Archiv der Kategorie: Texte
Arbeit eines Menschen

Foto Brigitte Fuchs
Sei niemals mürrisch oder schlecht gelaunt. Denke am Morgen: „Ich stehe auf zur Arbeit eines Menschen.“ Du bist nicht zum behaglichen Geniessen da, sondern zum Handeln. Leiste mit voller Kraft, was in deiner Macht steht, unabhängig davon, mit wie vielen Talenten du gesegnet bist.
Marc Aurel (121-180 n. Chr.) römischer Kaiser und Philosoph
Aus seinen „Selbstbetrachtungen“
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Menschen und Möwen
Fotos Brigitte Fuchs
Es ist mit des Menschen Gemüt wie mit dem Meere. Hat der Sturm auch ausgetobt, so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und unter einsmal schäumt wieder ein nachzüngelnder Wellensturz gewaltig auf und
jagt die Möwen vom Fels.
Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886) deutscher Dichter und Schriftsteller
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Für das wache Auge…

Fotos Brigitte Fuchs
Für das wache Auge hat jede Zeit des Jahres ihre eigene Schönheit, und in demselben Feld nimmt es stündlich einen neuen Anblick wahr, der nie zuvor gesehen wurde und vielleicht nie wieder gesehen wird.
Ralph Waldo Emerson (1803-1882) US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller
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Jeder Tag…
Fotos Brigitte Fuchs
Jeder Tag bringt einen Abend, und in der Bucht beim Toscana-Garten steht Schilf, und Weiden und Haselstauden hängen über,
ein Vogel flüchtet, und alte Steinstufen führen zu weiten Wiesen.
Nebel zieht herüber, du lassest die Ruder sinken, und niemand, niemand stört dich!
Peter Altenberg (1859-1919) Pseudonym für Richard Engländer, österreichischer Schriftsteller und Kabarettautor

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Die Olive
Fotos Brigitte Fuchs
Die Einsamkeit nimmt zu. Mehr und mehr fühlt man sich allein auf der Welt. Die einen sind in die ewige Heimat gegangen, das Leben der anderen spielt sich mehr und mehr abseits des unseren ab; man kommt sich vor wie die Olive, die nach der Ernte allein am Ende eines Zweiges hängen blieb und vergessen wurde. In unserem Alter kommt einem dieser Vergleich aus der Bibel oft in den Sinn.
Charles de Foucould (1858-1916) französischer Forscher, Offizier des französischen Heeres, Priester, Mönch und Eremit

Foto Brigitte Fuchs
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Ach! Freude!
Fotos Brigitte Fuchs
Ach! Freude!
Ist das nicht ein Stückchen Frühling in der Seele?
So etwas wie Morgenrot und Maientau
und Rosenduft und Finkenschlag?
So etwas, wovon sie ganz hell, frisch und leicht wird?
Ida Hahn-Hahn (1805-1880) deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Klostergründerin
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Ein unspektakulärer Mittwoch
Foto Brigitte Fuchs
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Ein unspektakulärer Mittwoch.
Kater Emilio hingegen sinniert,
sein Revier zu verlassen.
Viktor Steinhauser, *1956, Schweizer Geologe, Pädagoge, Schriftsteller und Lyriker
Aus „Abtauchen“, Kürzestgeschichten & Miniaturen, pamal-verlag, Ebikon 2019
Mit Erlaubnis des Autors
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Auf der Strasse…
Fotos Brigitte Fuchs: Homberg
Auf der Strasse, die man gehen muss, dankt man für eine wohltätige Bank, die ein Menschenfreund dem müden Wandrer hingesetzt hat, oder für eine liebliche Allee weit mehr, als wenn man sie in einem Lustgarten findet, an dem man hätte vorübergehen können.
Friedrich Schiller (1759-1805) deutscher Dichter, Philosoph und Historiker
Zitiert aus einem Brief an Christian Gottfried Körner vom 7. Januar 1788
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Wilde Orchideen
Fotos Brigitte Fuchs:
Wilde Orchidee mit dem Namen „Grünliche Waldhyazinthe“ oder im Volksmund „Berg-Kuckucksblume“
Du solltest nur seltene und heimliche Worte schreiben. Du solltest in den Schatzkammern der Sprache Worte suchen, die noch nie in einer Zeitung
und in keinem Ullsteinbuche je gestanden haben. Worte, die den verlorenen
Duft der Einsamkeit haben. Worte, die fremd sind und wie Orchideen an
den Wurzelstöcken der ewigen Wälder.
Victor Auburtin (1870-1928) deutscher Journalist aus einer französischen Emigrantenfamilie. Feuilletonist, Auslandskorrespondent (für das Berliner Tagblatt) und satirischer Moralist
Textpassage aus „Rat an den Schriftsteller“ in „Sündenfälle“
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Oft pflücke ich auch keine Blumen…
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Brigitte Fuchs
»Habt ihr etwa ein Buch mit euch genommen, um auf dieser Bank zu lesen«, fragte ich, »oder habt ihr nicht Blumen gepflückt?«
»Ich habe kein Buch mitgenommen und habe keine Blumen gepflückt«, antwortete sie, »ich kann nicht lesen, wenn ich gehe, und kann auch nicht lesen, wenn ich im freien Felde auf einer Bank oder auf einem Steine sitze.«
Wirklich sah ich auch gar nichts neben ihr, sie hatte kein Körbchen oder sonst irgend etwas, das Frauen gerne mit sich zu tragen pflegen, um Gegenstände hinein legen zu können; sie sass müssig auf dem Bänklein, und ihr Strohhut, den sie von dem Haupte genommen hatte, lag neben ihr in dem Grase.
»Die Blumen pflücke ich«, fuhr sie nach einem Weilchen fort, »wenn sie bei Gelegenheit an dem Wege stehen. Hier herum ist meistens der Mohn, der aber wenig zu Sträussen passt, weil er gerne die Blätter fallen lässt, dann sind die Kornblumen, die Wegnelken, die Glocken und andere. Oft pflücke ich auch keine Blumen, wenn sie noch so reichlich vor mir stehen.«
Adalbert Stifter (1805-1868) österreichischer Schriftsteller, Pädagoge und Maler
Textauszug aus der Erzählung „Der Nachsommer“
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