Archiv der Kategorie: Gedichte
Am See

Es lockt der See an schwülen Tagen
zum Schwimmen, Paddeln und Flanieren.
Mit Brettern, Booten, Gummitieren
kann man sich auf die Wellen wagen.

Auf seichtem Grund im Sand, im hellen,
da tummeln Fische sich und spielen.
Ob sie auch auf den Angler schielen?
Im Schilf vergnügen sich Libellen.

Alle Fotos Brigitte Fuchs
Gefällt, versunken liegt ein Baum.
Dort dösen Enten. Gut versteckt
im Boot ein Pärchen, das sich neckt…
Ein Storch durchmisst die Zeit, den Raum.
Brigitte Fuchs
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September
Fotos Brigitte Fuchs
Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeeren
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.
Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen,
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn
Den Wangen gleich der muntren Bauerdirnen,
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.
Noch hauchen Rosen ihre süssen Düfte,
Und freuen Falter sich im Sonnenschein,
Und schiessen Schwalben durch die lauen Lüfte,
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.
Nur ab und an, kaum dass der Wind die Äste
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt,
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.
Gustav Falke (1853-1916) deutscher Schriftsteller
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Schattenküsse, Schattenliebe

Fotos Brigitte Fuchs
Schattenküsse, Schattenliebe,
Schattenleben, wunderbar!
Glaubst du, Närrin, alles bliebe
Unverändert, ewig wahr?
Was wir lieblich fest besessen,
Schwindet hin, wie Träumerein,
Und die Herzen, die vergessen,
Und die Augen schlafen ein.
Heinrich Heine (1797-1856) deutscher Dichter und Schriftsteller
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Aller Tage
Foto Brigitte Fuchs: Plakataushang in Full-Reuenthal
Frau Horwath liebt das Leben. Solange es
an mir hängt sagt sie und klopft den Staub
aus Horwaths Kittel. Das Erinnern hebt sie
sich für später auf wie die Verabredungen der
Männer. Die Villa im Park steht seit Monaten
zum Verkauf. Abends spielt Frau Horwath mit
der intakten Hand Klavier: Mozart Chopin
Liszt. Rings in den Blumenbeeten propagiert
der Sommer seinen Sinn für Schönheit.
Brigitte Fuchs
Aus „Handbuch des Fliegens“ Gedichte, edition 8, Zürich 2008
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Klostergarten
Fotos Brigitte Fuchs: Klostergarten beim ehemaligen Kloster Wettingen, Aargau
Als im Garten soeben
Ich mich erging,
Und über Tod und Leben
In Gedanken hing:
Tat gar lustig daneben
Ein bunter Schmetterling
Von Blume zu Blume hinschweben.
Johann Meyer (1829-1904) deutscher Schriftsteller (schrieb auch in Plattdeutsch), Lehrer und Redakteur

Foto Brigitte Fuchs: Schwalbenschwanz auf Eisenkraut im Klostergarten
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Heimweg

Foto Brigitte Fuchs:
Strassenschild in Laufenburg zu Ehren von Ignaz Heim (1818-1880) Förderer des Volksgesanges und Bürger von Laufenburg
An klaren Bächen wandr‘ ich hin,
Durch buntgeblümte, duft’ge Wiesen:
Wie Bienen summen, also träumt mein Sinn,
Genoss’ne Lust noch einmal zu geniessen.
Des Weges Richtung kenn‘ ich schlecht,
Ich frage mich von Ort zu Orte weiter,
Und geh‘ ich auch nicht immer recht,
Es kümmert nicht den rüst’gen Schreiter.
Woher ich komme, riss ich schwer mich los,
Wohin ich gehe, zieht mich kein Verlangen:
So war am Ende der Verdruss nicht gross,
Käm‘ ich dahin zurück, von wo ich ausgegangen.
David Friedrich Strauss (1808-1874) deutscher Schriftsteller, Philosoph und Theologe
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Die Wüste

Foto Brigitte Fuchs
Dass sie sich hier
nicht endlos ausbreitet
staubrot und karg
das heisst ja nicht
dass es sie nicht gibt
meine Wüste ist klein
ich teile die Sonne mit ihr
und den Garten
Mein Geplätscher
verweigert sie
meine wortgrüne Saat
erstickt sie im Keim und
wer sagt dass sie sich nicht
irgendwann ausbreitet hier
buchstäblich um den Garten
streitet mit mir
Brigitte Fuchs
Aus „Das Blaue vom Himmel oder ich lebe jetzt“, Gedichte, Glendyn Verlag, Aarau 1993

Foto Brigitte Fuchs
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Schön wärs mal wieder…
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Da sank, in Dunkel eingehüllt,
Die Sonn‘ am Wald hinab,
Und Regen rauschte kühl und mild
Aufs dürre Feld herab;
Nun freuet alles dankbarlich
Des neugeschenkten Lebens sich.
Wie frisch erhebt der Halm sein Haupt,
Wie prangt der Flachs so blau!
Wie steht der Baum so neubelaubt,
Und glänzendgrün die Au‘!
Und welch ein übersüsser Duft
Füllt rings umher die kühle Luft.
(…)
Johann Martin Miller (1750-1814) deutscher Theologe und Schriftsteller
Zwei Strophen aus dem achtstrophigen Gedicht „Lied der Bauern beim Regen“

Foto Brigitte Fuchs
Leider ist das im Moment nur Wunschdenken…
Alles ist trocken, dürr oder welk.
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Stein der Weisen

Foto Brigitte Fuchs
Wenn hundert Menschen ihre Freude laut bekunden,
dann ärgert sich der Hunderteinste ganz bestimmt.
Der Stein der Weisen ist noch immer nicht gefunden –
und zwar der Stein, an welchem niemand Anstoss nimmt.
Fred Endrikat (1890-1942) deutscher Dichter, Schriftsteller und Kabarettist
Der „Stein der Weisen“ ist eines seiner Spruchgedichte

Fotos Brigitte Fuchs: Steintummelplatz im Seleger Moor
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Alles reift…

Fotos Brigitte Fuchs
Nicht in alle Ewigkeit
Geht, was wir getan, zugrunde.
Alles reift zu seiner Zeit
Und wird Frucht zu seiner Stunde
Aus der Schrift „Divyavadana“, Indien 2./3. Jh.

Fotos Brigitte Fuchs
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