Archiv der Kategorie: Gedichte
Platanen

Foto Brigitte Fuchs
Ständchen
Weisse Mondesnebel schwimmen
Auf den feuchten Wiesenplanen;
Hörst du die Gitarre stimmen
In dem Schatten der Platanen?

Foto Brigitte Fuchs
Dreizehn Lieder sollst du hören,
Dreizehn Lieder frisch gedichtet;
Alle sind, ich kann’s beschwören,
Alle nur an dich gerichtet.

Foto Brigitte Fuchs
An dem zarten schlanken Leibchen
Bis zur Stirne auf und nieder,
Jedes Fünkchen, jedes Stäubchen,
Alles preisen meine Lieder.
Theodor Storm (1817-1888) deutscher Dichter
Text aus dem Internet
Der gute Mond

Fotos Brigitte Fuchs: 19. Februar 2019, morgens
Der gute Mond der stille lässt sich
nicht fangen und auch das Greifen
nach den Sternen ist (so scheint mir)
reine Utopie doch wie sonst soll man
seinen Freunden und Kupferstechern
die gerne Tau aus Blüten bechern
eine hübsche Freude machen –
ich wüsst nicht wie
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, Edition 8, Zürich 2014
Zum Valentinstag

Fotos Brigitte Fuchs
Gedicht in Bi-Sprache
Ibich habibebi dibich,
Lobittebi, sobi liebib.
Habist aubich dubi mibich
Liebib? Neibin, vebirgibib.
Nabih obidebir febirn,
Gobitt seibi dibir gubit.
Meibin Hebirz habit gebirn
Abin dibir gebirubiht.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Aus „Deutsche Unsinnspoesie“, Hrsg. Klaus Peter Dencker, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1978
Eisenbahnen
Foto Brigitte Fuchs: Schluchsee
Du willst mit nüchternem Verstand
das Göttliche beweisen?
Das heisst, nach einem Fabelland
auf Eisenbahnen reisen.
Otto von Leixner (1847-1907), eigentlich Otto von Grünberg, deutscher Novellist und Dichter;
Quelle: Leixner, Aus der Vogelschau, 1890
Gefunden bei Aphorismen.de
Träume

Foto Brigitte Fuchs
(…)
Es sind meine Nächte durchflochten von Träumen,
die blau sind wie Sehnsuchtsweh.
Ich träume, es fallen von allen Bäumen
Flocken von klingendem Schnee.
(…)
Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) deutschsprachige jüdische Dichterin
Eine Strophe ihres Gedichtes „Träume“
Aus „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“ Gedichte, Hrsg. Jürgen Serke, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1980/2005

Foto Brigitte Fuchs
Winterlied
Das Feld ist weiss, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.
(…)

Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Wohlan! auf festgediegner Bahn
Klimm ich den Hügel schnell hinan
Und blicke froh ins Weite
Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.
Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834) Schweizer Dichter
Erste und letzte Strophe seines Gedichtes „Winterlied“
Aus „Gedichte für einen Wintertag“, Hrsg. Gudrun Bull, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007/2009
Schneetag im Napfgebiet
An den Winter

Foto Brigitte Fuchs: Hügelrücken in Menzberg
Willkommen, lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär‘ es Sand!

Foto Brigitte Fuchs: Aussicht von Menzberg (1016 m. ü. M.) bis zum Pilatus
Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Foto Brigitte Fuchs „Strandkorb am Nebelmeer“ eine Idee der Anwohner, siehe auch:
https://www.bls.ch/de/freizeit-und-ferien/ausfluege/heimatland/strandkoerbe-am-nebelmeer
Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt‘ im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!
Elisabeth Kulmann (1808-1825) deutsch-russische Dichterin, die leider viel zu jung verstarb
Gedicht „An den Winter“, gefunden im Internet

Foto Brigitte Fuchs: Blick aufs Dorf Menzberg
Die Schneekönigin

Foto Brigitte Fuchs
Wenn sie die Vorhänge zieht
ist Abend ist Morgen fast immer
fällt Schnee nur noch selten
träumt sie davon die Tasten
einer Registrierkasse zu drücken
Brigitte Fuchs
Aus „Handbuch des Fliegens“ Gedichte, Edition 8, Zürich 2008

Foto Brigitte Fuchs
Winterbild

Foto Brigitte Fuchs
In meinem Zimmer ein paar frische Blumen,
Die allen Wintermissmut mir vertreiben.
Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen
Und guckt dabei zutraulich durch die Scheiben.
In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen,
Damit der strenge Frost sie nicht berühre,
Die Beete wohl verwahrt vor kalten Tagen
Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe.
Hedwig Lachmann (1865-1918) deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Dichterin
Text aus dem Internet
Ich wollt das Lied des Herzens nicht verschweigen

Foto Brigitte Fuchs
Ich wollt das Lied des Herzens nicht verschweigen.
Ich wollt es jubelnd zu den Menschen schmettern,
die bleich am Baume der Erkenntnis klettern,
das Glück vermutend in den kahlen Zweigen.
Ich wollt sie rufen zu den breiten Küsten,
an die des Meeres Wellen silbern schlagen.
Ich wollt sie lehren leichte Schultern tragen
und freien Sinn in übermüt’gen Brüsten.
Ich stoss ins Horn. Noch einmal. – Doch ich staune:
die Menschen lachen, die ich wecken wollte,
als ob ein Misston in die Lüfte rollte. –
Es muss ein Sandkorn sein in der Posaune.
Erich Mühsam (1878-1934) deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist)
Sonett, gefunden auf der Internet-Plattform Gutenberg.de
