Archiv der Kategorie: Gedichte

Februar

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Es wird allmählich Frühling werden.
Zwar merkt man wenig noch davon
Und duldet vielerlei Beschwerden,
Indes – man denkt: es macht sich schon.

Und watet man in Schnee und Kot
Auch knöcheltief – die Hoffnung blüht
In jedem menschlichen Gemüt,
Stets rosenrot, stets rosenrot.

 

Friedrich Wilhelm Wagner (1892-1931) deutscher Schriftsteller

 

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Mosaik

Fotos Brigitte Fuchs:
Aussenwandgestaltung an einer Brockenstube in der Region, die es inzwischen leider nicht mehr gibt.

 

 

Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik;

Zu nah beschaut, verwirrt es nur den Blick;

Willst du des Ganzen Art und Sinn verstehn,

So musst du’s Freund, aus rechter Ferne sehn.

 

Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Dichter und Dramatiker

 

 

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Ferne

Foto Brigitte Fuchs: Umgebung von Hildisrieden/Traselingen, Kanton Luzern

 

 

Du blaue Ferne, die mir lieblich winket,

Was birgst Du wohl in Deinen Nebelduft?

Ist′s ein Phantom, was mir entzückend blinket

Als Stern der Ahndung dort in fremder Luft?

 

(…)

 

Es ist der Hoffnung wunderbares Wehen

Das weit entlegne Länder mir verklärt,

Und goldnen Schimmer webt um ferne Höhen.

 

(…)

Charlotte von Ahlefeld (1777-1849) deutsche Schriftstellerin
Zwei von vier Strophen ihres Sonettes „Streben in die Ferne“

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Eigentum

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Ich weiss, dass mir nichts angehört

Als der Gedanke, der ungestört

Aus meiner Seele will fliessen,

Und jeder günstige Augenblick,

Den mich ein liebendes Geschick

Von Grund aus lässt geniessen.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Carte blanche

Foto Brigitte Fuchs: Stadttheater Sursee

 

 

 

Ja doch. Es ist einiges da. Vom kleinen

Trauma bis zum grossen Trend. Silben

aus aller Welt. Sandkörner. Pigmente.

Der Statist schaut vielsagend. Kneift ein

Auge zusammen. Na los. Ich höre nichts.

Ich staune. Die Souffleuse spricht lauter.

Ein Schwarm von Schutzengeln fliegt auf.

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Solange ihr Knie wippt“, Gedichte, edition 8, Zürich 2002

 

 

Foto Brigitte Fuchs: Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet das in etwa: „Poesie/Dichtung ist die Mutter der Tugend/Tüchtigkeit.“

 

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Sieh, was dir heute nicht gelingt

Fotos Brigitte Fuchs

 

Sieh, was dir heute nicht gelingt,
kann morgen schon gelungen sein.
Der Feind, der heute dich bezwingt,
kann morgen schon bezwungen sein.
Ein jeglich Ding ist wandelbar,
und wandelbar ist dein Gemüt.
Was heute noch wie Seufzen klingt,
kann morgen schon gesungen sein.

 

Alfred Grünewald (1884-1942) österreichischer Schriftsteller

 

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Drei Schwäne

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Drei Schwäne zogen übern See,

so weiss wie frisch gefall’ner Schnee.

Sie zogen still zur Abendstund

gleich Engeln übers Erdenrund.

 

 

Text von Unbekannt

 

 

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“

 

 

Von Unbekannt
(Manchmal fälschlich Georg Christoph Lichtenberg zugeschrieben.)

 

 

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Wintertag

Fotos Brigitte Fuchs: Auf dem Heitern bei Zofingen

 

 

Über schneebedeckter Erde
Blaut der Himmel, haucht der Föhn –
Ewig jung ist nur die Sonne!
Sie allein ist ewig schön!

Heute steigt sie spät am Himmel,
Und am Himmel sinkt sie bald
– Wie das Glück und wie die Liebe –
Hinter dem entlaubten Wald.

 

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter

 

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Zweimal zwei ist vier

Foto Brigitte Fuchs: Video in einer Ausstellung gesehen

 

Mit grossen Gebärden und grossen Worten
Treibens viele Leute allerorten.
Haben eine absonderliche Manier,
Zu sagen: zweimal zwei ist vier.

Orakeln im mystischen Tempelbass:
Liebe Brüder, wenn’s regnet, wird’s nass!
Je weniger sie zu sagen haben,
Je toller gebärden sich die Knaben.

Doch wie sie sich geben und wie sie beharren,
Man merkt gleich, es sind Narren.
Sind auch etliche »Dichter« darunter,
Die treiben’s erst munter!

 

Gustav Falke (1853-1916) deutscher Schriftsteller

 

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Kindliches Spiel

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Kinderlust

Fröhlich springen wir im Kreise,
Lachen laut und sorgenfrei,
Jeder Tag ist eine Reise,
Und das Spiel ist stets dabei.

Heute laufen, morgen singen,
Dann ein Traum aus Fantasie –
Ach, wie leicht die Stunden klingen
In der Kinderspiele-Melodie.

 

Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) deutscher Dichter

 

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