Die Katzen

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fliessen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füsse breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

Im Abend sind sie gross und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weissen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.

 

Marie-Luise Weissmann (1899-1929) deutsche Lyrikerin und Schriftstellerin

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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18 Antworten auf Die Katzen

  1. merlin sagt:

    eine beeindruckende beschreibung des katzenwesens.
    am schluss des gedichtes zeigen diese tiere wohl das befinden der dichterin an, die mir bis jetzt unbekannt war. eindrücklich!
    einen herzlichen morgengruss zu dir 🙂

  2. quersatzein sagt:

    Das finde ich auch, Merlin.
    Sie charakterisiert die Katzen erstaunlich präzise, mitsamt der Seelennöte in manchen Situationen. Da fühlen wir uns auch irgendwie mitgemeint. :–)
    Deinen herzlichen Morgengruss erwidere ich froh.

  3. C Stern sagt:

    Ohja, ihr Dahinschreiten ist lautlos und sie machen eine gute Figur darin, sehr elegant. Doch wehe, wenn sie ein Opfer entdeckt haben, dann starten sie blitzartig in den Angriffsmodus – und legen sich auch schon mal mit einem größeren Gegner an.
    Ihre Augen haben etwas Magisches. Auch Großkatzen finde ich sehr faszinierend. Einst saß ein kleiner Löwe auf meinem Schoß und heute noch lächle ich, wenn ich dieses Bild sehe.
    Herzliche Grüße, C Stern

  4. Edith Hornauer sagt:

    Katzen beherrschen den Menschen, sie wissen genau, wo sie bei einem den Knopf drücken müssen, ja, sie gewinnen immer, lach.
    Und dann dieses Anschmiegen, das weiche Fell durchstreicheln – auch das kann einen Menschen erden.
    Dir einen guten Tag, liebe Brigitte,
    herzlich, Edith

  5. quersatzein sagt:

    Stimmt schon, Edith. Sie sind äusserst selbstsicher und eigensinnig. 🙂
    Und dann wieder so anschmiegsam.
    Vielleicht lieben wir sie deshalb so sehr …
    Hab auch einen guten Tag und sei froh gegrüsst!

  6. Hausfrau Hanna sagt:

    Eindrücklich,
    liebe Frau Quersatzein,
    was für Worte die (auch mir bis jetzt unbekannte) Lyrikerin gefunden hat für das Wesen der Katze. Besonders gefallen mir die blumenhaften Pfoten 🙂
    Ja, Katzen sind und haben eigene Wesen: Ihre beiden prächtigen Bilder treffen es auf den Punkt!
    Liebe Grüsse in den Mittwoch
    Hausfrau Hanna

  7. PepeB sagt:

    Wie Hausfrau Hanna entzückt auch mich die Beschreibung „blumenhafte Pfoten“. So habe ich sie noch nie betrachtet.
    Und Dir ist ein besonderes Katzenzauberwesen über den Weg gelaufen.
    Miau, grüßt heute mal,
    Petra

  8. quersatzein sagt:

    Genau, das ist ein herrliches und einprägsames Bild.
    Und das Katzenzauberwesen, das mir da begegnete, erfreute mich auch sehr. :–)
    Ein herzliches Miau zu dir zurück, liebe Petra.

  9. Finbar sagt:

    Feines Katzenpoem 🤗
    Dankeschön für deine Präsentation!
    Herzliche Abendgrüße vom Finbar

  10. Sonja sagt:

    Einen kleinen Löwen so nah zu haben wie Frau Stern, das gefiele mir auch!
    Derzeit haben wir eine schwarze Gastkatze hier, die sich fast den ganzen Tag versteckt, doch wenn der Enkel da ist, hat er sie auf dem Arm.
    Das Gedicht ist schön und katzenaffin!
    Gruß von Sonja

  11. quersatzein sagt:

    Wie schön. Euer Enkel muss ein Katzenflüsterer sein. :–)
    Merci, Sonja, und liebe Gutenachtgrüsse.

  12. Rosi sagt:

    Katzenwesen ist unergründlich 😉
    da hast du ein schönes Exemplar vor die Linse bekommen
    liebe Grüße
    Rosi

  13. quersatzein sagt:

    So ist es, liebe Rosi.
    Sei lieb gegrüsst!

  14. mano sagt:

    wunderbar beschrieben – so kenne ich katzen auch, derer wir früher so einige in unserem zu hause hatten. heute höre ich sie tatsächlich nachts in den kleingärten sehnsuchtskrank weinen und sehe sie dann schon mal über die straße schleichen um einer liebsten nahe zu sein.
    herzliche morgengrüße von mano

  15. quersatzein sagt:

    Ja, wir hatten früher ebenfalls eine Katze und das Poem passt auch wunderbar zu ihr.
    Dir einen schönen Tag, Mano, und herzlichen Gruss.

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