Archiv der Kategorie: Gedichte

Ein fernes Glück

Foto Brigitte Fuchs: Das Werk „en vent“, 2006/2018, Chromnickelstahl, der Schweizer Künstlerin Ursula Rutishauser,
zu sehen in der Skulpturen-Ausstellung „gleicher Ort – selbe Zeit“ im Reusspark, Niederwil/Gnadenthal, Aargau

 

(…)

Manchmal sind die Gedanken

ein weisses seidenes Trägerhemd

das im Astwerk unserer Träume hängt

und das wir uns aufheben

für ein fernes Glück

 

Brigitte Fuchs

Sequenz aus dem noch unveröffentlichten Gedicht „Ein fernes Glück“

 

 

Foto Brigitte Fuchs: Detail aus „en vent“, 2006/2018, Chromnickelstahl, der Schweizer Künstlerin Ursula Rutishauser,
zu sehen in der Skulpturen-Ausstellung „gleicher Ort – selbe Zeit“ im Reusspark, Niederwil/Gnadenthal, Aargau

 

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Ein paar Atemzüge Rast…

Foto Brigitte Fuchs

 

In der dunkelblauen Stunde
hältst Du nach des Tages Hast
vor der Nacht in schrillen Farben
ein paar Atemzüge Rast.

Deinen Träumen wachsen Flügel,
Du entfliehst der Wirklichkeit,
brauchst, bevor die Nacht Dich einfängt,
einen Wimpernschlag lang Zeit.

 

(…)

 

Katrin Stephan, deutsche Autorin, die den Blog „Besinnlich.de“ betreibt
Die ersten zwei Strophen aus ihrem Gedicht „Tiefblaue Stunde“
gelesen unter „Mira“ in einem Kommentar
Hier eingestellt mit dem Einverständnis der Autorin

Siehe auch „Mira Wunders wunderbare Welt“ unter: https://besinnlich.de/

 

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Morgen

Fotos Brigitte Fuchs

 

So oft die Sonne aufersteht,
Erneuert sich mein Hoffen
Und bleibet, bis sie untergeht,
Wie eine Blume offen;
Dann schlummert es ermattet
Im dunklen Schatten ein,
Doch eilig wacht es wieder auf
Mit ihrem ersten Schein.

 

Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller und Dichter
Erste Strophe seines Gedichtes „Morgen“
Text aus dem Internet

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Der Kirschenbaum

 

Heut hatt‘ ich einen Kindertraum.
Sein Inhalt war: ein Kirschenbaum,
Sonst nichts. Der war so kirschenschwer,
Man sah von seinem Grün nichts mehr.

 

 

Der rote Baum stand ganz allein
Und strahlte nur von Sonnenschein.
Die Kirschen waren wie aus Glas,
Was für ein heller Glanz war das!

 

 

Wie ich so in die Kirschen guck‘,
Aus jeder Kirsche, wie ein Spuk,
In kirschen-, kirschenrotem Licht
Lacht mir entgegen mein Gesicht.

 

 

Zehntausend Kirschen sicherlich,
Nicht übertrieben, zählte ich;
Nun stellt euch vor, zehntausendmal
Lacht‘ ich mich an im Sonnenstrahl!

 

 

Da ich schon lange aufgewacht,
Hab‘ ich noch vor mich hingelacht
Und lag und lag noch halb im Traum
Und lachte in den Kirschenbaum.

 

Hugo Salus (1866-1929) Arzt und deutschsprachiger Schriftsteller in Prag
Gedicht aus der Sammlung „Reigen“
gefunden bei der Deutschen Gedichtebibliothek

 

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Ein Lied

Foto Brigitte Fuchs: Gartenanlage beim Kloster Wettingen

 

 

Ein Lied, das der berühmte Philosoph Haeckel am 3. Juli 1911 vormittags auf einer Gartenpromenade vor sich hinsang

(Von einem Ohrenzeugen.)

 

Wimmbamm Bumm

Wimm Bammbumm

Wimm Bamm Bumm

 

Wimm Bammbumm

Wimm Bamm Bumm

Wimmbamm Bumm

 

Wimm Bamm Bumm

Wimmbamm Bumm

Wimm Bammbumm.

 

Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer

Aus „Die Schnupftabaksdose“ Stumpfsinn in Versen und Bildern von Hans Bötticher und R.J.M Seewald, R.Piper & Co, München 1912

 

Foto Brigitte Fuchs: Gartenanlage beim Kloster Wettingen

 

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Ich bin der Juli

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Grüss Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?
Kaum weiss ich, was ich noch schaffen soll,
Die Ähren sind zum Bersten voll;
Reif sind die Beeren, die blauen und roten,
Saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.

