Archiv der Kategorie: Gedichte
Pflanzenkunde

Fotos Brigitte Fuchs
Pflanzenkunde
Kraut ist Kraut und Mann ist Mann. Man
kann viel wohlgeformte Frauenschuhe
sammeln, Hirtentäschchen, Löwenzahn.
Ach ja, und Kindern liest man Märchen
vor, in denen der gemeine Hexenbesen,
Stiefmütterchen und andere Wesen ihr
Spiel mit jedem guten Heinrich treiben.
Womöglich sind Waldvögelein, Rapunzel,
vielleicht sogar Schneeweisschen und
fein Rosenrot am Ende tot – man weiss es
nie so ganz genau. Nur das Vergissmein-
nicht (sofern es nicht gestorben ist und
heut noch lebt im Märchenwald) vergisst,
was bös, was gut ist, nicht und überhaupt.
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, Edition 8, Zürich 2014

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
30 Kommentare
Nach Sonne gehn

Foto Brigitte Fuchs
Das ist ein köstlich Ding: nach Sonne gehn
Und dann, eh man’s geglaubt, in Sonne stehn.
Die Wege alle sind in Licht getan,
Wohin du gehst, hebt neues Leuchten an.
Hörst du’s? Ganz deutlich ist’s: von Ried und Rain
Macht Feldmusik ein Chor von Engelein.
Du musst nur hören, und du musst nur sehn –
Das ist ein köstlich Ding: nach Sonne gehen!
Gustav Schüler (1868-1938) deutscher Schriftsteller und Lyriker
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
14 Kommentare
Wie wenn das Leben wär nichts anderes
Fotos Brigitte Fuchs
Wie wenn das Leben wär nichts anderes
als das Verbrennen eines Lichts!
Verloren geht kein einzig Teilchen,
jedoch wir selber gehen ins Nichts!
Denn was wir Leib und Seele nennen,
so fest in eins gestaltet kaum
es löst sich auf in tausend Teilchen
und wimmelt durch den öden Raum.
Es waltet stets dasselbe Leben.
Natur geht ihren ewigen Lauf;
in tausend neu erschaffnen Wesen
stehen diese tausend Teilchen auf.
Theodor Storm (1817-1888) deutscher Schriftsteller, Novellist und Lyriker
Zur Info: Dieses Hallstatt-Grab auf dem Sonnenberg zwischen Reinach/AG und Menziken wurde im Zeitraum 800 bis 500 v. Chr. errichtet und 1932 wiederentdeckt und restauriert.
Als Hallstatt-Zeit wird die ältere vorrömische Eisenzeit in weiten Teilen Europas ab etwa 800 v. Chr. benannt.
Keramikfunde aus dieser Epoche sind im Museum „Schneggli“ in Reinach/AG zu sehen.
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
16 Kommentare
Anflug

Foto Brigitte Fuchs: Biene im Anflug auf einen Natternkopf
(…)
Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum !
Such in Blumen, such in Blümchen !
Dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen.
Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum !
Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum !
Kehre heim mit reicher Habe,
Bau uns manche volle Wabe,
Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum !
(…)
Zwei Strophen des Kinderliedes „Sum, sum, sum“
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) verfasste den Text 1835 unter dem ursprünglichen Titel Biene.
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Mohn

Foto Brigitte Fuchs
Lodernd in Schönheit,
flackernd in brennender Glut,
rot wie die Sinne,
heiss wie rauschendes Blut
sehe ich rings deine taumelnden Flammen loh’n,
blühender Mohn!
(…)
Carl Wolff (1884-1938) deutscher Schriftsteller und Kabarettist
Erste Strophe seines Gedichts „Mohn“, Gedicht aus dem Internet

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
22 Kommentare
Laternen
Fotos Brigitte Fuchs
Spaziergang
Der Abend kommt mit Mondschein und seidner Dunkelheit.
Die Wege werden müde. Die enge Welt wird weit.
Opiumwinde gehen feldein und feldhinaus.
Ich breite meine Augen wie Silberflügel aus.
Mir ist, als ob mein Körper die ganze Erde wär.
Die Stadt glimmt auf: Die tausend Laternen wehn umher.
Schon zündet auch der Himmel fromm an sein Kerzenlicht.
… Gross über alles wandert mein Menschenangesicht –
Alfred Lichtenstein (1889-1914) deutscher expressionistischer Dichter

