Archiv der Kategorie: Gedichte
Träumerei in Hellblau
Foto Brigitte Fuchs: Zugersee
Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.
Blaue Länder der Wolken,
Weisse Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.
(…)
Georg Heym (1887-1912) deutscher Schriftsteller und Lyriker
Erste beiden Strophen des Gedichtes „Träumerei in Hellblau“
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Fahrt

Foto Brigitte Fuchs
Plötzlich passt alles
die spaltbreit offene Scheibe
die blühenden Schilder am
Strassenrand das Grün das so
übermütig auf uns zufliegende Grün
der Fuss auf dem Gas eine Wippe
alles luftig alles schwebend die
Gläser deine Brillengläser
voller Sonne
Brigitte Fuchs
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Auf die Berge!


Auf die Berge möcht ich wieder,
Auf die sonnenfrohen Höhen,
Wo die schönen Lüfte wehen,
Aus der Stube, aus der Stadt!


Ha, die Brust, voll neuer Lieder,
Steig ich nieder in die Tale,
Sitze wonnig müd zum Mahle,
Das so viel der Freuden hat.


Schau dem Freund ins kühne Auge,
Lache mit dem blauen Himmel,
Mit dem ungetrübten Himmel,
Mit der ganzen heitern Welt.

Fühle wieder, was ich tauge,
So zur Freude so zum Streite,
Noch zuvor des Unmuts Beute,
Weiss ich heute mich ein Held.


War die Mühe doch vergebens
All der zähen Plagegeister!
Zeig ich ihnen jetzt den Meister
Wohl zum Spott und zum Verdruss!


Freue mich so recht des Lebens,
Allem Guten, Freien, Schönen
Will ich glühen, will ich fröhnen,
Mich erfüllt ein Genius.
Ludwig Eichrodt (1827-1892) deutscher Jurist und humoristischer Dichter
Aus „Leben und Liebe“, Frankfurt am Main 1856


Alle Fotos Brigitte Fuchs vom 4. September 2020:
Per Luftsilbahn ging es aufs 2970 m hohe Schilthorn in den Berner Alpen mit dem Drehrestaurant „Piz Gloria“, der Aussicht aufs UNESCO-Weltnaturerbe „Eiger, Mönch und Jungfrau“ und beworben mit 007 James Bond-Anspielungen zu den Dreharbeiten für den Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ im Jahre 1968.
Dazu gehören inzwischen auch der Skyline Walk und der Thrill Walk bei der Station Birg.
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Flügel
Foto Brigitte Fuchs
Will ich mein Mass, so nennt man mich vermessen,
Aus jedem Teller muss ich Bittres essen,
Und was mir nicht geschah, es ist geschehn.
Du lehrtest mich ein stilles Unterdessen:
Figuren in der Rankenwand der Kressen
Als Flügel durch das Abendgelb zu sehn.
Du lehrtest mich zu fragen auch vergessen:
Wohin die Flüge? Und die Flügel wessen?
Du machtest mich zum Kind, mir beizustehn.
Oskar Loerke (1884-1941) deutscher Dichter und Schriftsteller
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Wie so leis die Blätter wehn

Fotos Brigitte Fuchs: Tierpark Königsfelden / Header: Wildpark Roggenhausen
Wie so leis die Blätter wehn
In dem lieben, stillen Hain;
Sonne will schon schlafen gehn,
Lässt ihr goldnes Hemdelein
Sinken auf den grünen Rasen,
Wo die schlanken Hirsche grasen
In dem roten Abendschein.
(..)
Clemens Brentano (1778-1842) deutscher Schriftsteller
Anfangszeilen des gleichnamigen Gedichts

Fotos Brigitte Fuchs: Tierpark Königsfelden
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An vollen Büschelzweigen

Fotos Brigitte Fuchs
An vollen Büschelzweigen,
Geliebte, sieh nur hin!
Lass dir die Früchte zeigen,
Umschalet stachlig grün.
Sie hängen längst geballet,
Still, unbekannt mit sich;
Ein Ast, der schaukelnd wallet,
Wiegt sie geduldiglich.
Doch immer reift von innen
Und schwillt der braune Kern,
Er möchte Luft gewinnen
Und säh‘ die Sonne gern.
Die Schale platzt, und nieder
Macht er sich freudig los;
So fallen meine Lieder
Gehäuft in deinen Schoss.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter
Aus „West-östlicher Divan“
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Ich bin ein Schimmer
Ich bin ein Schimmer im Schatten.
Kein Sternenlicht schwimmt in der Luft.
Ich schwebe durch blühende Matten
Und fühle sie nur am Duft.
Ich hör‘ meinen Fuss nicht gehen,
Irr‘ ohne Gewicht durch die Flur:
Ich komme vom Auferstehen
Und geiste auf alter Spur.
Alle Fotos Brigitte Fuchs
Ich möcht‘ wieder Blumen harken
Und Hoffnungen weben zum Band,
Euch haschen, ihr frohen, ihr starken
Glücksstunden im Sonnenland!
Jakob Bosshart (1862-1924) Schweizer Lehrer, Philologe und Schriftsteller
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Wald im Sommer
Der Sommer, der Sommer,
Das ist die schönste Zeit:
Wir ziehen in die Wälder
Und durch die Au’n und Felder
Voll Lust und Fröhlichkeit.
Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.

Alle Fotos Brigitte Fuchs: Waldgebiet bei den Fünfweihern in Lenzburg (aktuell vom 20. 8. 2020)
Der Sommer, der Sommer,
Der heisst uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.
August Heinrich Hoffmann, auch Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) deutscher Dichter, Lehrer und Publizist
Gedicht mit dem Titel „Der Sommer“
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Würd‘ es mir fehlen, würd‘ ich’s vermissen?

Foto Brigitte Fuchs
Heut’ früh, nach gut durchschlafener Nacht,
Bin ich wieder aufgewacht.
Ich setzte mich an den Frühstückstisch,
Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch,
Ich habe die Morgenzeitung gelesen
(Es sind wieder Avancements gewesen).
Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter,
Es trabte wieder, es klingelte munter,
Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle,
Kleine Mädchen gingen nach der Schule —
Alles war freundlich, alles war nett,
Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’
Und tät’ von alledem nichts wissen,
Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?
Theodor Fontane (1819-1898) deutscher Schriftsteller
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Die alte Laube

Foto Brigitte Fuchs
Ich habe so viel vergessen.
Ich weiss nicht mehr
Woher ich komme.
Ich sass in einer Laube
Von grossen grünen Smaragden;
Sie schimmerten wie Glühwurmlicht.
Mehr aber weiss ich nicht.
Es war ganz hinten im Raume
Und fast wie in dem Traume,
Der uns der allerliebste ist.
Paul Scheerbart (1863-1915) deutscher Schriftsteller und Zeichner
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