Archiv der Kategorie: Gedichte

Am Ufer der Aare „Am Aarebort“

Fotos Brigitte Fuchs: An der Aare bei Aarau

 

(…)

Am Aarebort händ d Wälle gwüehlt und gwalet,
Es ewigs uf und ab, sind z gumpe cho
Vo wytem und vo nochem. Witt si neh,
So sind si scho vergangen und verruscht.
S Mareili und sis Schwöschterli sind iez
Am Ufer ghocket, händ di blutte Füess
Is Wasser gha und no de Stäine gstupft.
„Mareili, lueg ä, wi si suber wärde!“
Het s Anni grüeft und wüetig mit de Hände
Die brune Zähje wyss und glänzig gribe.
Iez uf und s Röckli ab! Es springt im Hömli
Uf Gras und Sand und übers Aarechees,
Und d Schwöschter het s no gschwind am Hor verwütscht:
„Zieh emel s Hömli ab, wen d bade wit!
Lue, d Sunne schaffet nümmen über d Zyt.“

(…)

 

Paul Haller (1882-1920) Schweizer Mundartdichter
Auszug aus dem Mundartepos „s’Juramareili“, Gedicht in Aargauer Mundart, Verlag Sauerländer, Aarau, 1. Auflage 1912

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 16 Kommentare

Hochsommer

Fotos Brigitte Fuchs

 

Der mit Sätzen übertünchte
Nachmittag nichts als Broschur

Die Hitze knallt Bälle an die Wand

Am Telefon ein Weinhändler
Nein danke das schenkt so nicht ein

Schweigeviertelstunden legen sich
als Goldstaub aufs Denken

Im Hut faul und geizig der Zauber

Selbst die Fliegen beschränken
sich zur Zeit auf Kurzstrecken

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“ Gedichte, edition 8, Zürich 2014

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 26 Kommentare

Feuerlilie

Foto Brigitte Fuchs

 

Ich bin die Feuerlilie,
Die Wilde der Familie. –
Bin hoch und schlank,
Bin flammenbraun
Und gucke über
Den Gartenzaun.

Ich bin die Feuerlilie,
Die Wilde der Familie. –
Ich will die Welt
Da draussen sehn –
Komm nimm mich, Windchen,
Und tu mir schön!

Ich bin die Feuerlilie,
Die Wilde der Familie. –
Meine Schwestern weiss
Sind Klosterfraun,
Die goldenen Blickes
Zum Lichte schaun.

Ich bin die Feuerlilie,
Die Wilde der Familie. –
Mein Sein ist kurz,
Ist Lust und Glut –
Rasch will ich sterben,
So find‘ ich’s gut. –
Ich bin die Feuerlilie!

 

Leonie Meyerhof-Hildeck (1858-1933)
Deutsche Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Bühnenautorin und Frauenrechtlerin
Text aus dem Internet

 

Foto Brigitte Fuchs

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 26 Kommentare

Rosenzeit

Foto Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Das ist ein Flüstern, ist ein Kosen,
Das ist der Liebe süsse Macht,
Und überall sind auch die Rosen
Im grünen Strauch‘ schon aufgewacht.

Und sollte meine Tat es sprechen,
Wie du mir lieb bist, du allein,
Ich müsste alle, alle brechen
Und dir sie vor die Füsse streu’n!

 

Johann Meyer (1829-1904) deutscher Dichter
Zwei Strophen aus seinem Gedicht „Rosenzeit“
Text aus dem Internet

 

Foto Brigitte Fuchs

 

Rosenzeit auf Schloss Heidegg

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 14 Kommentare

Rat einer Alten

Fotos Brigitte Fuchs

 

Bin jung gewesen,
Kann auch mitreden,
Und alt geworden,
Drum gilt mein Wort.

Schöne reife Beeren
Am Bäumchen hangen:
Nachbar, da hilft kein
Zaun um den Garten;
Lustige Vögel
Wissen den Weg.

