Monatsarchive: Februar 2021
Vom Moos
Fotos Brigitte Fuchs
Viel Grün ist nicht im Februar.
(Die Farben machen sich noch rar.)
Doch dort, wo Moos auf Mauern glänzt
und regennass den Steinkopf kränzt,
keimt Hoffnung auf so satt und weich
wie eines Lausbubs erster Streich,
wie frisches, mädchenhaftes Lachen
und viele andre hübsche Sachen.
Brigitte Fuchs
Saharastaub

Fotos Brigitte Fuchs: gestern auf dem Homberg
Noch fehlt ein frühlingsfrischer Duft.
Saharastaub liegt in der Luft.
Der Dunst zieht rostgelb übers Land
und trübt die Sicht. Man hebt die Hand,
um dieses Trugbild zu entfernen.
Doch muss man wohl und übel lernen:
Man sieht nicht immer zu den Sternen,
denn Wind und Wetter haben Launen
und lassen uns zuweilen staunen.
Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs: gestern am Hallwilersee
Mosaik
Foto Brigitte Fuchs:
Ausschnitt aus einem grossen Wand-Mosaik an der Fassade des Gasthofs Hippotel in Hämikon-Berg bei Hildisrieden (Luzern), geschaffen 1971 von Giovanni Hajnal, eigentlich János Hajnal (1913-2010) ungarisch-italienischer Maler und Graphiker.
Welches kleine Teilchen der unendlichen und unermesslichen Zeit ist jedem von uns zugemessen! Und wie schnell wird es wieder von der Ewigkeit verschlungen!
Marc Aurel (121-180 n. Chr.) römischer Kaiser und Philosoph

Foto Brigitte Fuchs: Ein weiteres Detail aus dem Mosaik von Giovanni Hajnal.
Dunkel war’s, der Mond schien helle

Foto Brigitte Fuchs
Vom Nonsens-Gedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle“, das von einem unbekannten Verfasser vermutlich im 19. Jahrhundert geschrieben wurde, gibt es unzählige Varianten. Die folgende soll aus dem Jahre 1902 stammen:
Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Eis lag auf der grünen Flur,
Als ein Wagen mit Blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Darin sass ein blonder Jüngling,
Dessen rabenschwarzes Haar
Von der Fülle seiner Jahre
Schon ganz weiss geworden war.
Von Unbekannt

Foto Brigitte Fuchs
Ein losgerissener Baum

Fotos Brigitte Fuchs: Sturmholz
Weithin vom rasenden Sturm getragen
Aus trautem Waldgeheg
Liegt er verscheidend am Weg.
Durch den Wipfel, der einst so kühn
Gen Himmel getragen sein Grün,
Rauschen jetzt einsam Todesklagen.
Schmerzlich zucken die Blätter, durchzittert
Vom leisen Windeshauch,
Aus niedrem Strauch
Kriecht der Wurm
Preisend den Sturm,
Der dies stolze Leben zersplittert.
Wenn dein Mut von den Stürmen und Wettern
Des Schicksals besiegt
Sterbend erliegt,
Dann mehrt sich dein Leid
Durch Lieblosigkeit
Und Hohn, die dich gänzlich zerschmettern!
Eugenie Marlitt, geb. als Friederieke Henriette Christiane John (1825-1887) deutsche Schriftstellerin und Dichterin
Abgeleitet

Foto Brigitte Fuchs
So sind der Freuden viel und manche auch der Tränen
entlassen aus nur halberkanntem Innern.
Sie ziehn dahin ins Blau gleich fremden Schwänen,
die ihres Ursprungs kennen kein Erinnern.
Ich starre ihnen nach – bis sie erbleichen
und Freuden Tränen, Tränen Freuden gleichen.
Rudolf G. Binding (1867-1938) deutscher Schriftsteller und Dichter
An die Bäume im Winter
Foto Brigitte Fuchs
Gute Bäume, die Ihr die starren, entblätterten Arme
Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, Ihr müsst noch harren, Ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmige Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit grünendem Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harre geduldig, Herz, und birg in die Wurzel den Saft Dir!
Unvermuthet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.
Johann Gottfried von Herder (1744-1803) deutscher Dichter, Theologe und Philosoph
Limerick 109

Foto Brigitte Fuchs
Es sassen am Ufer drei Schwestern.
Sie sprachen vom Sonnabend gestern.
Es war so ein Mist,
der Abend so trist,
nix Party und Jungs – nur ein Western.
Brigitte Fuchs