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
18 Kommentare
Mai

Fotos Brigitte Fuchs
Der Flieder am Tor
dringt rötlich hervor,
das himmlische Blau
erduftet im Tau.
Noch blendets vom Blühn,
schon rieselt es grün
und flimmert und bebt,
von Licht überschwebt.
O seliger Mai
und morgen vorbei:
ein trunkener Zug,
ein blitzender Flug!
Richard von Schaukal (1874-1942) österreichischer Jurist, Essayist und Lyriker
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
12 Kommentare
„So, so!“

Foto Brigitte Fuchs
Vier Maurer sassen einst auf einem Dach.
Da sprach der erste: „Ach!“
Der zweite: „Wie ists möglich dann?“
Der dritte: „Dass das Dach halten kann!!!“
Der vierte: „Ist doch kein Träger dran!!!!!!“
Und mit einem Krach
Brach das Dach.
Kurt Schwitters (1887-1948) deutscher Dichter, Künstler, Maler und Dadaist, der unter dem Kennwort MERZ ein dadaistisches „Gesamtweltbild“ entwickelte.
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
22 Kommentare
Vorlesetag

Foto Brigitte Fuchs
Zum heutigen Schweizer Vorlesetag schreiben die Verantwortlichen:
„Der Schweizer Vorlesetag ist ein jährlich stattfindender, nationaler Aktionstag, der zeigt, wie wichtig und schön Vorlesen ist. Denn regelmässiges Vorlesen schafft nicht nur Nähe, sondern unterstützt Kinder auch in ihrer Entwicklung. Kinder, denen täglich vorgelesen wird, haben einen grösseren Wortschatz und sie lernen leichter lesen und schreiben.“
Na dann, lassen wir doch den Enkel vom Grossvater eine Geschichte erbitten.
Das Gedicht „Gschichtli“ schrieb Sophie Hämmerli Marti:
Wer weiss mer es Gschichtli,
Git s öppe hüt keis?
O liebe Grosvatter
Verzell mer doch eis.
Vo Hase-n und Füchse,
Vo Marder und Reh,
Vo böse Wildsäune
Und Ferte-n im Schnee!
Und wenni denn gross bi,
Darfi mit-der is Holz,
Ufem tupfete Schimel,
Graduf wine Bolz!
Sophie Hämmerli- Marti (1868-1942) Arztgattin, Mutter und Mundartdichterin aus dem Aargau
In „Mis Chindli“, Verlag Sauerländer, Aarau, 8. Auflage 1965
Versuch einer Übersetzung ins Schriftdeutsche für diejenigen, die sich schwer tun mit Schweizer Mundart:
Geschichtchen
Wer weiss mir ein Geschichtchen,
Gibt’s heute denn keins?
O lieber Opa
Erzähl mir doch eins.
Von Hasen und Füchsen,
Von Mardern und Reh,
Von bösen Wildschweinen
Und Fährten im Schnee!
Und wenn ich einst gross bin,
Darf ich mit dir ins Holz,
Auf dem gepunkteten Schimmel
Aufrecht wie ein Bolz! (Bolzen)

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Diverses, Gedichte
22 Kommentare
Wahrheit und Lüge
Das Wahre suchen und das Schöne lieben,
Das Gute üben,
Kein edler Ziel kann im Leben
Ein Mensch erstreben,
Kein reiner Glück kann auf Erden
Der Seele werden.
Karl von Gerok (1815-1890) deutscher Theologe und Kirchenliederautor

Fotos Brigitte Fuchs:
Das neue Stapferhaus in Lenzburg mit der aktuellen Ausstellung „FAKE. Die ganze Wahrheit“. (Die Ausstellung habe ich noch nicht besucht, werde es aber bestimmt noch tun…)
Siehe auch:
https://www.stapferhaus.ch/ausstellung/fake/
Die Holzfigur trägt den Namen „Pinokio“. Sie wurde 2018 aus Fichtenholz geschaffen vom Schweizer Künstler Roman Sonderegger, *1979
Veröffentlicht unter Bilder, Diverses, Gedichte
22 Kommentare

