Monatsarchive: Mai 2021

Vergänglichkeit

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.

 

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) österreichische Schriftstellerin

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Satirisches Opus

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Der Glückliche, das ist ein halber Idiot,
dem alles gedeiht und Früchte trägt.
Steht auf seinem kleinen Besitz,
die eine Hand hält die Giesskanne,
die andere zeigt auf sich selber,
als den Nabel der Welt.

Es grünt und blüht.
Von Früchten schwere Zweige neigen sich auf ihn.

 

Paul Klee (1879-1940) deutscher Maler und Grafiker
Text aus dem Jahre 1901

 

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Ein Fisch

Fotos Brigitte Fuchs: Arlesheim, Ermitage

 

Ein Fisch ist ein Fisch
ist eine Metapher
ist ein Stillleben
ist eine Wassermusik

Ein Fisch ist ein Fisch
ist ein Vogel
ist eine Meerjungfrau
ist ein Ding

Ein Fisch ist ein Fisch
ist ein Backfisch
ist eine Versuchung

Ein Fisch ist ein Fisch
ist eine Mahlzeit
ist eine Gräte im Hals

Ein Fisch ist ein Fisch
ist nichts –
weiter

 

Brigitte Fuchs
Älterer Text, der für eine „Wasserlesung“ entstand

 

 

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Hügelland

Foto Brigitte Fuchs: Wynental

 

 

Er wahrlich liebte die Sonne,
die purpurn den Hügel hinabstieg,
die Wege des Walds,
den singenden Schwarzvogel
und die Freude des Grüns.

 

Georg Trakl (1887-1914) österreichischer Dichter
Aus „Kaspar Hauser Lied“

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Limerick 113

Foto Brigitte Fuchs

 

Herr Grau, ein Vertreter aus Kloten,
plädierte für farbliche Quoten:
viel Rot, Gelb und Blau.
Er sass drum, genau,
bei Sitzmöbeln gern auf den roten.

 

 

Brigitte Fuchs

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Die Ente

Fotos Brigitte Fuchs

 

(…)

Ente, ists nicht die Natur,
Die dich stets zum Teiche treibet?
Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
Trinke, bis nichts übrig bleibet.

Ja, du trinkst und singst dazu.
Neider nennen es zwar schnadern;
Aber, Ente, ich und du
Wollen nicht um Worte hadern.

Wem mein Singen nicht gefällt,
Mag es immer Schnadern nennen.
Will uns nur die neidsche Welt
Als versuchte Trinker kennen.

Aber, wie bedaur ich dich,
Daß du nur musst Wasser trinken.
Und wie glücklich schätz ich mich,
Wenn mir Weine dafür blinken.

(…)

 

 

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) deutscher Dichter, Dramatiker und Kritiker
Vier von neun Strophen seines Gedichtes „Die Ente“

 

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Frühlingsgefahren

Fotos Brigitte Fuchs: Text auf dem Wegweiser: „Kanonenweg“

 

 

Ei, in diesen Frühlingstagen
Was ist das für ein Saus und Braus!
Mag sich da noch einer wagen
in dies wilde Tun hinaus?

Kräuter schiessen, Vögel schlagen,
Gräser stechen rings heraus,
Strahlen blitzen, Wolken jagen,
alle Zweige schlagen aus.

 

Adolphe Stöber (1810-1892) elsässischer reformierter Geistlicher und deutschsprachiger Dichter

 

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Nächtliches Rendezvous

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Igel und Agel

Ein Igel sass auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
Schnigula schnagula
schnaguleia lü!
Das Tier verblies sein Flötenhemd…
»Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?«
Schalmeiala, schalmeialü — .
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach
zum Weiher fortgeschwemmt.
Wigula wagula
waguleia wü
tü tü .

 

Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter
Aus „Galgenlieder“

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Legten wir…

Fotos Brigitte Fuchs: Sitzplatz im Friedhof Suhr

 

 

Legten wir in die eine Schale einer Waage alle Werke dieses Lebens, in die andere Schale aber jenes, was seine Stille schenkt, so stellten wir fest, dass die zweite Schale schwerer wöge.

 

 

Isaak von Ninive (ca. 613-700) auch Hl. Isaak der Syrer, Abba Isaak, Syrischer Isaak und Isaak von Qatar, war ein syrisch-christlicher Bischof und Theologe aus dem 7. Jahrhundert, der vor allem Schriften über den Asketismus verfasste.

 

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Lied im Freien

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Wie schön ist’s im Freien!
Bei grünenden Maien
Im Walde, wie schön!
Wie süss sich zu sonnen,
Den Städten entronnen,
Auf luftigen Höhn!

Wo unter den Hecken
Mit goldenen Flecken
Der Schatten sich mischt,
Da lässt man sich nieder,
Von Haseln und Flieder
Mit Laubduft erfrischt.

(…)

 

Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis
Erste zwei Strophen seines Gedichtes „Lied im Freien“
Vertont von Franz Schubert

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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