Monatsarchive: Januar 2021

Letztes

Fotos Brigitte Fuchs

 

Aus dem Gedichtband
„Letztes“

In des Herzens Mitte
als einzige Bitte
verhallende Schritte
.
von der Katze ein Stück:
ihr Ohr löffelt Schall
ihr Fuss nimmt Lauf
ihr Blick
brennt dünn und dick
vor ihrem Antlitz kein Zurück
schön wie die Blume
doch voller Waffen
und hat im Grunde nichts mit uns zu schaffen
.

 

Paul Klee (1879-1940) deutscher Maler und Grafiker

 

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Draussen

Foto Brigitte Fuchs

 

(…)

 

Donner alle! Was ist das,
Das vom Fenster regnet?
Garstge Hexe, kotignass,
Hast mich eingesegnet.
Regen, Hunger, Frost und Wind
Leid ich für das Teufelskind,
Werde noch gehudelt!
Wetter auch! Ich packe mich!
Böser Dämon, tummle dich,
Habe satt gedudelt!
Draussen, draussen Saus und Braus!
Fahre wohl – Ich geh nach Haus.

 

Friedrich Schiller (1759-1805) deutscher Dichter
Letzte Strophe seines Gedichtes „Baurenständchen“

 

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Anagramm-Zweizeiler 324

Fotos Brigitte Fuchs: Das Gelände vor dem KKLB (Kunst und Kultur im Landessender Beromünster)

 

 

DIE KUNST BEWACHEN

BEKUNDET WACHSEIN.

 

 

Brigitte Fuchs

 

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Werd‘ ich…

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Werd‘ ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!

 

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter.
Zitat aus Faust, Teil I

 

 

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Sterne des Fatums

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Deine Augen harren vor meinem Leben
Wie Nächte, die sich nach Tagen sehnen,
Und der schwüle Traum liegt auf ihnen,
Unergründet.

Seltsame Sterne starren zur Erde,
Eisenfarb’ne mit Sehnsuchtsschweifen,
Mit brennenden Armen, die Liebe suchen
Und in die Kühle der Lüfte greifen.

Sterne in denen das Schicksal mündet.

 

 

Else Lasker-Schüler (1896-1945) deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin jüdischer Herkunft.

 

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Ein roter Mond

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Ein roter Mond ist nicht bewiesen

Die Erde rüttelt sich und schüttelt sich

und wirft die Zweifler hinter sich

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

 

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Genügsamkeit

Foto Brigitte Fuchs

 

 

„Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äusseren Quellen
des Glückes und Genusses sind, ihrer Natur nach, höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.“

 

 

Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph

 

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Das Dorf im Schnee

Foto Brigitte Fuchs: Menzberg

 

Still, wie unterm warmen Dach,
Liegt das Dorf im weissen Schnee;
In den Erlen schläft der Bach,
Unterm Eis der blanke Schnee.

Weiden steh’n im weissen Haar,
Spiegeln sich in starrer Flut;
Alles ruhig, kalt und klar
Wie der Tod der ewig ruht.

Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr,
Blau zum blauen Himmel zieht
Sacht der Rauch vom Schnee empor.

Möchte schlafen wie der Baum,
Ohne Lust und ohne Schmerz;
Doch der Rauch zieht wie im Traum
Still nach Haus mein Herz.

 

Klaus Johann Groth (1819-1899), deutscher Schriftsteller

 

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Grüezi!

Collage Brigitte Fuchs

 

 

Wie es geht

 

Sie war eine ganz kleine Schauspielerin des Sommertheaters, hatte Himmels-Augen und hungerte.
»Ich möchte Ihnen einmal Jeane Eyre vorspielen« sagte sie zu einem jungen Schriftsteller.
»Kommen Sie zu mir« sagte er.
»Oh«, sagte sie, »erlauben Sie es mir?!«
Sie spielte es ihm vor.
Er lobte sie, brachte sie in eine glückliche Stimmung.
Dann küsste er sie, drückte sie an sich – – –.
»Gott beschütze mich« sagte sie und überliess sich dem Schicksale.
Sie behielt ihre Himmels-Augen, hungerte und deklamirte Jeane Eyre, ihre Glanzrolle – – –.

 

Peter Altenberg (1859-1919) österreichischer Schriftsteller

 

P.S. Jane Eyre (wie es im Original heisst) ist eine Autobiografie, die im Jahr 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell erschien. Sie ist der erste veröffentlichte Roman der britischen Autorin Charlotte Brontë und wurde zum Klassiker des 19. Jahrhunderts.

 

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Schicksal

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Die Amsel dort beim Vogelhaus

sieht irgendwie verloren aus,

doch lehrt sie, da sie sitzt und pickt,

wie man sich in sein Schicksal schickt.

 

 

Brigitte Fuchs

 

 

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