Archiv der Kategorie: Texte

Auf der Strasse…

Fotos Brigitte Fuchs: Homberg

 

 

Auf der Strasse, die man gehen muss, dankt man für eine wohltätige Bank, die ein Menschenfreund dem müden Wandrer hingesetzt hat, oder für eine liebliche Allee weit mehr, als wenn man sie in einem Lustgarten findet, an dem man hätte vorübergehen können.

 

 

Friedrich Schiller (1759-1805) deutscher Dichter, Philosoph und Historiker
Zitiert aus einem Brief an Christian Gottfried Körner vom 7. Januar 1788

 

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Wilde Orchideen

Fotos Brigitte Fuchs:
Wilde Orchidee mit dem Namen „Grünliche Waldhyazinthe“ oder im Volksmund „Berg-Kuckucksblume“

 

 

Du solltest nur seltene und heimliche Worte schreiben. Du solltest in den Schatzkammern der Sprache Worte suchen, die noch nie in einer Zeitung
und in keinem Ullsteinbuche je gestanden haben. Worte, die den verlorenen
Duft der Einsamkeit haben. Worte, die fremd sind und wie Orchideen an
den Wurzelstöcken der ewigen Wälder.

 

 

Victor Auburtin (1870-1928) deutscher Journalist aus einer französischen Emigrantenfamilie. Feuilletonist, Auslandskorrespondent (für das Berliner Tagblatt) und satirischer Moralist
Textpassage aus „Rat an den Schriftsteller“ in „Sündenfälle“

 

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Oft pflücke ich auch keine Blumen…

Foto Brigitte Fuchs

 

»Habt ihr etwa ein Buch mit euch genommen, um auf dieser Bank zu lesen«, fragte ich, »oder habt ihr nicht Blumen gepflückt?«

»Ich habe kein Buch mitgenommen und habe keine Blumen gepflückt«, antwortete sie, »ich kann nicht lesen, wenn ich gehe, und kann auch nicht lesen, wenn ich im freien Felde auf einer Bank oder auf einem Steine sitze.«

Wirklich sah ich auch gar nichts neben ihr, sie hatte kein Körbchen oder sonst irgend etwas, das Frauen gerne mit sich zu tragen pflegen, um Gegenstände hinein legen zu können; sie sass müssig auf dem Bänklein, und ihr Strohhut, den sie von dem Haupte genommen hatte, lag neben ihr in dem Grase.

»Die Blumen pflücke ich«, fuhr sie nach einem Weilchen fort, »wenn sie bei Gelegenheit an dem Wege stehen. Hier herum ist meistens der Mohn, der aber wenig zu Sträussen passt, weil er gerne die Blätter fallen lässt, dann sind die Kornblumen, die Wegnelken, die Glocken und andere. Oft pflücke ich auch keine Blumen, wenn sie noch so reichlich vor mir stehen.«

 

 

Adalbert Stifter (1805-1868) österreichischer Schriftsteller, Pädagoge und Maler
Textauszug aus der Erzählung „Der Nachsommer“

 

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Nach dem Regen

Fotos Brigitte Fuchs

 

Feuchtgebiete rings umher,
das Wiesengelb von Nässe schwer.
Sachte tropft es von den Ästen,
von verwaisten Vogelkästen.
Doch der sonnengelbe Glanz
rüstet auf zu neuem Tanz.

 

Brigitte Fuchs

 

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Ein blauer Nachmittag

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee

 

 

Zum Wandern lockt der Uferweg.
Den Fischern dient der Landesteg.

Man segelt, rudert, schwimmt, geniesst,
legt sich ins Gras zum Sonnenbaden,
kühlt in der Flut die heissen Waden,
befreit das Baby von den Söckchen,
wirft Bälle für den Hund und Stöckchen:
Es gibt nichts, was uns heut‘ verdriesst.

Im Kursschiff geht es dann zurück
samt Frohsinn, Müdigkeit und Glück.

 

 

Brigitte Fuchs

 

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee

 

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Der Gang aufs Land

Foto Brigitte Fuchs: Wynental

 

 

Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings

Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab

Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume

Zahllos, blühend weiss, wallen in wiegender Luft,

Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock

Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.

