Sonnenstunden

Foto Brigitte Fuchs: Zisterzienserinnenkloster in Eschenbach/LU und Gästehaus

 

Die Sonnenuhr

Wie bist du doch in eine Welt
Von Tag und Glanz hineingestellt!
Dich treibt der Strahlen Her und Hin
Erst zur Besinnung und zu Sinn.
Auf deines Bilds besonntem Runde
Zeigt grau der Zeiger Stund um Stunde.
Wie golden früh- und spätere Stunde funkelt!
Die gegenwärtige allein ist schattenschwarz umdunkelt.

 

Klabund (1890-1928) deutscher Schriftsteller

 

Foto Brigitte Fuchs: Sonnenuhr beim Zisterzienserinnenkloster in Eschenbach/LU

HORAE AD OCCASUM (Stunden bis zum Sonnenuntergang)

 

Die historische Sonnenuhr am Zisterzienserinnenkloster Eschenbach/LU befindet sich am Gästehaus und stammt ursprünglich aus dem Jahr 1683. Sie wurde 1977 restauriert, zeigt die wahre Ortszeit sowie diverse astronomische Daten an und trägt das lateinische Zitat: „SOL NON OCCIDAT SUPER IRACUNDIAM VESTRAM“ (Die Sonne möge nicht über eurem Zorn untergehen).

 

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18 Antworten auf Sonnenstunden

  1. Petros sagt:

    Das Gedicht ist für mich eine Einladung zur Achtsamkeit.

    Morgengrüße
    Petros

  2. quersatzein sagt:

    So kann man das lesen, Petros.
    Ich werde mich wohl heute auch ein wenig darin üben. :–)
    Danke für deine Worte und lieben Gruss in den Tag.

  3. andrea sagt:

    die sonnenuhr zeigt das hier&jetzt mit einem schattenschwarzen strahl an, der in das helle sonnenlicht (der früheren und späteren zeit) fällt. ob das auch im übertragenen sinn gemeint ist? dass die dunklen tage, die man erlebt, letztlich doch in einer reihen von hellen stehen? sein leben war ja durchaus „durchwachsen“.

    hier und heute scheint auf jeden fall die sonne! 🙂
    also sonnige grüße! andrea

    • quersatzein sagt:

      Wer weiss das schon. Gedichte und Leben driften ja bei Dichterinnen und Dichtern nicht selten ein wenig oder sogar ziemlich auseinander. :–)
      Deine Gedanken dazu finde ich jedenfalls bedenkenswert.
      Hab Dank und sei lieb gegrüsst!
      (Auch hier scheint die Sonne vom leicht „milchigen“ Himmel.)

  4. mona lisa sagt:

    Interessant:
    Zeigt der Zeiger oder der Schatten des Zeigers die (Sonnen)Stunde an?
    Liebe Grüße

  5. quersatzein sagt:

    Nach meinem Verständnis müsste es der Schatten sein.
    Sei lieb gegrüsst, Mona Lisa.

  6. PepeB sagt:

    Wie kurz die Gegenwärtigkeit doch ist, das davor und das danach Abbilder …
    Liebe Grüße in heitere Stunden
    Petra

  7. quersatzein sagt:

    Stimmt, Petra. Wir leben immer den Moment, und der ist kurz bemessen.
    Dir ebenfalls heitere Stunden und herzliche Grüsse.

  8. Hausfrau Hanna sagt:

    Sonnenuhren,
    liebe Frau Quersatzein,
    haben für mich immer auch etwas Rätselhaftes, ich kann sie nicht ‚lesen’…
    Die lateinische Empfehlung ist eine weise Begleitung, um den Tag abzuschliessen und in die Nachtruhe Ruhe zu kommen.
    Liebe Morgengrüsse zu Ihnen
    Hausfrau Hanna

  9. quersatzein sagt:

    Die Sonnenuhr-Zeiten sind in der Tat schwierig zu lesen, liebe Hausfrau Hanna. Ich tue mich damit meistens auch schwer. :–)
    Den lateinischen Sinnspruch mag ich ebenfalls. (Er war mir neu.)
    Ihnen einen guten Tag und frohe Grüsse.

  10. Helmut Maier sagt:

    „Die gegenwärtige allein ist schattenschwarz umdunkelt.“
    So ist es wohl auch heute!

    Liebe Grüße
    Helmut

  11. quersatzein sagt:

    Stimmt, Helmut.
    Das muss man leider bei der momentanen Weltlage auch so sehen.

    Lieben Dank und Gruss zu dir.

  12. Sonja sagt:

    Es gibt immer noch Steigerungen von schwarz, sogar im Zusammenhang mit der Sonne!
    Gruß von Sonja

  13. quersatzein sagt:

    Du sagst es, Sonja.
    Merci und liebe Grüsse, heute jedoch hell besonnt.

  14. nömix sagt:

    Es sind die Reime Herrn Klabund
    Recht ordentlich geraten, und
    Am Versmaß gibt es, muss man sagen,
    Ebenfalls nichts zu beklagen.
    Erst zuletzt am Ende dann
    Gerät die Metrik aus der Bahn
    Und allzu sehr der Vers misslingt,
    Weil allzu schwer der Versfuß hinkt. 😉

    • quersatzein sagt:

      Klabund nahm damals, muss man wissen,
      ganz ohne schlechtes Reimgewissen,
      sich dichterische Freiheit raus
      und hoffte dennoch auf Applaus.

      Auch Ihr Gedichtchen (muss ich rügen,
      selbst wenn sich Worte willig fügen)
      hat mindestens zwei schiefe Zeilen.
      In Zeile vier und fünf einstweilen:
      Die müssten unbetont beginnen,
      um aus der Metrik nicht zu rinnen.

      Mein Vorschlag drum, nicht böse sein,
      ist, wie ich hoffe, stubenrein:

      (…)
      „Am Versmaß gibt es, muss man sagen,
      Vom Rhythmus her nichts zu beklagen.
      Erst ganz zuletzt am Ende dann
      Gerät die Metrik aus der Bahn.“
      (…)

      🙂

  15. C Stern sagt:

    Klug waren sie, die alten Lateiner. Spätestens vor Sonnenuntergang sollte ein Streit wieder beigelegt sein, das finde ich auch.
    Ich liebe Klöster, mache da gerne Rundgänge. Auch klösterliche Bibliotheken finde ich beeindruckend.
    Liebe abendliche Grüße aus Klösterreich, C Stern

  16. quersatzein sagt:

    Danke für deine Anmerkungen, liebe C Stern.
    Nehmen wir uns ein Beispiel an den alten Lateinern! :–)
    Einen schönen Abendgruss zurück zu dir nach Klösterreich. 🙂

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