Monatsarchive: Februar 2026
Den Februar beschliessen
Foto Brigitte Fuchs
Den Februar beschliessen,
den Sonnenschein geniessen,
in Wonne fast zerfliessen,
die Gräser sehn beim Spriessen
und wie ins Kraut sie schiessen,
die frühen Blüten giessen –
die Gräser sehn beim Spriessen
und wie ins Kraut sie schiessen,
in Wonne fast zerfliessen,
den Sonnenschein geniessen,
den Februar beschliessen.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
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Vogelsang
-

Foto Brigitte Fuchs
Es klang ein Lied vom Himmelszelt
Hell über allen Landen,
Doch hat es in der weiten Welt
Wohl niemand recht verstanden.Nur durch der Vöglein lauschend Ohr
Ist tiefer es gedrungen
Und wird seitdem als Frühlingschor
In Feld und Wald gesungen.Doch wo man einen Menschen sieht
Durch Busch und Auen gehen,
So kann er leider dieses Lied
Noch immer nicht verstehen.
-
Karl May (1842-1912) deutscher Schriftsteller
Aus dem Gedichtband „Himmelsgedanken“ Karl-May-Verlag, Radebeul bei Dresden, ohne Jahrgang


Fotos Brigitte Fuchs
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Februarmorgen

Foto Brigitte Fuchs
Februarmorgen
Hellwach beginnt diesen Tag
der Eichelhäher
Brigitte Fuchs
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Das schlimmste Tier
Fotos Brigitte Fuchs
Wie heisst das schlimmste Tier mit Namen?
So fragt‘ ein König einen weisen Mann.
Der Weise sprach: von wilden heissts Tyrann,
Und Schmeichler von den zahmen.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) deutscher Dichter, Dramatiker und Kritiker
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Atlantis
Fotos Brigitte Fuchs
Stets beginnen die Täuschungen neu
begierig auf die vertäute Welt
Wir heben Wortsteine auf werfen Blicke
von hier nach da
Unsere Wünsche füllen wir in Flaschen
und überlassen sie dem ortlosen Blau
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014
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An meinen Kaktus
Foto Brigitte Fuchs
Du alter Stachelkaks,
Du bist kein Bohnerwachs,
Kein Gewächs, das die Liebe sich pflückt,
Sondern du bist nur ein bisschen verrückt.
Ich weiss, dass du wenig trinkst.
Du hast auch keinerlei Duft.
Aber, ohne dass du selber stinkst,
Saugst du Stubenmief ein wie Tropenluft.
Du springst niemals Menschen an oder Vieh.
Wer aber mit Absicht oder versehentlich
Sich einmal auf dich
Setzte, vergisst dich nie.
Ein betrunkener, lachender Mann
Schenkte dich mir, du lustiges Kleines,
Dass ich den Vater ersetze dir kantigem Ableger
Eines verrückten, stets starren Stachelschweines.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Erzähler, Maler und Seefahrer

Foto Brigitte Fuchs
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Winter
Foto Brigitte Fuchs
Verschlossen und dunkel ist um und um
Mein winterlich Herze zu schauen,
Doch innen, da ist es erleuchtet und hell,
Da dehnen sich grünende Auen.
Da stell ich den Frühling im kleinen auf
Mit Rosengärten und Bronnen,
Da spann ich ein liebliches Himmelblau aus
Mit Regenbogen und Sonnen!
(…)
Dann ändr‘ ich die Szene und lasse mit Macht
Den blitzenden Sommer erglühen,
Ich lasse die Schnitter auf Garben ruhn
Und blutrote Mohnfelder blühen.
Und dann durchschneid ich mit Wetterschein
Mein Herz und füll es mit Stürmen,
Lass Schiffe und Mannschaft zu Grunde gehn,
Dann »Feuer« von Bergen und Türmen!
(…)
Ich schüttle die Tannen wie Besenreis
Und fege das Laub von den Wäldern,
Ich lösche am Himmel die Sterne aus
Und senge das Gras auf den Feldern.
(…)
So spiel ich den langen Winter hindurch;
Doch wenn die Maiblumen sprossen,
Zerbrech ich das gläserne Puppenspiel
Und mache den Dichter im grossen!
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Dichter, Schriftsteller und Politiker
Ein paar Strophen aus dem Langgedicht „Winter“
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Kälte
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Solange die Sonne scheint und der Regen regnet, die Kälte beisst, ist’s mir gleichgültig, wie unverschämt und frech das Menschenvolk ist. Ich bin es auch und lasse mich ruhig bescheinen oder nassregnen.
Wilhelm Raabe 1831-1910), Pseudonym Jakob Corvinus, deutscher Schriftsteller
Aus „Auf dunklem Grunde. Eine Skizze“
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Der Bäume Wintertraum
Foto Brigitte Fuchs
Frieren und zittern die Bäume
Starrend im Winterrock,
Webt ihre Seele Träume
Unten im Wurzelstock.
Spinnt und webt in der langen
Dämmernden Winterzeit
sich aus Farben und Prangen
Bräutlich ein Frühlingskleid.
(…)
Jakob Bosshart (1862-1924) Schweizer Schriftsteller und Philologe
Die ersten beiden von vier Strophen des gleichnamigen Gedichtes
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Ich sehe
Foto Brigitte Fuchs
Ich höre wasser rinnen,
ich sehe fische darinnen,
ich schau
was in der welt,
in gras und schilf und feld
läuft, hüpft und
in die höhe fliegt,
und auch
das knie zur erde biegt.
ich sehe!
ich sehe und
ich flehe, dass
doch eines davon ist
ohne hass.
Walther von der Vogelweide (um 1170 – ca. 1230) Minnesänger
In einer freien Übertragung von K. Bernhard
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