Archiv der Kategorie: Gedichte
Vermächtnis
Fotos Brigitte Fuchs
Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!
Das Ew’ge regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
Das Sein ist ewig: denn Gesetze
Bewahren die lebend’gen Schätze,
Aus welchen sich das All geschmückt.
(…)
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Universalgelehrter
1. Strophe aus seinem Gedicht „Vermächtnis“ (1829)
Fotos Brigitte Fuchs
Oh stört sie nicht
Foto Brigitte Fuchs
Oh stört sie nicht
die Stille,
die Andacht der Natur.
Es ist die Zeit
der Harmonie,
der Besinnung,
Zeit
ohne Ende…
Kurt Haberstich, *1948, Schweizer Autor, Aphoristiker und Lyriker
Aus „BE-SINNLICHKEIT“ Gedichte und Aphorismen, Verlag „Der Landanzeiger“, Oberentfelden 1990
Text eingestellt mit der Erlaubnis des Autors
Siehe auch:
http://www.kurthaberstich.ch/
Foto Brigitte Fuchs: Schloss Habsburg vor einem Quellwolken-Gebirge
Löwenzahnwiese
Fotos Brigitte Fuchs
Die goldene Pracht hat ausgeblüht.
Die kleinen Sonnen sind verblüht.
In silbernen Laternchen glimmt
ihr Licht, bevor es Abschied nimmt,
bevor der Wind es rund verweht
und neue goldene Sonnen sät.
Dr. Owlglass, eigentlich Hans Erich Blaich (1873-1945) deutscher Arzt, Schriftsteller und Lyriker
Gedicht aus dem Internet
Besitz
Gärten im Mattequartier in Bern
.
Grosser Garten liegt erschlossen,
Weite schweigende Terrassen.
Müsst mich alle Teile kennen,
Jeden Teil geniessen lassen!
Schauen auf vom Blumenboden,
Auf zum Himmel durch Gezweige,
Längs dem Bach ins Fremde schreiten!
Niederwandeln sanfte Neige:
Dann, erst dann komm ich zum Weiher,
Der in stiller Mitte spiegelt,
Mir des Gartens ganze Freude
Träumerisch vereint entriegelt.
Aber solchen Vollbesitzes
Tiefe Blicke sind so selten!
Zwischen Finden und Verlieren
Müssen sie als göttlich gelten.
All in einem, Kern und Schale,
Dieses Glück gehört dem Traum …
Tief begreifen und besitzen!
Hat dies wo im Leben Raum? …
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) österreichischer Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker
Gelesen „Im Garten“ Gedichte, Hrsg. Andrea Wüstner, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2006
Weiter, weiter – unermüdlich
Foto Brigitte Fuchs
Weiter, weiter – unermüdlich!
Westlich, östlich; nördlich, südlich.
Suche, Seele, suche!
Suche nur, kannst doch nichts finden!
Sonnen strahlen, Sonnen schwinden.
Fluche, Seele, fluche!
(…)
Erich Mühsam (1878-1934) deutscher Schriftsteller und Publizist
Erste Strophe des vierstrophigen gleichnamigen Gedichtes
Aus „So knallvergnügt“ Hundert Gedichte über das Glück, Hrsg. Jürgen Engler, Aufbau Verlag, Berlin 2011
Mütter
Foto Brigitte Fuchs
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jede kann mitreden
die alten wollen nicht so werden wie sie
für die jungen ist sie ein vorbild
verkannt marginalisiert
wie die letzten künstler
arbeiten sie nicht für geld
Eva Christina Zeller, *1960, deutsche Journalistin, Autorin und Lyrikerin
Aus „Mütter“ 133 Kurzgedichte, blue notes, edition ebersbach, Berlin 2006
Text eingestellt mit der Erlaubnis der Autorin
P.S. Per Link auf die Website der Autorin kann das inzwischen vergriffene Buch „Mütter“ allenfalls noch direkt bei Eva Christina Zeller bestellt werden:
http://eva-christina-zeller.de/
Foto Brigitte Fuchs
Wohin ich schaue
Foto Brigitte Fuchs
Wohin ich schaue, Wunder über Wunder,
Wohin ich lausche, alles wunderbar.
Ihr sprecht von Sinn, Gesetz und von gesunder
Vernunft: Ihr schaukelt zwischen falsch und wahr!
Mich hat als Kind das Wunder tief getroffen!
Ich schlug es tot, weil’s mir die Ruh‘ vergällt.
Nun halt ich wieder Kinderaugen offen
Und weiss, das Wunder ist der Grund der Welt.
Jakob Bosshart (1862-1924) Schweizer Lehrer, Schriftsteller und Philologe
Gedicht aus dem Internet
Foto Brigitte Fuchs
Morgen wieder
Foto Brigitte Fuchs
Flüstern da nicht Baum und Flieder,
Strauch und Rohr? –
„Morgen wieder, morgen wieder!“
Hallt es an mein Ohr.
Johann Nepomuk Vogl (1802-1866) österreichischer Schriftsteller, Lyriker und Publizist
Eine Strophe aus seinem Gedicht „Morgen wieder“
Quelle: „Lyrische Blätter“, bei Rohrmann und Schweigerd, k.k. Hofbuchhändlern, Wien 1836
Text gefunden im Internet
Foto Brigitte Fuchs
Flugverkehr
Fotos Brigitte Fuchs
Aus der Vogelkunde
Ich spreche von Flugmaschinen.
Sie summen lauter als Bienen
Und sind eine Kreuzung von Taube,
Ente, Maikäfer und Schiffsschraube.
Sie nisten einzeln, paar- und gruppen-
Weise in Hallen und Schuppen.
Ich habe persönlich festgestellt:
Sie bringen lebendige Junge zur Welt,
Die wie Menschen aussehn,
Wenn sie aus ihnen herausgehn.
Auch legen sie Eier und brüten
Im Krieg. Zeus möge das künftig verhüten.
Ihre Nahrung sind Menschen, Koffer, Benzin
Und Zeitungen aus Berlin.
Sie sind über die ganze Welt
Verbreitet und sehr zahm auch in Freiheit.
Außerdem sind sie der Polizeiheit
Und der Zollbehördlichkeit unterstellt.
Volkstümlich nennt man sie schlechthin Maschinen.
Ich könnte Ihnen mit Näherem dienen,
Aber ich verlange dafür
Eine Flugzeugengebühr.
Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Aus „Flugzeuggedanken“ Sonderdruck für die Deutsche Lufthansa AG mit Zeichnungen von Joachim Ringelnatz um 1970 (aus der Ringelnatz-Gesamtausgabe im Henssel Verlag, Berlin)
Foto Brigitte Fuchs
Und dann noch ein paar Zeilen von Rainer Brambach:
Das blaue Band, wie Mörike es sah,
flatternd in den Lüften, wo?
Ich sehe Kondensstreifen
quer über den Himmel gezogen –
(…)
Rainer Brambach (1917-1983) Schweizer Schriftsteller und Lyriker
Aus „Auch im April“ Gedichte, Diogenes Verlag AG, Zürich 1983
Der Mai ist gekommen
Foto Brigitte Fuchs: blühende Bäume im Fricktal
Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.
(…)
Foto Brigitte Fuchs: blühnde Bäume im Fricktal
Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all –
mein Herz ist wie ´ne Lerche und stimmet ein mit Schall.
(…)
Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Dichter
Zwei Strophen seines gleichnamigen sechsstrophigen Gedichtes
Foto Brigitte Fuchs



















