Archiv der Kategorie: Gedichte
Botschaften

Fotos Brigitte Fuchs. Text rechts oben, „Send lieb zonenand“ in Schriftsprache übersetzt: „Seid lieb zueinander“; unten links: „Nicht vergessen / Hab dich lieb!“.
Das ist der Liebe eigen,
Mit Worten muss sie schweigen;
Sie spricht mit süssen Zeichen
Von Dingen ohne Gleichen.
(…)
So webt in stummen Zeichen
Sich Botschaft sonder Gleichen;
Von Herz zu Herzen geht sie,
Doch nur, wer liebt, versteht sie.
Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Lyriker und Dramatiker
Erste und letzte Strophe seines Gedichtes „Das ist der Liebe eigen“
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Aufbruch
Fotos Brigitte Fuchs
So geh hinaus, lass Altes ruhn,
der Frühling kennt kein Zögern mehr –
wer aufbricht, kann nur eines tun:
dem Werden trauen, leicht und schwer.
Gedicht von Unbekannt
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Glück
Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee bei Birrwil
Glück — du hältst es in den Händen
Eine kleine Ewigkeit,
Meinst, es könne niemals enden,
In dem Schlund: Vergessenheit.
Und kaum hast du’s ausgerufen,
Rauscht schon eine Welle her,
Spült es über deine Stufen
In das weite graue Meer.
Aber nachts in stillster Stunde,
Wenn das Meer im Schlafe spricht,
Steigt aus seinem tiefen Grunde
Ferneklar ein mildes Licht:
Blaues Gold durchglänzt die Welle,
Das befreit von Erde sinkt,
Leuchtet bis zu deiner Schwelle,
Und dein Auge trinkt und trinkt.
Emanuel von Bodman (1874-1946) deutscher Dichter und Schriftsteller
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Das Bilderbuch
Fotos Brigitte Fuchs
Von der Poesie sucht Kunde
Mancher im gelehrten Buch,
Nur des Lebens schöne Runde
Lehret dich den Zauberspruch;
Doch in stillgeweihter Stunde
Will das Buch erschlossen sein,
Und so blick ich heut hinein,
Wie ein Kind im Frühlingswetter
Fröhlich Bilderbücher blättert,
Und es schweift der Sonnenschein
Auf den buntgemalten Lettern,
Und gelinde weht der Wind
Durch die Blumen, durch das Herz
Alte Freuden, alten Schmerz —
Weinen möcht ich, wie ein Kind!
Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Dichter und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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Albumblatt

Fotos Brigitte Fuchs: Schachbrettblumen
Ist gleich, seit ich dich kenne,
Fast nur ein Augenblick,
Doch, wenn ich wert dich nenne,
Nehm‘ ich es nicht zurück.
Denn flüchtig in Sekunden
Trifft das Geschick,
Was Jahre nicht gefunden,
Gibt im Moment das Glück.
Zwar ird’scher Werke Meister
Webt lebenlang am Stück,
Für Herzen und für Geister
Regiert der Augenblick.
Franz Grillparzer (1791-1872) österreichischer Schriftsteller und Dramatiker
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Ich möchte leben.
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Ich möchte leben.
Schau, das Leben ist so bunt.
Es sind so viele schöne Bälle drin.
Und viele Lippen warten, lachen, glühn
und tuen ihre Freude kund.
Sieh nur die Strasse, wie sie steigt:
so breit und hell, als warte sie auf mich.
Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich.
Der Wind rauscht rufend durch den Wald,
er sagt mir, dass das Leben singt.
Die Luft ist leise, zart und kalt,
die ferne Pappel winkt und winkt.
(…)
Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) Deutsche Dichterin
Eine Strophe aus ihrem Langgedicht „Poem“
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Kleine Lerche

Foto Brigitte Fuchs
Kleine Lerche, du steigst
singend auf luftiger Bahn
fröhlich himmelan;
aber wie hoch die Schwinge dich trug,
immer neigst
schweigend du wieder
deinen Flug
tief zur Erde nieder,
müde verlangend nach Ruh.
Lerche, mein Bild bist du.
Julius Sturm (1816-1896) deutscher Dichter und Liedtexter
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Frühling überall
Fotos Brigitte Fuchs
Lass andre ziehn den Bergen zu,
den Frühling zu erschauen,
wir wollen uns daheim in Ruh
an seiner Pracht erfreuen.
Und wär’s auch nur den Weg entlang
am Damm der Eisenschienen.
Wie ruht sich’s wohl auf blum’gem Hang,
umsummt von wilden Bienen.
Und wär’s auch nur den Pfad entlang
an Murmelbaches Rauschen.
Wie stimmt es froh, dem Vogelsang
bei jedem Busch zu lauschen!
Martin Greif (1839-1911) deutscher Dichter
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Karwoche
Foto Brigitte Fuchs
O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne
Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde …
(…)
Eduard Mörike (1804-1875) deutscher Dichter
Erste Strophe seines Gedichtes „Karwoche“
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Alle Birken grünen
Foto Brigitte Fuchs
Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.
Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weissflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.
Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.
Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.
Hermann Löns (1866-1914) deutscher Journalist und Schriftsteller

Foto Brigitte Fuchs
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