Archiv der Kategorie: Gedichte
Brandneue Gedichtesammlung „Jede Jahreszeit ist schön“

Foto Brigitte Fuchs
Bei Reclam sind diesen März die schönsten Gedichte für das ganze Jahr in einer illustrierten und gebundenen Geschenkbuchausgabe erschienen. Herausgeber ist der Jurist, Schriftsteller und Verleger Anton G. Leitner. Gerne mache ich hier – auch in eigener Sache – auf den Band „Jede Jahreszeit ist schön“ aufmerksam. Über 100 Gedichte von Klassikern sowie von zeitgenössischen Lyrikerinnen und Lyrikern sind darin vertreten. Die Gedichte, so heisst es auf dem Umschlag, „entfalten den Zauber der vier Jahreszeiten und laden zum Träumen ein.“ (Von mir wurde das Gedicht „Schneewolken“ für die Rubrik Winter übernommen.)
Eines der in der Sammlung enthaltenen Frühlingsgedichte ist das folgende von Max Dauthendey:
Die Amseln haben Sonne getrunken,
Aus allen Gärten strahlen die Lieder,
In allen Herzen nisten die Amseln,
Und alle Herzen werden zu Gärten
Und blühen wieder.
Nun wachsen der Erde die grossen Flügel
Und allen Träumen neues Gefieder;
Alle Menschen werden wie Vögel
Und bauen Nester im Blauen.
Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
Und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
In allen Seelen badet die Sonne,
Alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
Liebend zusammen.
Max Dauthendey (1867-1918) deutscher Dichter und Maler

Foto Brigitte Fuchs
Angaben zum Buch: „Jede Jahreszeit ist schön“ Gedichte für Frühling, Sommer, Herbst und Winter; Herausgegeben von Anton G.Leitner; 2025 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH; ISBN 978-3-15-011507-7; Preis ca. Euro 15.- / SFr 22.-
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April

Foto und Beschriftung, Brigitte Fuchs
(…)
Bald das Jauchzen, bald die Trauer
In der aufgeregten Brust —
Und noch halb in Winterschauer,
Und schon halb in Frühlingslust.
Bald ein ungestümes Ringen,
Bald ein Frieden sonntagsstill —
O, was wirst Du mir noch bringen
Schöner, stürmischer April?
Julius Rodenberg (1831-1914) deutscher Journalist und Schriftsteller
Die zwei letzten Strophen aus seinem Gedicht „April“
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Veilchen am Wege
Foto Brigitte Fuchs
Vom Berge kommend, mein‘ ich,
nie hätt‘ ich Lieblicheres gesehen
als diese kleinen Veilchen!
Bashõ (1646-1694) japanischer Haiku-Meister

Foto Brigitte Fuchs
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Waldspaziergang im Frühling
Fotos Brigitte Fuchs
Lob des Frühlings
Saatengrün, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Amselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich solche Worte singe,
braucht es dann noch grosser Dinge,
Dich zu preisen, Frühlingstag?
Ludwig Uhland (1787-1847) deutscher Dichter, Jurist und Politiker
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Himmelwärts
Foto Brigitte Fuchs
Andre haben andre Schwingen,
Aber wir, mein fröhlich Herz,
Wollen grad hinauf uns singen,
Aus dem Frühling himmelwärts!
Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Dichter, Novellist und Dramatiker
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Der Frühling
Foto Brigitte Fuchs
Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
und festlich machen sich Gesang und Lieder.
Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
dass immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
so findet vieles sich, und aus Natur das meiste.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) Deutscher Dichter

Foto Brigitte Fuchs
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Prinzenrolle
Fotos Brigitte Fuchs
An den ungeraden Tagen lässt er
sich todesmutig ins Fangnetz fallen
da steht man wenigstens wieder auf
bis zur Premiere der königlichen
Partnersuchbörse ist noch etwas Zeit
für Arm- und Beinarbeit einmal die
Woche wirft er Gold in den Brunnen
für die Schönste im Land wie wird er
sie erkennen die Süsse wenn nicht an
ihrem blutleeren Schuh wenn nicht
an ihrer Schokoladencremeseite
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, 2020
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Frühling
Foto Brigitte Fuchs
Als dann der Frühling im Garten stand,
Das Herz, ein seltsam Sehnen empfand,
Und die Blumen und Kräuter und jeder Baum
wachten auf aus dem Wintertraum,
Schneeglöckchen und Veilchen hat über Nacht
der warme Regen ans Licht gebracht,
Aus Blüten und dunkler Erde ein Duft
durchzog wie ein sanftes Rufen die Luft.
Percy Shelley (1792-1832) britischer Schriftsteller der englischen Romantik
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Frühlings-Tanka
Fotos Brigitte Fuchs
Wie mein alter Freund
heute von mir denken mag,
weiss ich leider nicht.
Doch des Gartens Blütenduft
trifft mich wie in alter Zeit!
Ki no Tsurayuki (883-946) japanischer Haiku und Tanka-Dichter
Aus einem „Brief an einen Freund vor einem Besuch“

Fotos Brigitte Fuchs
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Was der Frühling alles tun muss
Foto Brigitte Fuchs
Erst die Sonne höher heben,
dann die Gräser grün anstreichen,
allen, die auf Erden leben,
brüderlich die Hände reichen,
Schlangen häuten, Schatten schwärzen,
Felder kämmen, auch die Wiesen,
sorgen, dass Kastanienkerzen
brennen, Weidenruten schiessen,
für die Vögel Noten schreiben
und die Rosenblätter zählen,
mit den Kindern Unfug treiben,
Wäldern neue Farben wählen,
Käfern ihre Panzer putzen,
Zäunen guten Morgen sagen,
Tau als Schmuck für Gras benutzen,
Licht in Mauselöcher tragen,
weil die Bienen gern was hätten,
Honig in die Blüten stecken,
alle Katzenfelle glätten –
und die Kinder morgens wecken!
Ja der Frühling hat zu tun,
und was machen wir denn nun?
František Halas (1901-1949) tschechischer Dichter und Schriftsteller
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