Archiv der Kategorie: Gedichte
Am Fluss
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Ob dunkeln Spiegeln nicken Schilf und Röhricht,
Verschlafen glucksend weisse Blasen schäumen.
Es ist so recht zu sinnen und zu träumen
Die Stunde – schönheitsfroh – glückstrunken – töricht.
Cornelia Kopp, deutsche Dichterin, lebte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts
Letzte Strophe des dreistrophigen Gedichte „Am Fluss“
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Hüt‘ dich vor Wünschen
Foto Brigitte Fuchs
Hüt‘ dich vor Wünschen, Menschenskind!
Die guten flattern fort im Wind
Und keiner ist, der taubenfromm
Zurück mit grünem Ölblatt komm!
Die schlimmen hascht der Teufel ein
Und stutzt nach seinem Sinn sie fein,
Erfüllt sie dir zu Leid und Last,
Wenn du sie längst bereuet hast.
Bernhard Endrulat (1828-1886) deutscher Schriftsteller und Staatsarchivar
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Stufen
Foto Brigitte Fuchs
Du musst nach oben schaun, zu sehn, wie viel noch Stufen
Des Bessern übrig sind, wozu du bist berufen.
Du musst nach unten schaun, um auch zu sehn zufrieden,
Wieviel dir Bessres schon als andern ist beschieden.
Friedrich Rückert (1788-1866) deutscher Dichter
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Der Weise auf dem Lande
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Sieh hin, wie über grüne Hügel
Der Tag, bekränzt mit Rosen, naht!
Ihn kühlen Zephyrs linde Flügel,
Der jüngst das Frühlingsfeld betrat.
Nun taumelt Flora durch die Triften:
Nun schwingt sich aus betauter Saat
Die Lerche schwirrend nach den Lüften.
Dort, wo im Schatten schlanker Buchen
Die Quelle zwischen Blumen schwätzt;
Seh ich die Muse mich besuchen,
Wo tiefe Stille sie ergetzt.
Da singt sie kühn in ihre Saiten,
Indes, vom Morgentau benetzt,
Die Haare flatternd sich verbreiten.
(…)
Johann Peter Uz (1720-1796) deutscher Dichter
Zwei von zehn Strophen des gleichnamigen Gedichtes
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Hinter dem Blumenladen

Fotos: Brigitte Fuchs
Sie ruht dort unbeachtet die Schöne
aus Alabaster gründlich missverstanden
zwischen Aufblühen und Entschlafen –
Im Blumenladen verlangen sie duftende
Sträusse für feierlich gezählte Tage für
Lügen und Beschönigungen in Reseda
oder Himbeerrot während draussen ein
Lieferwagen aus Frankreich im Halteverbot
parkt und im angrenzenden Garten das
späte Sommerlicht unerhört sanft auf
dem nackten Frauenkörper verweilt
Brigitte Fuchs
Aus: „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Foto Brigitte Fuchs
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Sonnenwende
Foto Brigitte Fuchs: Hildisrieden
Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Foto Brigitte Fuchs
Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.
Ludwig Uhland (1787-1862) deutscher Dichter, Jurist und Politiker

Foto Brigitte Fuchs: Hildisrieden
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Was weiss der Stein
Foto Brigitte Fuchs
Was weiss der Stein von den Notizen
die der Wind in Schnellschrift auf die
Wiese wirft sieht er der Liebe auf den
Grund und jener blinden Angst
Da rollt er hin den Fluss hinab ins Tal
fällt ab als Last vom bangen Herzen
hüpft einmal schiefernd übers Wasser
um dann für immer abzutauchen
Liegt er mit Absicht uns im Weg kennt
er sich aus mit Mauerbau weiss er vom
Räderwerk das ihn dereinst zu Staub
zerreibt was weiss der Stein
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Foto Brigitte Fuchs
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Die Schaukel

Foto Brigitte Fuchs
Auf meiner Schaukel in die Höh,
was kann es Schöneres geben!
So hoch, so weit: die ganze Chaussee
und alle Häuser schweben.
Weit über die Gärten hoch, juchhee,
ich lasse mich fliegen, fliegen;
und alles sieht man, Wald und See,
ganz anders stehn und liegen.
Hoch in die Höh! Wo ist mein Zeh?
Im Himmel! ich glaube, ich falle!
Das tut so tief, so süss dann weh,
und die Bäume verbeugen sich alle.
Und immer wieder in die Höh,
und der Himmel kommt immer näher;
und immer süsser tut es weh –
der Himmel wird immer höher.
Richard Dehmel (1863-1920) deutscher Schriftsteller und Lyriker
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Blümekens
Fotos Brigitte Fuchs: Hornklee
Kleine Blüten, anspruchslose Blumen,
Waldrandschmuck und Wiesendurcheinander,
Rote, weisse, gelbe, blaue Blumen
Nahm ich im Vorbeigehn mit nach Hause.
Kamen alte, liebe Zeiten wieder:
Auf den Feldern wehten grüne Hälmchen,
Süss im Erlenbusche sang der Stieglitz,
Eine ganze Welt von Unschuld sang er
Mir und dir.
(…)
Detlev von Liliencron (1844-1909) deutscher Dichter
Die längere erste Strophe des zweistrophigen Gedichts „Blümeken“

Foto Brigitte Fuchs: Hornklee
Der Hornklee ist beliebt bei Bienen und Schmetterlingen. Schnecken hingegen, so liess ich mir sagen, werden durch das Frassgift in seinen Blättern abgeschreckt.
Das hübsche Tierchen, das sich hier auf eine Hornkleeblüte gesetzt hat, könnte eine Grünaugen-Bremse „Silvius alpinus“ sein. (Vielleicht weiss ja jemand genau Bescheid oder Gerhard, der sich wie kaum ein Anderer mit Insekten auskennt, kann uns sagen, ob das stimmt…)
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Über den grünen Klee
Foto Brigitte Fuchs: Mohnfeld bei Beromünster
Zu loben wäre vielleicht dieses Mohnfeld
das bis zum Horizont reicht aber nein
wir wollten nie so viele Blütenblätter zupfen
im Gegenteil wir wollten nur das Lieben
vom Hassen trennen ein für allemal
ansetzen zum Hohen Lied doch dann
schoss Amors Pfeil die grossen Worte ab
den Vogel am Rande der Welt jetzt
fehlen uns alle Regeln der Kunst und
das Lob fällt zwischen Kraut und Rüben
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, Edition 8, Zürich 2020

Foto Brigitte Fuchs
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