Monatsarchive: September 2021
Vom Singen der Frösche
Fotos Brigitte Fuchs:
Skulptur des chinesischen Künstlers Zeng Chenggang: „Singing Frog“ beim ehemaligen Kloster St. Urban
Des Nachts am kleinen Weiher
hebt sich der stille Schleier.
Die Frösche lieben Nacht-Radau,
verstärken gar den Körperbau.
Es quakt und unkt und dröhnt,
dass man im Halbschlaf stöhnt.
Und die Moral von der Geschicht:
Die Frösche können singen nicht.
Brigitte Fuchs
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Der Architekt…
Fotos Brigitte Fuchs: der Maiengrün-Turm in Hägglingen, Aargau
Der im Jahre 1929 erbaute Turm ist eine Stahlkonstruktion und wurde 1936 um 8 Meter auf die heutige Höhe von 35 Meter erhöht. 2020 wurde er total saniert. Über 170 Treppenstufen gelangt man zur obersten Aussichtsplattform.
Bei schönem Wetter sind von der Turmspitze aus sowohl der Alpenkamm als auch der Schwarzwald zu sehen.
Der Architekt ist hoch verehrlich,
(Obschon die Kosten oft beschwerlich),
Weil er uns unsre Erdenkruste,
Die alte, rauhe und berusste,
Mit saubern Baulichkeiten schmückt,
Mit Türmen und Kasernen spickt.
Wilhelm Busch (1832-1908) deutscher Zeichner, Maler und Dichter
Aus Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884
P.S. Auf fast allen Stufen, die auf den Turm führen, ist eine Tafel angebracht mit Sponsornamen oder kurzen Sprüchen. Auf der Stufe 61 steht folgender Text:
„Heb Sorg! Schnuuf dure! / Mach kein Fehltritt!“
Was soviel heisst wie:
„Trag dir Sorge! Atme tief durch! / Mach keinen Fehltritt!“
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Anagramm-Zweizeiler 347 und 348
KOENIG VATER UND SOHN
SIND VAGE, OHNE KONTUR.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs: Aufkleber ohne Herkunftsangaben
KLEINER NACHFOLGER:
LERNFACH: ERLKOENIG
Brigitte Fuchs
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Die schöne Stadt
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Helle Instrumente singen.
Durch der Garten Blätterrahmen
Schwirrt das Lachen schöner Damen.
Leise junge Mütter singen.
Heimlich haucht an blumigen Fenstern
Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
Silbern flimmern müde Lider
Durch die Blumen an den Fenstern.
Georg Trakl (1887-1914) österreichischer Dichter
Letzte zwei der sieben Strophen seines Gedichtes „Die schöne Stadt“
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Limerick 118
Foto Brigitte Fuchs
Phil Zweifel aus Zug glaubte kaum
an Zukunft, ja nicht mal im Traum.
„Es muss was geschehen,
die Sicht muss sich drehen!“,
so sprach er, kopfüber am Baum.
Brigitte Fuchs
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Passage

Fotos Brigitte Fuchs
Möchtegernworte die mir zur
Verfügung stehen linkisch und
links da lasse ich sie liegen
baue mir eine Furt aus Kieseln
in den Wortfluss und wage die
Überquerung im Alleingang
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, edition 8, Zürich 2014

Fotos Brigitte Fuchs
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Das Märchen und das Spiel
Foto Brigitte Fuchs
Infotafel auf einer Spielwiese an der Aare in Aarau
Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!
Friedrich Nietzsche (1844-1900) deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller
Quelle: Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches.

Foto Brigitte Fuchs: am Aareufer in Aarau

Foto Brigitte Fuchs: Spieltisch in Willisau
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Vertrauensselig

Foto Brigitte Fuchs
Vertrauensselig – ein schönes Wort.
Vertrauen macht selig den, der es hat,
und den, der es einflösst.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin
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Jetzt oder
Fotos Brigitte Fuchs
Nie werde ich das Lachen wiederfinden, das ich
kurz vor Mittag ablegte. DIE STUNDE IST NEU.
Während ich schreibe: „Die Stunde ist neu,
fähig zum einzigen Leben, fähig zu jedem Tod…“,
wächst mir der Holunder über den Kopf.
(Niemand beschwert sich über die Zudringlichkeit
der Gewächse. Niemand kommt und bedauert
das Wegbleiben des Meeres.)
Kaum, dass ich vermerke: „Die Stunde ist neu, ich
muss mir den Anfang erfinden – ein Land, ein
Lachen, eine Kunst…“, taucht das Meer auf. Deutlich
und mit allen Wassern wie nie.
Brigitte Fuchs
Aus „Handbuch des Fliegens“, Gedichte, edition 8, Zürich 2008

Fotos Brigitte Fuchs
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Herbstlich sonnige Tage
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemüh’n,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blüh’n.
Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur.
Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.
Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Lyriker, Dramatiker und Übersetzer
Zweite Hälfte des sechsstrophigen Gedichts „Herbstlich sonnige Tage“
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