Monatsarchive: Januar 2021
Limerick 108

Fotos Brigitte Fuchs
Herr Dean hatte Zürich im Blick.
Er fand diese Stadt äusserst schick.
Die Limmat, die Bauten,
die Pubs, die vertrauten,
zur Not gar das Möwen-Gepick.
Brigitte Fuchs
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Durch die schmutzige, brechende Schneekruste

Foto Brigitte Fuchs
Durch die schmutzige, brechende Schneekruste
patsche ich über die aufgeweichten Felder.
Um meine Schläfen
bläst frisch der Wind.
Durstig
sauge ich ihn auf.
Weiter!
Ehe nicht dort der letzte Orangestreifen erlischt,
ehe es nicht ganz dunkel ist,
gehe ich nicht nach Haus.
Rolf Wolfgang Martens (1868-1928) deutscher Lyriker um Arno Holz
Text aus dem Internet
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Ein stiller Regentag
Fotos Brigitte Fuchs
Es ist ein stiller Regentag,
So weich, so ernst, und doch so klar,
Wo durch den Dämmer brechen mag
Die Sonne weiss und sonderbar.
Ein wunderliches Zwielicht spielt
Beschaulich über Berg und Tal;
Natur, halb warm und halb verkühlt,
Sie lächelt noch und weint zumal.
(…)
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker
Die ersten beiden Strophen aus seinem Gedicht „Trübes Wetter“
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Vereinsamt
Foto Brigitte Fuchs
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
Weh dem, der keine Heimat hat!
Friedrich Nietzsche (1844-1900) deutscher Philosoph, Essayist,Lyriker und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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Winter

Foto Brigitte Fuchs
Ein Kratzen in Herz und Hals
Ans Küchenfenster
stellen wir Gläser mit Wortgrün –
Mild würzt es uns
die kraftlosen Tage
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Verhinderte drei Könige
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.
Da wir nun hier schöne Herrn und Frau’n.
Aber keine Ochsen und Esel schau’n,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und zieh’n unseres Weges weiter fort.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter
Die letzten zwei Strophen aus seinem Gedicht „Epiphanias“

Foto Brigitte Fuchs: Zürich „Weinstube zur grossen Reblaube“
Info dazu: 1778 wurde dieses Haus das Pfarrhaus von Johann Caspar Lavater, dem neuen Pfarrer der benachbarten Kirche St.-Peter. Johann Wolfgang von Goethe besuchte ihn zusammen mit seinem Arbeitgeber Herzog Karl August von Weimar 1779 und wohnte wohl im nachmaligen Goethe-Stübli. 1880 wurde aus dem Pfarrhaus ein Wirtshaus. 1919 kaufte es Hermann Kaiser, liess es renovieren und die berühmte Fassade gestalten.
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Raunächte
Foto Brigitte Fuchs
Zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar liegen die zwölf Raunächte. Sie gelten seit jeher als
Tage der finsteren Mächte und der Magie. In den Häusern wurde früher geräuchert, um Dämonen zu vertreiben und die Menschen vor negativen Einflüssen zu schützen. Angeblich sind die Raunächte auch für das Befragen von Orakeln geeignet.

Foto Brigitte Fuchs
Weit entspannter sah das der japanische Dichter Oemaru:
Raufrost, beiss nur zu!
Nach den Chrysanthemen blühn
keine Blumen mehr!
Oemaru (1719-1805) japanischer Haiku-Dichter, Schüler von Oshima Ryota (1718-1787)

Foto Brigitte Fuchs
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Anagramm

Foto Brigitte Fuchs
EIN NEUER ANSTRICH
NEUER ESTRICH, NINA?
NANI RETUSCHIEREN?
NEUEREN CHRISTIAN?
TASCHEN RUINIEREN?
NUR TEICH SANIEREN?
ER: EINE ANSICHT – NUR
EIN NEUER ANSTRICH.
Brigitte Fuchs
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Überwintern
Fotos Brigitte Fuchs
Das Moos, es bleibt,
wenn all die Blumen schon gestorben,
tief unter Schnee noch unverdorben.
Wie ähnlich ist es mir!
Tief lag ich unter Gram.
Viel schwere Jahre lang,
und als mein Winter kam,
da stand ich unverwelkt
und fing erst an zu grünen.
Anna Louisa Karsch (1722-1791) deutsche Dichterin
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An der Schwelle des neuen Jahres

Foto Brigitte Fuchs
An der Schwelle des neuen Jahres
lacht die Hoffnung und flüstert,
es werde uns mehr Glück bringen.
Alfred Lord Tennyson (1809-1892) britischer Dichter des Viktorianischen Zeitalters
Text von einem Kalenderblatt

Foto Brigitte Fuchs
Und was sagen andere Denker und Dichterinnen?
„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“
Antoine de Saint-Exupéry
„Ein grosser Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht.“
Jean-Paul Sartre.
„Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.“
Marie von Ebner-Eschenbach
„Leben wird nicht gemessen an der Zahl von Atemzügen, die wir nehmen, sondern an den Momenten, die uns den Atem nehmen.“
Maya Angelou
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