Archiv der Kategorie: Gedichte

O schöne Blume

Foto Brigitte Fuchs

 

O schöne Blume, die wir finden,
Da alle sonst der Frost geraubt.
Den Sieg des Lichtes zu verkünden,
Erhebst du überm Schnee das Haupt.

 

 

Johannes Trojan (1837-1915) deutscher Redakteur, Schriftsteller und Kinderbuchautor

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Programm

Foto und Beschriftung Brigitte Fuchs

 

 

Kein rückwärts schauender Prophet,
Geblendet durch unfassliche Idole,
Modern sei der Poet,
Modern vom Scheitel bis zur Sohle!

 

 

Arno Holz (1863-1929) deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Kino

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Kino

Noch lässt sich diese Menschheit nicht begraben,
noch kann’s im Fortschritt weiter gehn.
Erst wenn sie sich ganz und gar im Film gesehn,
dann wird sie am Ende genug von sich haben.

 

 

Karl Kraus (1874-1936) österreichischer Schriftsteller, Publizist und Satiriker

 

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Am Opferherd

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Komm an mein Feuer, mein Weib,
es ist kalt in der Welt.
Komm an mein Feuer und lege
dein Ohr an mein Herz.
Komm an mein Feuer und mache aus meinen Händen
eine leuchtende Schale für die Wärme
die wir – o wir, mein Weib – verschwenden
an die Welt …

 

 

Richard Dehmel (1863-1920) deutscher Schriftsteller und Lyriker

 

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Frühlingsahnung

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Nun steht daheim der Weissdornstrauch
In ersten Knospentrieben:
Und durch die Lüfte weht ein Hauch
Von leisem Lenz und Lieben.

Nun singt daheim im Abendrot
Die Amsel auf dem Flieder:
»Vergesst des Winters bange Not:
Bald büh’n die Veilchen wieder.«

Hier starrt noch ringsum Frost und Eis:
Und doch, mit Südlandstrieben,
Durch meine Seele wogt es leis,
Ganz leis, wie Lenz und Lieben.

 

 

Felix Dahn (1834-1912) deutscher Jurist, Schriftsteller und Historiker

 

Foto Brigitte Fuchs

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Winterlust

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiss;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!

Doch meint er`s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker schämet euch,
kommt nur heraus, tut es uns gleich.

Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an.

 

Robert Reinick (1805-1852) deutscher Maler und Dichter

 

Fotos Brigitte Fuchs: Schloss Hallwyl und Umgebung

 

 

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An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang

Foto Brigitte Fuchs

 

 

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!
Welch neue Welt bewegest du in mir?
Was ists, dass ich auf einmal nun in dir
Von sanfter Wollust meines Daseins glühe?

Einem Kristall gleicht meine Seele nun,
Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;
Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,
Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,
Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft
Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.

Bei hellen Augen glaub ich doch zu schwanken;
Ich schliesse sie, dass nicht der Traum entweiche.
Seh ich hinab in lichte Feenreiche?
Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken
Zur Pforte meines Herzens hergeladen,
Die glänzend sich in diesem Busen baden,
Goldfarbgen Fischlein gleich im Gartenteiche?

(…)

 

Eduard Mörike (1804-1875) deutscher Dichter
Erste drei von sieben Strophen des gleichnamigen Gedichtes

 

 

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Schnee

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Es schneit

Der erste Schnee, weich und dicht,
Die ersten wirbelnden Flocken.
Die Kinder drängen ihr Gesicht
Ans Fenster und frohlocken.

Da wird nun das letzte bisschen Grün
Leise, leise begraben.
Aber die jungen Wangen glühn,
Sie wollen den Winter haben.

Schlittenfahrt und Schellenklang
Und Schneebälle um die Ohren!
– Kinderglück, wo bist du? Lang,
Lang verschneit und erfroren.

Fallen die Flocken weich und dicht,
Stehen wir wohl erschrocken,
Aber die Kleinen begreifens nicht,
Glänzen vor Glück und frohlocken.

 

 

Gustav Falke (1853-1916) deutscher Schriftsteller

 

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Schiff 1931

Foto Brigitte Fuchs: Dachverzierungen in München, fotografiert 2012

 

Wir haben keinen günstigen Wind.
Indem wir die Richtung verlieren,
Wissen wir doch, wo wir sind.
Aber wir frieren.

Und die darüber erhaben sind,
Die sollten nicht allzuviel lachen.
Denn sie werden nicht lachen, wenn sie blind
Eines Morgens erwachen.

Das Schiff, auf dem ich heute bin,
Treibt jetzt in die uferlose,
In die offene See. — Fragt ihr: „Wohin?“
Ich bin nur ein Matrose.

 

Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer

 

Foto Fuchs

 

 

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Winter

Fotos Brigitte Fuchs: am Sempachersee

 

Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.

Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende,
Wie einer Frage Ton, dass dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.

 

Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Auszug aus seinem Langgedicht „Winter“

 

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