Archiv der Kategorie: Gedichte
Ostertage

Foto Brigitte Fuchs
Auch dieses Jahr nimmt seinen Lauf.
Da draussen wacht der Frühling auf,
macht Lust, die Osterzeit zu feiern
mit Hasen, Stroh und bunten Eiern.
Es glänzt die Welt in neuem Licht,
das unbeirrt von Zukunft spricht.
Brigitte Fuchs
P.S. Für seinen heutigen Blogeintrag hat Lothar Lange mein gestern gezeigtes Kaminhasenbild in vergnügliche Verse gefasst. Ich bin begeistert.
Hier der Link zu seiner Plattform „Kohlenspott“:
https://www.kohlenspott.de/
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Der erste April
Wie wir als Knaben uns doch neckten!
Wie wir voll Schelmenstücke steckten!
Ich mach’s noch heute nicht bekannt,
Wonach ich einstmals ward gesandt,
Ich schweige still,
Sonst hört‘ ich heute noch: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.

Nach ungebrannter Asche gingen,
Nach Mückenfett und selteneren Dingen
Wir ernsthaft in des Krämers Haus,
Der warf uns dann zur Tür hinaus.
Schwieg still, schweig still!
Sonst ruft man heute noch: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.

Wie wir’s gemacht als kleine Kinder,
So macht’s ein König auch nicht minder:
Er schickt sein Volk nach Freiheit aus,
Es kehret wiederum nach Haus
Ganz still, ganz still.
Die Nachbarn rufen laut: April, April!
Man schickt den dummen Narren wie man will.
Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) deutscher Lyriker

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Der vorgeschlafene Heilschlaf
Foto Brigitte Fuchs
Palmström schläft vor zwölf Experten
den berühmten Schlaf vor Mitternacht,
seine Heilkraft zu erhärten.
Als er, da es zwölf, erwacht,
sind die zwölf Experten sämtlich müde.
Er allein ist frisch wie eine junge Rüde!
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter
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Schnur

Foto Brigitte Fuchs
Schnüre ziehen Esel Ochsen übern Berg
an Schnüren steigen Drachen auf zum
Himmel und der Regen fällt daran herab
schnurlos reden manche aufeinander ein
an Schnüren hingen sie gehängt an Baum
und Galgen Richtschnur auch und Lot und
Mass die Frauen schnürten sich die Mieder
eng und wickelten damit die Männer um
den Ring am Finger – doch selten läuft
sowas am Schnürchen manchmal bocken
Ochs und Esel stehn am Berg die schönen
Männer alle widerwillig und so stur so stur
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Foto Brigitte Fuchs
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So still, so schön

Foto Brigitte Fuchs
Komm! Lass uns in die Föhren gehn,
Dort ist die Welt so wunderschön!
Im Grase blinkt der Morgentau,
Darüber der Himmel, so rein, so blau.
Kein rauher Ton. In heiliger Ruh‘
Nur Frühlingsklänge immerzu.
Ein Rauschen wie von Flügelschlag,
Der Gottesfrieden weht im Hag.
Komm! Lass uns in die Föhren gehn,
Dort ist die Welt so still, so schön!
Fritz Lemmermayer (1857-1932) österreichischer Schriftsteller und Journalist
Aus der Sammlung „Jahreszeiten“
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Das Lied des frechen Spatzen
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Und dann, tschahi, – das Lieben!
Mit manchem süssen Schatz
In tausend Ecken und Hecken
Hab‘ ich mich herumgetrieben.
Die andern piepsten voll Schrecken:
Ist das ein frecher Spatz!
Das hat mich nicht gekränkt.
Wir sind ja alle, wir Spatzen,
Wenn unsre Zeit verflossen,
Für nichts als für die Katzen –
Ich hab‘ das Leben genossen,
Wenn mich die meine fängt!
(…)
Anton Alfred Noder (1864-1936) deutscher Arzt und Dichter
Zwei von sechs Strophen aus seinem Gedicht „Das Lied des frechen Spatzen“
Aus der Sammlung „Fürs Brettl“

Foto Brigitte Fuchs
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Frühlingsbeginn
Fotos Brigitte Fuchs
An diesem Tag im März haben sich
die Enten verabredet zum Frühlingsball
Sie schreiten wiegend aus dem Bade
verkosten die ersten Schnecken zum
Salat klatschen und tratschen oder
halten die Gelbschnäbel hoch
Der Wind bläst ihnen den Marsch und
in den Lüften flattert Mörikes blaues
Band über dem noch segellosen See
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee
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Zum Frühlingsbeginn

Foto Brigitte Fuchs
Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag‘ entstehen.
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Gedicht mit dem Titel „Frühling“

Foto Brigitte Fuchs
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Auf einer Burg

Fotos Brigitte Fuchs: Schloss Heidegg
Eingeschlafen auf der Lauer
Oben ist der alte Ritter;
Drüben gehen Regenschauer,
Und der Wald rauscht durch das Gitter.
Eingewachsen Bart und Haare,
Und versteinert Brust und Krause,
Sitzt er viele hundert Jahre
Oben in der stillen Klause.
Draussen ist es still und friedlich,
Alle sind in’s Tal gezogen,
Waldesvögel einsam singen
In den leeren Fensterbogen.
Eine Hochzeit fährt da unten
Auf dem Rhein im Sonnenscheine,
Musikanten spielen munter,
Und die schöne Braut, die weinet.
Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Dichter

Fotos Brigitte Fuchs: Schloss Heidegg
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Der Himmel über mir
Foto Brigitte Fuchs: Baldeggersee bei Gelfingen
(…)
Ach, kein Steg will dahin führen,
Ach, der Himmel über mir
Will die Erde nicht berühren,
Und das Dort ist niemals Hier.
Friedrich von Schiller (1759-1805) deutscher Arzt, Dichter, Historiker und Philosoph
Letzte Strophe seines Gedichtes „Der Pilgrim“

Foto Brigitte Fuchs: Baldeggersee bei Gelfingen
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