allein
Im Winterfrost wie im Sonnenschein,
Begrünten Stammes und fröstelnd-nackt,
von der Stille gekost, vom Wetter gepackt,
Ewig hält er das niedere Land
Mit der Grösse und Wucht seines Wesens gebannt.
(…)
Emile Verhaeren ( 1855-1916) belgischer Dichter, der in Französisch schrieb
Erste Strophe seines Langgedichtes „Der Baum“
Aus „Hymnen ans Leben“ Insel-Bücherei Leipzig, deutsche Nachdichtung von Stefan Zweig
Und dann noch dies:
Man kennt ja das Palindrom, bei dem ein Wort oder Satz von hinten oder von vorne gelesen werden kann, z.B. „Hanne sah Hasen nah.“
Aber es gibt auch das
Zahlindrom
wie z.B das Datum 02. 02. 2020.
So ein „Zahlindrom“ ist auch das heutige Datum. (Ein Freund hat mich darauf gebracht: danke!!!)
12. 02. 2021
auch
12.2.21
Voilà!
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Der Einsiedler

Foto Brigitte Fuchs
Er hatte seit Jahren nicht mehr gesät
Verstreut noch reifte ihm das Getreide
Zuletzt liess er den Hafer ungemäht
Sein Pferd verlor sich auf der Weide.
Er brach eine Zeit noch Beeren vom Ast
Als müsste er einen Hunger stillen,
Dann vergass er auch diese letzte Last
Um seiner tieferen Ruhe willen.
Er sass vor der Hütte bei Tag und Nacht
Die Hütte verfiel in Wind und Regen
Allmählich wuchsen die Gräser sacht
Seinen Füssen und Knien entgegen
Und wuchsen langsam durch seine Hand.
Er ward wie ein Sieb, ohne Aussen und Innen.
Gleichmässig und ganz ohne Widerstand
Konnten die Jahre durch ihn rinnen.
Maria Luise Weissmann (1899-1929) deutsche Dichterin, die leider viel zu früh starb.
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Ein losgerissener Baum

Fotos Brigitte Fuchs: Sturmholz
Weithin vom rasenden Sturm getragen
Aus trautem Waldgeheg
Liegt er verscheidend am Weg.
Durch den Wipfel, der einst so kühn
Gen Himmel getragen sein Grün,
Rauschen jetzt einsam Todesklagen.
Schmerzlich zucken die Blätter, durchzittert
Vom leisen Windeshauch,
Aus niedrem Strauch
Kriecht der Wurm
Preisend den Sturm,
Der dies stolze Leben zersplittert.
Wenn dein Mut von den Stürmen und Wettern
Des Schicksals besiegt
Sterbend erliegt,
Dann mehrt sich dein Leid
Durch Lieblosigkeit
Und Hohn, die dich gänzlich zerschmettern!
Eugenie Marlitt, geb. als Friederieke Henriette Christiane John (1825-1887) deutsche Schriftstellerin und Dichterin
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Abgeleitet

Foto Brigitte Fuchs
So sind der Freuden viel und manche auch der Tränen
entlassen aus nur halberkanntem Innern.
Sie ziehn dahin ins Blau gleich fremden Schwänen,
die ihres Ursprungs kennen kein Erinnern.
Ich starre ihnen nach – bis sie erbleichen
und Freuden Tränen, Tränen Freuden gleichen.
Rudolf G. Binding (1867-1938) deutscher Schriftsteller und Dichter
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An die Bäume im Winter
Foto Brigitte Fuchs
Gute Bäume, die Ihr die starren, entblätterten Arme
Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, Ihr müsst noch harren, Ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmige Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit grünendem Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harre geduldig, Herz, und birg in die Wurzel den Saft Dir!
Unvermuthet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.
Johann Gottfried von Herder (1744-1803) deutscher Dichter, Theologe und Philosoph
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Letztes

Fotos Brigitte Fuchs
Aus dem Gedichtband
„Letztes“
In des Herzens Mitte
als einzige Bitte
verhallende Schritte
.
von der Katze ein Stück:
ihr Ohr löffelt Schall
ihr Fuss nimmt Lauf
ihr Blick
brennt dünn und dick
vor ihrem Antlitz kein Zurück
schön wie die Blume
doch voller Waffen
und hat im Grunde nichts mit uns zu schaffen
.
Paul Klee (1879-1940) deutscher Maler und Grafiker
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Sterne des Fatums

Foto Brigitte Fuchs
Deine Augen harren vor meinem Leben
Wie Nächte, die sich nach Tagen sehnen,
Und der schwüle Traum liegt auf ihnen,
Unergründet.
Seltsame Sterne starren zur Erde,
Eisenfarb’ne mit Sehnsuchtsschweifen,
Mit brennenden Armen, die Liebe suchen
Und in die Kühle der Lüfte greifen.
Sterne in denen das Schicksal mündet.
Else Lasker-Schüler (1896-1945) deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin jüdischer Herkunft.
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