 

 

Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Letzte Zeilen aus seinem Langgedicht „Der Gang aufs Land“

 

 

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Das neue Paradies

Foto Brigitte Fuchs

 

Hol es der Henker«, rief Gott, »jetzt ist meine Geduld zu Ende; der ganze Planet muss weg, zerschmissen muss er werden, sonst verschandelt er mir die Schöpfung.« Und in furchtbarem Grimm ballte er die Faust und hielt sie über die kleine braune Kugel, die da zischend und knisternd und schwelend und stinkend durch den Äther zog.

 

Foto Brigitte Fuchs: Schwalbenschwanz

 

Aber er schlug nicht zu, sondern streckte die Hand wieder in die Hosentasche, und seine Miene wurde milder. »Nein«, sprach er vor sich hin, »man muss sich alles überlegen. Es wäre schade um die Schmetterlinge.«

 

Victor Auburtin (1870-1928) deutscher Journalist und Schriftsteller
Aus „Das neue Paradies“

 

Foto Brigitte Fuchs: Schwalbenschwanz

 

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Ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch

Fotos Brigitte Fuchs

 

Vorgestern – das Wetter hätte einladender nicht sein können – machten wir uns auf ins Baselbiet.
Hausfrau Hanna wird den geschichtsträchtigen Ort gleich erkennen (nicht nur anhand der Tafel „Froschwanderung“ oder dem Hinweis „Ab uff d’Sogge!“).

Für die anderen Blogbesucherinnen und -besucher gibt es nachstehend ein paar Informationen.

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

Die Ermitage in Arlesheim, heisst es in den Beschreibungen dieses beliebten Ausflugsziels, sei der grösste englische Landschaftsgarten der Schweiz. In die Anlage sind naturgegebene Elemente wie das romantische Gobenmatttal und der Burghügel mit seinen Höhlen und Grotten einbezogen worden.

Die vorhandenen Bauten der Schlossruine Birseck (der Mühle, der Tabakstampfe und der Büchsenschmiede) bilden ebenfalls wesentliche Bestandteile des romantischen Gartens. Die drei Weiher wurden früher zur Fischzucht genutzt. Mit verzweigten Wegen, Aussichtspunkten, Plätzen, Kleinbauten und Denkmälern und mit dem geschickten Einbezug der Sträucher und Bäume, sowie mit der Schaffung von Sichtachsen ist zum Ende des 18. Jahrhunderts eine naturnah wirkende, aber kunstvoll gestaltete und arrangierte Gartenanlage entstanden.

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

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Vom Lesen

Fotos Brigitte Fuchs

 

Wenn ich im Lesen eine schwere Stelle finde, die ich nicht verstehen kann, so beisse ich mir deswegen die Nägel nicht ab, sondern lasse es, nachdem ich sie ein- oder ein paarmal beleuchtet habe, dabei bewenden. Wenn ich mich darauf erpichte, würde ich mich und meine Zeit verderben, denn mein Kopf wird leicht stutzig; was er nicht im ersten Anlauf lernt, das lernt er noch weniger, wenn er angestrengt wird. Ich tue nichts ohne Frohsinn, und zu langes und anhaltendes Nachsinnen trübt meinen Verstand…

 

 

Michel de Montaigne (1533-1592) französischer Jurist, Philosoph und Essayist

 

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Wir andern…

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Es gibt keinen Nicht-Romantiker, und wenn es einen gäbe, so müsste er seinen Standort an einem Weltpunkt wählen, wohin nicht Licht noch Ton dringt. Wir andern sind Sonnenanbeter, wes Bekenntnis wir sonst sein mögen, im Regenbogen erblicken wir noch etwas Anderes als eine prismatische Lichtzerlegung, ein Wald erzählt uns von andern Dingen, als von seinen Kubukmetern Holz, ein Vogellied berührt uns nicht nur mit soundsoviel Schallschwingungen in der Zeiteinheit.

 

 

Alexander Moszkowski (1851-1934) deutscher Schriftsteller und Satiriker polnisch-jüdischer Herkunft
Text aus dem Internet

 

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