September

DSCN9000

Foto Brigitte Fuchs

 

müsste wollust um vollkommen zu sein
nicht mit dem gaumen
des anderen schmecken können?
goldlichtreflexe spielen
pfiffig im laubgrün

 

Kurt Marti, *1921, Schweizer Theologe, Lyriker und Schriftsteller
Aus “da geht dasein” Gedichte, Luchterhand Literaturverlag GmbH, Hamburg 1993

Veröffentlicht unter Bilder, Zitate | 30 Kommentare

Diese Art von Lächeln…

Diese Art von Lächeln, wie es manchmal auch Blumen sind inmitten von ernstem Gras.

 

DSCN4901

Foto Brigitte Fuchs

 

Und auch diese Art von geöffneter Blume, weit geöffnet, vom Herzen her, wie ein Kind sein kann, unter dem gleichen Himmel, dessen Blau uns zerreisst.

 

Philippe Jaccottet, *1925, Schweizer, in Frankreich lebender Lyriker, Essayist und Übersetzer
Aus “Notizen aus der Tiefe” Deutsch von Friedhelm Kemp, Elisabeth Edl und Wolfgang Matz, Edition Akzente, Carl Hanser Verlag, München 2009

Veröffentlicht unter Bilder, Zitate | 18 Kommentare

Briefe aus meiner Mühle

DSCN8282

Foto Brigitte Fuchs: Mühle beim Schloss Hallwyl / Kanton Aargau

 

Wer auf der Suche ist
nach schrankenloser Zuneigung,
nach Zärtlichkeit, die sich
in Lachen und Weinen äussert,
nach dem Überschwang helläugiger Jugend,
deren Seele schattenlos ist
wie ein sonnenbestrahlter Wasserspiegel,
wen am Sonntagmorgen
nach solchen Kostbarkeiten gelüstet,
der folge mir in das kaum bewohnte Haus
in der längst nicht fertigen Strasse,
das wir alle kennen.

 

Alphonse Daudet (1840-1897) französischer Schriftsteller
Aus “Briefe aus meiner Mühle” Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 1971

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 20 Kommentare

Augustmond im Weinberg

DSCN8949

Foto Brigitte Fuchs

 

Augustmond durch den Weinberg streicht
Und hat den Reben die Brust gereicht.
Er, der hinter Verliebten schleicht,
Will Räusche Verliebter den Trauben geben;
Wo zwei ein volles Glas dann heben,
Wird ihnen ihre Erde leicht,
Dass sie als Mond darüber schweben.

 

Max Dauthendey (1867-1918) deutscher Dichter und Maler
Text aus dem Internet

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 20 Kommentare

Das Auge sieht voller Einbildung…

2010-07-25_Schlossr_Schöftland1

Foto Brigitte Fuchs: Scherbenmosaike an der Fassade einer Brockenstube (Brocki, Trödelladen, Gebrauchtwarenshop)

 

Das Auge sieht voller Einbildung, sieht voll Musik, Rhythmus und Trunkenheit.

 

Max Slevogt (1886-1932) deutscher Maler, Grafiker, Illustrator und Bühnenbildner
Aus “Farben hören” Das Musikalische in der Kunst, eine Zitatensammlung; ars momentum Kunstverlag GmbH, Witten 2006

Veröffentlicht unter Bilder, Sätze | 20 Kommentare

Die Verwandlung

2015-08-22_Vogelmoos1

 

Es wundert dich, dass ein so garstig Ding,
Als eine Raupe ist, zum schönsten Schmetterling
In wenig Wochen wird: – mich wundert’s nicht;
Denn wiss’, auch manche Schöne kriecht
Als Raupe Morgens aus dem Bette,
Und kömmt als Schmetterling von der Toilette.

 

Johannes Aloys Blumauer (1755-1798) österreichischer Schriftsteller
Gedicht aus den Zyklus “Epigramme”, gefunden im Internet

 

2015-07-08_Garten_Schmetterlinge

Fotos Brigitte Fuchs: Raupe und Schmetterling des Schwalbenschwanzes

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 24 Kommentare

Die Konsequenz der Natur…

DSCN4772

Foto Brigitte Fuchs

 

Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der Menschen.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter

Veröffentlicht unter Bilder, Sätze | 12 Kommentare

Ehrlich, aber dumm…

DSCN2640

Foto Brigitte Fuchs

 

Ehrlich, aber dumm (…) ist ein falscher und höchst tadelhafter Spruch. Er ist falsch: denn Ehrlichkeit (Pflichtbeobachtung aus Grundsätzen) ist praktische Vernunft. Er ist höchst tadelhaft: weil er voraussetzt, dass jeder, wenn er sich nur dazu geschickt fühlte, betrügen würde, und, dass er nicht betrügt, bloss von seinem Unvermögen herrühre.

 

Immanuel Kant (1724-1804) deutscher Philosoph der Aufklärung
Aus “Man merkt leicht, dass auch kluge Leute bisweilen faseln” Kant zum Vergnügen, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2003

Veröffentlicht unter Bilder, Texte | 20 Kommentare

ABC-Geschichten 21

DSCN7948-001

Foto und Bearbeitung Brigitte Fuchs

 

Schreiben ist der einzige Beruf,

mit dem man, ohne lächerlich zu wirken,

kein Geld verdienen kann.

 

Jules Renard (1864-1910) französischer Schriftsteller und Aphoristiker
Aus “Warum lesen? Warum nicht?” Gedanken und Sprüche, Diogenes Verlag AG, Zürich 2008

Veröffentlicht unter Bilder, Kapriolen | 26 Kommentare

Dahlien und Astern

Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeeren
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.

(…)

Gustav Falke (1853-1916) deutscher Schriftsteller
Erste Strophe aus dem Gedicht “September”
Text aus dem Internet

 

2015-08-02_Schloss_Wildegg1

Fotos Brigitte Fuchs: Dahlien auf Schloss Wildegg

 

Astern -, schwälende Tage,
Alte Beschwörung, Bann,
Die Götter halten die Waage
Eine zögernde Stunde an.

(…)

 

Gottfried Benn (1886-1956) deutscher Atzt, Lyriker, Expressionist
Erste Strophe aus dem Gedicht “Astern”
Aus: Statische Gedichte, Arche Literatur Verlag, Zürich-Hamburg 1948/1983/2006

Veröffentlicht unter Bilder, Zitate | 17 Kommentare