Monatsarchive: Oktober 2019
An-rankt

Foto Brigitte Fuchs: wilder Wein
An-rankt sich die Rebe mit tausend Ranken,
Hin-säuselt ein lauer, ein lieblicher West
Und da blühen und wanken und schwanken die schlanken!
An-rankt sich die Rebe mit tausend Ranken!
So spielen und schwanken auch meine Gedanken
Und halten doch immer an dir nur fest.
An-rankt sich die Rebe mit tausend Ranken,
Hin-säuselt ein lauer, ein lieblicher West!
Karl Friedrich Schimper (1803-1867) deutscher Naturwissenschaftler, Botaniker, Geologe und Privatgelehrter
Nr. 50 seiner Liebes-Triolette in „Gedichte Von Karl Schimper“, Verlag von Ferdinand Enke, Erlangen 1840
P.S. Ein Triolett ist dem Ursprung nach eine französische Versform. Das Gedicht besteht aus acht Versen, wobei der erste Vers identisch oder leicht abgeändert als vierte und siebente Zeile wiederkehrt, der zweite Vers wiederholt sich dann in der achten Schlusszeile.
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Das gelobte Land

Foto Brigitte Fuchs: Barmelweid
Das gelobte Land liegt immer jenseits der Berge.
Washington Irwing (1783-1859) US-amerikanischer Autor
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Daraus wird kein hübscher Schmetterling…

Foto Brigitte Fuchs: Raupe des Nachtfalters Buchen-Streckfuss oder auch Rotschwanz
Was willst du mal werden, wurde die leuchtgelbe Raupe gefragt.
Ich weiss nicht, gab sie zur Antwort, vielleicht ein Zitronenfalter.
Und wärst du auch zufrieden als Nachtfalter, fragte man weiter.
Mal sehen, sagte sie, mal sehen.
Brigitte Fuchs
P.S. Abgebildet ist die Raupe, die nach dem Verpuppen zu einem unauffälligen, graubraunen Nachtfalter mit dem Namen Buchen-Streckfuss oder -Rotschwanz wird.
Die knallgelben Warnfarben, die stacheligen Haarbüschel und der rote Pinsel bei dieser Raupe täuschen für die Fressfeinde Gefahr vor.
Und die Faustregel „Hässliche Raupe – schöner Schmetterling“ wird hier auch widerlegt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Buchen-Streckfu%C3%9F
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Das kleine Lied
Foto Brigitte Fuchs, mit Einwilligung des Strassenmusikers
Ein kleines heiteres Lied bin ich.
Ich zieh‘ durch die Lüfte und träume.
Komm, mein Poet, und finde mich
Und bringe mich in Reime.
Dann nimm mich, lieber Musikant,
Und, dass deine Kunst mich verschöne,
Web‘ mir ein freundlich schlicht‘ Gewand
Und kleide mich in Töne.
Und nun, du sangesfrohe Brust,
Nun lass mich lieblich erklingen,
Und singe mich herzlich, denn du musst
Mich in die Herzen singen.
Albert Roderich (1846-1938) deutscher Dichter, Aphoristiker und Humorist
Text aus dem Internet
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Wäsche

Foto Brigitte Fuchs: Wäsche aus alter Zeit, gesehen beim Freiluftmuseum Ballenberg
Wäsche ist von des Menschen Umäusserung
Das Innerste, also das Feinste,
Und sollte immer das Reinste
Sein, wie im Menschen selber die Seele.
Was immer ihr fehle,
Die Sauberkeit fehle ihr nie.
Und schön und schöner, wenn ausserdem sie
Noch Wohlgeschmack, einen freien Geist
Und das Verständnis für neueste Zeit
Und für die Gesetze der Ewigkeit
Beweist. –
Wie doch die innersten Blättchen der Blüten
Die innigsten sind. –
Wäsche sollst du wie dein Gewissen
Und wie dein Kind
Peinlich pflegen und zärtlich behüten.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Aus „Allerdings“, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1928/1935
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Nebelgrauer Tag

Foto Brigitte Fuchs
Nebelgrauer Tag
Blutrot leuchten vom Vordach
die wilden Reben
Brigitte Fuchs
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Freundschaft
Foto Brigitte Fuchs
Wähle deine Freunde nach ihrer seelischen Qualität aus,
auch wenn sie deine eigenen Hoffnungen und dein Bestreben nicht teilen.
Bleibe nicht allein. Du brauchst eine grössere, menschliche Familie,
um dein Herz öffnen und dich befreien zu können. Betrachte sie als Brüder
und Schwestern, mit denen du ein Geheimnis teilst.
Aus Tibet
Gelesen bei Aphorismen.de
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O es sind goldne unvergessliche Tage
O es sind goldne unvergessliche Tage, voll von den Freuden der Liebe und süsser Beschäftigung.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Aus dem Hyperion an Bellarmin

Fotos Brigitte Fuchs
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Die gute alte Postkarte
Foto Brigitte Fuchs
150 Jahre ist sie alt, die Postkarte, und war damals so eine Art SMS, eine Überbringerin persönlicher, schneller und erschwinglicher Kurzbotschaften.
Wer mehr dazu wissen möchte, lese den folgenden Artikel:
https://www.aargauerzeitung.ch/kultur/150-jahre-postkarte-und-der-schweizer-trick-der-sie-bunt-machte-135732555


Fotos Brigitte Fuchs
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Ich kannte einen Hund…

Foto Brigitte Fuchs
Ich kannte einen Hund, der war so gross wie ein Mann, so arglos wie ein Kind und so weise wie ein Greis. Er schien so viel Zeit zu haben, wie in ein Menschenleben nicht geht. Wenn er sich sonnte und einen dabei ansah, war es, als wollte er sagen: Was eilt ihr so? Und er hätte es gewiss gesagt, wenn man nur gewartet hätte.
Karl Kraus (1874-1936) österreichischer Schriftsteller, Publizist und Satiriker
Aus „Nachts“ Aphorismen, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1968
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