Ich geh jetzt immer den gleichen Pfad

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Foto Brigitte Fuchs

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Ich geh jetzt immer den gleichen Pfad:
am Garten entlang, wo die Rosen grad
einem sich vorbereiten;
aber ich fühle: noch lang, noch lang
ist das alles nicht mein Empfang,
und ich muss ohne Dank und Klang
ihnen vorüberschreiten.

Ich bin nur der, der den Zug beginnt,
dem die Gaben nicht galten;
bis die kommen, die seliger sind,
lichte, stille Gestalten, -
werden sich alle Rosen im Wind
wie rote Fahnen entfalten.

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Rainer Maria Rilke (1875-1926) Lyriker deutscher Sprache, Schriftsteller und Übersetzer
Aus seinem Frühwerk “Mir zur Feier”

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Innerhalb einer Epoche…

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Foto Brigitte Fuchs: Badeinsel in Zürich

 

Innerhalb einer Epoche gibt es keinen Standpunkt, eine Epoche zu betrachten.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Deutscher Universalgelehrter

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Anagramm-Dreizeiler

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STADTLEBENS-ZONEN.

ABENDSONNE STELZT:

LETZTES SONNENBAD.

 

 

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Fotos und Anagramm: Brigitte Fuchs

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Limerick 39

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Der Zürcher, Herr Held, meint bescheiden,
die Hafenkrankunst könn’ er leiden.
Doch wärs ihm auch schnurz,
wenn Hinz oder Kurz
sie täten vom Sockel wegschneiden…

 

Brigitte Fuchs

 

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Fotos Brigitte Fuchs

 

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Beruhigung

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Foto Brigitte Fuchs: Feldberg im Scharzwald

 

(…)

Nun ist’s geschehen; -
Aus allen Räumen
Hab ich gewonnen
Ein holdes Träumen.
Nun sind umschlossen
Im engsten Ringe,
Im stillsten Herzen
Weltweite Dinge.
Lichtblauer Schleier
Sank nieder leise;
In Liebesweben,
Goldzauberkreise -
Ist nun mein Leben.

Wilhelm Raabe (1831-1910) deutscher Schriftsteller
Zweite Strophe seines Gedichtes “Beruhigung”

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und aber

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Foto Brigitte Fuchs

 

und aber
nein doch
eigentlich
weiss man nie

 
Ernst Bonda, *1923, Schweizer Künstler und Schriftsteller
Aus “Schatten und Begeisterung”, Gedichte, Bonda-Verlag, St. Gallen 2003

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Purpurner Herbst

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Foto Brigitte Fuchs

 

Purpurner Herbst, du wehst und willst nicht sterben,
Du brennst im Ahorn und im Laub der Buche -
Ich aber wandre, einsam auf der Suche
Nach einer Steinbank, die – beschützt von herben

Und roten Blättern – dort am steilen Bruche
Des Hügels steht. Ach, bald werd’ ich das Werben
Des Windes spüren, Wollust und Verderben
Im roten Blätterfall der trunknen Buche.

(…)

Richard B. Matzig (1904-1951) Schweizer Literaturwissenschaftler und Schriftsteller
Anfang des Sonetts “Purpurner Herbst”
Aus “Der enthüllte Stern” Artemis Verlags-AG, Zürich 1950

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Die Musse

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Foto Brigitte Fuchs

(…)

Hab ich zu Hause dann, wo die Bäume das Fenster umsäuseln
Und die Luft mit dem Lichte mir spielt, von menschlichem Leben
Ein erzählendes Blatt zu gutem Ende gelesen:
Leben! Leben der Welt! du liegst wie ein heiliger Wald da,
Sprech ich dann, und es nehme die Axt, wer will, dich zu ebnen,
Glücklich wohn ich in dir.

 

Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Lyriker
Letzte Zeilen seines Gedichtes “Die Musse”
Aus “Werke und Briefe” Hrsg. Friedrich Beissner und Jochen Schmidt. Bd. 1, Gedichte. Hyperion. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1969

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Heuschreck

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Foto Brigitte Fuchs

 

Ich will mich umdrehn,
Heuschreck,
rück!

 

Issa (1763-1852) japanischer Haiku-Dichter
Aus “Auf einen Atemzug” Klassische Haiku, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1996

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Im Meer des Lebens…

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Brigitte Fuchs: Auf dem Niesen

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Im Meer des Lebens,
Meer des Sterbens, in beiden
müde geworden,
sucht meine Seele den Berg,
an dem alle Flut verebbt.

 

Buddhistische Aufschrift auf einer Koto-Zither in der Buddhahalle des “Klosters am Flussbett”, Kawaradera
Text aus “Die Berge”, Gedichte, Hrsg. Dietmar Jaegle, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2012

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