(…)

 

Eduard Mörike (1804-1875) deutscher Dichter
Erste zwei Strophen seiner Ballade „Rat einer Alten“

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 28 Kommentare

Wanderer am See

Fotos Brigitte Fuchs: Sempachersee

 

 

Hitze bedrängt die Gebirge; doch hier wohnt liebliche Kühlung,
Hier, wo gelind, anwogt luftig erhobene Flut,
Und die Gebüsch’ allrings vieldurstiger Elsen am Ufer
Säuselen. Hier, Anmut, rosige, wallst du dahin
Durch Vergissmeinnicht und Schilf und bläuliche Glöcklein,
Welche im Abendwind freundliche Grüsse genug
Sich zunicken umher, und viel’ unschuldige Küsse
Küssen, in hohes Klee’s duftige Blüte gebückt.
Sehn Verliebte die Lust, wenn umarmt im
Grase sie lauschen:

(…)

 

Friedrich Heinrich Bothe (wahrscheinlich 1771-1855) deutscher Dichter, Philolog und Privatgelehrter
Anfangszeilen aus seinem Gedicht „Wanderer am See“
Text aus den Imternet

 

Fotos Brigitte Fuchs

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 20 Kommentare

Ein Wunsch

Fotos Brigitte Fuchs: Schlossgarten des Schlosses Heidegg/LU

 

 

Ein Häuschen wünscht ich mir, versteckt und klein,
auf dessen Sims sein Lied der Vogel singt,
an dessen reb’umsponnen Fensterkreuz
der letzte Ton der lauten Welt verklingt.

Darin für mich und für die Meinen Raum,
vom Strassenlärm der Städte meilenweit – – –
und einen Garten pflanzt ich um mein Haus,
darinnen Blatt und Blüt und Frucht gedeiht.

Ein Apfelbaum, der goldne Früchte trägt,
ein Laubgezelt am schwülen Sonnentag,
ein Rosenhag, von dessen Duft berauscht,
ich einsam sinnen, träumen, dichten mag!

(…)

 

Clara Müller-Jahnke (1860-1905) deutsche Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin
Die ersten drei Strophen ihres Gedichtes „Ein Wunsch“

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 26 Kommentare

Nun schweig

Foto Brigitte Fuchs: Abendstimmung in Kastanienbaum/Horw am Vierwaldstättersee

 

Nun schweig und fühle, wie die Schatten wehn;
Aus tiefen Himmeln bunte Flammen sinken,
Und schwarze Wolken felsenzackig stehn
Um blanke Dächer, die wie Seen blinken.

Und suche meine Seele nicht; die liegt
In jenem Baum, weit hinterm Sonnenfeuer,
Der sich im Weltall zwischen Sternen wiegt.

 

Peter Baum (1869-1916) deutscher Schriftsteller
Text aus dem Internet

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 24 Kommentare

Sommergast

Fotos Brigitte Fuchs

 

Der Buchfink

In den grünen Buchenhallen
Wandre ich vergnügt und froh,
Und von allen Wipfeln schallen
Hör’ ich’s ebenso,
Überall nur ein Getön:
„Trallala, die Welt ist schön!“

(…)

Ja, die kleinen klugen Finken
Sind der höchsten Weisheit voll.
Wer in Trübsinn will versinken,
Der ist wirklich toll,
Wenn es schallt aus grünen Höhn:
„Trallala, die Welt ist schön!“

 

Heinrich Seidel (1842-1906) deutscher Ingenieur und Schriftsteller
Erste und letzte Strophe seines Gedichtes „Der Buchfink“

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 22 Kommentare

Hast du die Schwäne gesehn?

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Hast du die Schwäne gesehn? Sie trugen zu Neste. Sie theilten

Treulich die Lust und die Last. Sieben schon wurden aus zween.

 

 

Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818) deutscher Dichter, Pfarrer und Professor an der Uni Greifswald
Text aus dem Internet

 

Foto Brigitte Fuchs: Schwanenfamilie am Rhein bei Waldshut/Deutschland

 

Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte | 18 Kommentare