Monatsarchive: Dezember 2020
Zu Silvester
Foto Brigitte Fuchs
Ein neues Jahr tritt froh herein,
mit aller Welt in Frieden;
vergiss wieviel der Plag und Pein
das alte Jahr beschieden!
Du lebst: sei dankbar, froh und klug,
und wenn drei bösen Tagen
ein guter folgt, sei stark genug,
sie alle vier zu tragen.
Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894) deutscher Dichter, Arzt und Politiker
Text aus dem Internet
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Mondnacht
Foto Brigitte Fuchs: Schluchsee
Mondenschein hat sich ergossen
Über diese stille Welt.
Wär‘ mir heute zum Genossen
Doch ein lieber Freund gesellt!
Jenen Berg möcht‘ ich besteigen,
Wo sich Tann‘ an Tanne drängt,
Schauen, ob in ihren Zweigen
Mondlicht oder Silber hängt.
Ricarda Huch (1864-1947) deutsche Dichterin, Philosophin und Historikerin
Aus „Frühe Gedichte und Liebesreime“, im Bertelsmann Lesering,
Kleine Lesering-Bibliothek, Band 39
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Im Haus

Foto Brigitte Fuchs
Ach, das Köstlichste auf Erden
ist das stille Glück im Haus!
Mag es draussen Winter werden,
hier ist Lenz, jahrein, jahraus!
Paul Baehr (1855-1929) deutscher Schriftsteller und Kommunalpolitiker
Vierzeiler gefunden auf einem Abreisskalenderblatt
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Winter
Foto Brigitte Fuchs
Als meine Freunde,
Die Bäume, noch blühten,
Rosen und Feuer-
Lilien glühten,
Waren die Menschen
All mir bekannt,
War mir die Erde
Lieb und verwandt.
Jetzt, wo die Freunde,
Die Bäume, gestorben,
Jetzt, wo die Lieben,
Die Blumen, verdorben,
Stehen die Menschen
Kalt auf dem Schnee,
Und was sie treiben,
Macht mir nur weh.
Justinus Kerner (1786-1862) deutscher Arzt, Dichter und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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Stille

Foto Brigitte Fuchs: Scheltenpass
Schneeluft und Stille –
Der Blick über die Hänge
ein Wintergeschenk
Brigitte Fuchs
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Schnee und Stern

Fotos Brigitte Fuchs
Es wird Zeit für die leiseren
Töne für den Schnee
und die Christrose
Es wird Zeit für die
Geduld der Engel
Und es wird Zeit für ein
neues Licht eines
das aufflammt
als Stern
Brigitte Fuchs
Gedicht aus dem Jahr 2008 (für Procap)
Es wurde übrigens auch (nach Absprache mit mir) verwendet für das Dezember-Kalenderblatt der „Literarischen Bühne Rheine e.V.“
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Frohe Weihnachten

Foto Brigitte Fuchs
Zwischen meinen Wänden
Ich danke dir: Ich bin ein Kind geblieben,
Ward äusserlich auch meine Schwarte rauh.
Zu viele Sachen weiss ich zu genau
Und lernte mehr und mehr die Wände lieben.
Doch zwischen Wänden, wenn die Fantasie
Ein kleines Glück so glücklich zu erfassen
Imstande ist, dass wir uns sagen: Nie
Uns selber lieben! Nie das andre hassen!
Nur einsam sein! – –
Spricht oft mein Innerstes zu solcher Weisheit: Nein!
Denn all mein Sinnen lauscht, ob fremde Hände
Jetzt etwa klopfen werden an mein einsam Wände,
Und wenn’s geschähe, rief es laut: Herein!!!
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
In „Gedichte, Gedichte“
Aus „…und auf einmal steht es neben dir“ Büchergilde Gutenberg 1966
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In der Christnacht

Foto Brigitte Fuchs
O Winterwaldnacht, stumm und hehr
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer –
wie ist das gross, dein stolzes Schweigen!
Es blinkt der Vollmond klar und kalt;
in tausend funkelharten Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Bann erretten.
Der Vogel fällt, das Wild bricht ein,
der Quell erstarrt, die Fichten beben,
so ringt den grossen Kampf ums Sein
ein tausendfaches, banges Leben.
Doch in den Dörfern traut und sacht,
da läuten heut zur Welt hienieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
ihr Wunderlied – vom ew’gen Frieden.
Karl Stieler (1842-1885) deutscher Jurist und Schriftsteller
P.S.
Ermutignde und friedvolle Weihnachten wünsche ich Ihnen/euch allen in dieser nicht einfachen Zeit!
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Unvollkommenheit

Foto Brigitte Fuchs
Nichts ist vollkommen hier auf dieser Welt.
Der Rose ist der Stachel beigesellt;
Ich glaube gar, die lieben holden Engel
Im Himmel droben sind nicht ohne Mängel.
Heinrich Heine (1797-1856) deutscher Schriftsteller und Dichter
Aus „Romanzero“, erste von sieben Strophen seines Gedichtes „Unvollkommenheit“.
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Keins wie dein feines ohr

Foto Brigitte Fuchs
Keins wie dein feines ohr
Merkt was tief innen singt ·
Was noch so schüchtern schwingt ·
Was halb sich schon verlor.
Keins wie dein festes wort
Sucht so bestimmt den trost
In dem was wir erlost ·
Des wahren friedens hort.
Keins wie dein fromm gemüt
Bespricht so leicht den gram ..
Der eines abends nahm
Was uns im tag geglüht.
Stefan George (1868-1933) deutscher Dichter
Aus „Achtzig Gedichte“ Ernst Klett Verlage GmbH & Co. Stuttgart 1984
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