So habe ich ziemlich wenig zu tun,
Darf nun ein bisschen im Schatten ruh’n.
Duftender Lindenbaum,
Rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

 

Paula Dehmel (1862-1918) deutsche Schriftstellerin und Kinderbuchautorin
Aus „Das Jahr und die Monate“ ein Festspiel
Text aus dem Internet

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Noch einmal

Fotos Brigitte Fuchs: Brienzer Rothorn, gestern, am 28.6.2018 (leider nicht so sonnig und klar wie vor zwei Jahren)

 

Noch einmal ein flüchtiger Wandergesell –
Wie jagen die schäumenden Bäche so hell,
Wie leuchtet der Schnee an den Wänden so grell!

Hier oben mischet der himmlische Schenk
Aus Norden und Süden der Lüfte Getränk,
Ich schlürf es und werde der Jugend gedenk.

O Atem der Berge, beglückender Hauch!
Ihr blutigen Rosen am hangenden Strauch,
Ihr Hütten mit bläulich gekräuseltem Rauch –

 

Fotos Fuchs: So sah es vor knapp zwei Jahren am 17.7.2016 auf dem Brienzer Rothorn aus

 

Den eben noch schleiernder Nebel verwebt,
Der Himmel, er öffnet sich innig und lebt,
Wie ruhig der Aar in dem strahlenden schwebt!

Und mein Herz, das er trägt in befiederter Brust,
Es wird sich der göttlichen Nähe bewusst,
Es freut sich des Himmels und zittert vor Lust –

Ich sehe dich, Jäger, ich seh dich genau,
Den Felsen umschleichest du grau auf dem Grau,
Jetzt richtest empor du das Rohr in das Blau –

Zu Tale zu steigen, das wäre mir Schmerz –
Entsende, du Schütze, entsende das Erz!
Jetzt bin ich ein Seliger! Triff mich ins Herz!

 

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) Schweizer Dichter
Text gefunden im Internet

 

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Schilf und Weiden

Foto Brigitte Fuchs: Aare bei Aarau

 

(…)

Es fehlt dem Strande nicht an Schilf und Weiden,
An Netzen nicht, die in der Sonne hängen,
An heitern Dörfern nicht zu beiden Seiten,
Wo Schiffe ruhn, woran sich Kähne drängen;
Nicht fehlt’s an Kindern, die im Sande spielen,
An Menschen nicht, die hier sich glücklich fühlen.

(…)

 

Johann Peter Eckermann (1792-1854) deutscher Dichter Schriftsteller und enger Vertrauter Goethes
Eine Strophe seines Langgedichtes „Die Heimat“, worin er die Elbe besingt.
Text aus dem Internet

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Die Schaukel

Foto Brigitte Fuchs

 

Wie schön sich zu wiegen,
Die Luft zu durchfliegen
Am blühenden Baum!
Bald vorwärts vorüber,
Bald rückwärts hinüber, –
Es ist wie ein Traum!

Die Ohren, sie brausen,
Die Haare, sie sausen
Und wehen hintan!
Ich schwebe und steige
Bis hoch in die Zweige
Des Baumes hinan.

Wie Vögel sich wiegen,
Sich schwingen und fliegen
Im luftigen Hauch:
Bald hin und bald wieder,
Hinauf und hernieder,
So fliege ich auch!

 

Heinrich Seidel (1842-1906) deutscher Ingenieur und Schriftsteller
Text aus dem Internet

 

Foto Brigitte Fuchs

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Sommersonnenwende

Foto Brigitte Fuchs

 

Süsse Ruh, süsser Taumel im Gras,
Von des Krautes Arom‘ umhaucht,
Tiefe Flut, tief, tief trunkne Flut,
Wenn die Wolke am Azure verraucht,
Wenn aufs müde schwimmende Haupt
Süsses Lachen gaukelt herab,
Liebe Stimme säuselt und träuft
Wie die Lindenblüt‘ auf ein Grab.

(…)

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Dennoch, Himmel, immer mir nur
Dieses eine nur: für das Lied
Jedes freien Vogels im Blau
Eine Seele, die mit ihm zieht,
Nur für jeden kärglichen Strahl
Meinen farbig schillernden Saum,
Jeder warmen Hand meinen Druck
Und für jedes Glück einen Traum.

 

 

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) deutsche Dichterin, Schriftstellerin und Komponistin
Erste und letzte Strophe des vierstrophigen Gedichtes „Im Grase“
Aus „Sommergedichte“, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2001, 2012

 

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