Quisquilien eines Eremiten im Wald

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Foto Brigitte Fuchs

 

(…)

das Moos wächst
dank der Vokale, die meine Stimme
darüber verteilt

trotzdem ist jeder See der Tee
des Herrn
in seiner Betrachtung

(…)

 

Ron Winkler, *1973, deutscher Lyriker, Schriftsteller, Übersetzer und Literaturvermittler
Sequenz aus dem Gedicht “Quisquilien eines Eremiten im Wald”
Aus dem Lyrikband “Prachtvolle Mitternacht”, Gedichte, Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH, Frankfurt am Main 2013

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Kleinigkeiten

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Foto Brigitte Fuchs

 

Es kommt im Leben auf Kleinigkeiten an.

 
Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) Schweizer Pädagoge, Schriftsteller, Philosoph und Politiker
Zitat gefunden auf einem Abreisskalender

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Ungemalte Geschichten…

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Foto Brigitte Fuchs: Eingang an einem gut erhaltenen Speicher im Emmental
Siehe auch: http://emmental.ch/veranstaltungsmanager/page/emmentaler-bauernhaeuser/action/offerShow/Offer/

 

 

(…)

Rechts ist mein Haus, das ich rundum kenne
zusammen mit seinem Treppchen und seinem Eingang zur Mitte,
wo sich die ungemalten Geschichten ereignen:
der Kater springt auf die Bank,
die Sonne fällt auf den Zinnkrug,
am Tisch sitzt ein knochiger Mann
und repariert die Uhr.

 

Wisława Szymborska (1923-2012), polnische Lyrikerin und Nobelpreisträgerin
Letzte Zeilen aus ihrem Gedicht “Landschaft”
In “Deshalb leben wir”, Gedichte, übertragen von Karl Dedecius, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996

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Tag des Baumes

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Foto Brigitte Fuchs

 

Der Baum

In einer Krone von Wurzeln verkrallt,
Trägt er im Laube die Weite des Raumes
Frei mit Gewölk und mit Vögeln, geraumes
Verweilen nimmt ihn zum Aufenthalt.

Seine Gebirge von Grün verfallen
Steil in Kaskaden mit Weiden und Hängen,
Säulen tragen das Zwielicht in Gängen,
Stille der ausgeräumten Hallen.

Dunkel gedrängt von den Strömen im Kiese,
Wandert er aufwärts im Überschwang
Aller Bewegung, einen Gesang
Dämmert der ahasverische Riese.

Rinnt es in ihm nicht wie Sand im Glas
Wieder hinab in geheimen Geweben?
Einförmig regnet ein Segen von Leben
Innen zur Tiefe und rauscht im Gras.

Aber die Kraft erkennt er im Sturme,
Erdgrund durch Treue des Wachstums zu halten.
Jauchzend besteht er die Himmelsgewalten,
All seine Fahnen flattern vom Turme.

 

Albin Zollinger (1895-1941), Schweizer Dichter und Schriftsteller
Aus “Dank an die Bäume” Anthologie mit Gedichten und Fotos, Aldus Manutius Verlag, Zürich / Stuttgart, ohne Jahr-Angabe

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Radio

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Foto Brigitte Fuchs

 

Takte eines Schlagers

prallen auf die

Empfindungen dieses Morgens

Knopfdruck

 

Elvana Indergand, *1948, Schweizer Autorin und Lyrikerin
Aus “Kurzwaren” (Schweizer Lyriker 3) Zytglogge Verlag Gümligen 1977

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Welttag des Buches

Die Literatur, wie letztlich jede Form von Kunst, ist das Eingeständnis, dass das Leben nicht ausreicht.

.

Fernando Pessoa (1888-1935) portugiesischer Dichter

 

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Foto Brigitte Fuchs

 

Die meisten Menschen klagen darüber, dass es in den Romanen nicht zugehe wie im Leben. Ich klage darüber, dass es im Leben nicht so zugeht wie in den Romanen.

.

Søren Aabye Kierkegaard (1813-1855) dänischer Philosoph, Schriftsteller und Theologe

Beide Zitate aus “Warum Lesen? Warum nicht?” Gedanken und Sprüche, Diogenes Verlag AG, Zürich 2008

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Freude

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Foto Brigitte Fuchs

 

Honig wohnt in jeder Blume, Freude an jedem Orte,

man muss nur, wie die Biene, sie zu finden wissen.

 

Heinrich von Kleist (1777-1811) deutscher Dramatiker, Novellist und Erzähler
Zitat gefunden im Internet

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Der Maler spricht:

 

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Foto Brigitte Fuchs

 

Der Maler Himmelblau bin ich.
Ihr kennt am grossen Pinsel mich.
Ich streiche alles, alles an,
was immer ich nur finden kann.
Mit meiner Farbe, eins, zwei, drei,
mach ich das Alte wieder neu.

 

Gedicht eines unbekannten Verfassers,
gefunden in einem Lesebuch für die Primarschule,
Lehrmittelverlag des Kantons St. Gallen, 4. Auflage 1968

 

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Wünschelrute

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Foto Brigitte Fuchs

 

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

 

Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Lyriker der Romantik

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Atlantis

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Foto Brigitte Fuchs

 

Ein Land,
das es nie gab.

(…)

Im Hafen
liegen die Schiffe,
die bei jeder Ausfahrt
das Meer hervorbringen.

 

Walter Helmut Fritz (1929-2010) deutscher Schriftsteller und Lyriker
Anfangs- und Schlusszeilen aus dem Gedicht “Atlantis”
In “Mit einer Feder aus den Flügeln des Ikarus” Ausgewählte Gedichte, Fischer Taschenbuchverlag GmbH, Frankfurt am Main, 1989

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